Kategorie: Sunday Sermon

erscheint nur sonntags, Predigten; Texte, Videos, Podcasts über Glaubensinhalte, Bibelverse

Geduld, die Mauern sprengt

Geduld, die Mauern sprengt

Photo by Jacky Watt
Photo by Jacky Watt

Aus der flimmernd heißen Wüste schleppt ein Volk von Beduinen sich vor die hoch gebaute Festung Jerichos. Hat die mörderische Hitze diesen Wahnsinnswunsch geweckt, diese Mauer sei von ihnen zu stürmen? Einfach so? Solche Mauern kannten die meisten von ihnen gar nicht. Und doch hat das Volk von Jericho Angst. Es hatte seine Tore verschlossen. Etwas ging diesem Volk voraus, das sie aussperren wollten. Immerhin gab es ja noch die Hoffnung, dass die Mauern das Volk so sehr einschüchtern, dass sie von ihren Plänen ablassen.

Wir kennen Mauern von unterschiedlichster Art. Die Chancen für die Zukunft scheinen verbaut, beruflich gibt es kein Vor und kein Zurück, die Ehe ist festgefahren, Beziehungen wollen nicht heil werden, Kinder geraten auf die schiefe Bahn. Und Haltungen und Herzen sind oft härter, als der Stein. Und dann beginnen wir oder unsere Freunde vor diesen Mauern im Gebet hin und her zu ziehen. Und jahrelang passiert gar nichts.

Gott gab Josua die Verheißung: „Die Stadtmauern [werden] zusammenbrechen, und das Volk kann geradewegs in die Stadt eindringen“ (Jos 6,5 NLB). Und hat Gott nicht auch uns verheißen, dass er „uns den Sieg gibt durch unseren Herrn Jesus Christus!“ (1Kor 15,57 Elb)? Und doch haben wir Zweifel daran, wenn wir nicht sehen, dass etwas geschieht. Wenn man Bauarbeiter beschäftigt und nach sechs Tagen nicht sieht, dass die Mauer gewachsen ist, kündigt man den Bauarbeiten, und das mit Recht. Wir wollen doch Evidenz des Fortschritts sehen. Und wenn man andersherum sechs Tage eine Mauer umschreitet, damit sie am siebten Tage schließlich einstürzt, kann man doch wenigstens erwarten, erste Risse zu erkennen.

Was wirklich geschah

Eine Wissenschaftssendung (deren Name der geneigte Leser vielleicht am Grad ihrer Wissenschaftlichkeit erraten kann) hat in einem Experiment die Mauer Jerichos in Größe und Stärke nachgebaut und mit verschiedenen Methoden von Schall und Vibration versucht, ihren Einsturz zu provozieren. Das Fehlen eines jeden Effektes auf die Mauer deutete die Sendung als Beweis für einen Irrtum der Bibel an dieser Stelle. Kein natürliches Ereignis hätte diesen Mauerfall so bewirken können. Was wir dieser wissenschaftlichen Erkenntnis aber eigentlich abgewinnen sollten ist, dass es sich eben um ein übernatürliches Ereignis gehandelt haben muss. Etwas, das nicht im direkten Zusammenhang mit dem Vorgehen des Volkes Israel steht.

Sechs Tage lang zieht das gesamte Volk um die Stadtmauer. Die spätere griechische Übersetzung des Alten Testamentes, die Septuaginta, denkt bei ihrer Übersetzung militärisch und betont nur die Aufgaben der Kriegsleute. Der Urtext aber spricht von dem ganzen Volk, das völlig unmilitärisch aufgestellt ist. Man liest nicht einmal von den Waffen der Kriegsleute. Aber jeder hat seine Position und gehört zu dieser Prozession dazu. Vorneweg geht das Kriegsvolk. Hinter ihnen kommen die sieben Priester und blasen die sieben Posaunen. Dahinter trägt man die Bundeslade, das Zeichen der „Gegenwart des Herrn“ (Jos 6,8 NLB). Und dahinter schreitet das gesamte Volk, wenn man den Text genau nimmt. Die Alten Männer, die Frauen und die Kinder. Jeder militärische Charakter ist verflogen. Die Kriegsleute sind ebenso nur Statisten, wie das übrige Volk und doch spielen sie alle eine entscheidende Rolle. Aber zu welchem Zweck? Eine Kriegslist? Ein Ablenkungsmanöver? Für die Wachposten an den Zinnen der Mauer Jerichos in jedem Fall ein Rätsel.

Für das umrundende Volk aber wird ihr Handeln nicht weniger Rätsel aufgeworfen haben. Nur haben sie einen Vorteil. Sie kennen die Bildebene. Die sieben Priester blasen nicht irgendwelche Posaunen, sondern Widderhörner. Das Schofar ist Gottes Instrument, es preist ihn nicht nur, es verkündet sein Tun (2Mo 19,16; Ps 150,3) und das Kommen des Königs. Gleichzeitig ruft es sowohl die Krieger zur Schlacht zusammen, als auch verkündet es den Sieg, als Friedenssignal. Diese Prozession führt zu beidem, zur Schlacht und zum Frieden. Gott steht im Mittelpunkt dieser Prozession und führt sein Volk gleichsam dorthin. Es ist der siebte Tag, der Sabbat, der Tag der Ruhe. Darum geht es.

Und warum zieht das Volk nun insgesamt zwölf Mal um die Stadt herum, ohne den geringsten Unterschied bei der Stadtmauer wahrzunehmen? Weil in diesem Umzug nicht die Stadtmauer von Bedeutung ist! In jeder Runde kann sich das Volk davon überzeugen, dass immer noch nichts an der Mauer geschehen ist. Als dann in der siebten Runde des siebten Tages die Mauer einfach fällt und in sich zusammenstürzt, muss jeder von ihnen Zweifels ohne bezeugen, dies muss das Wirken Gottes gewesen sein. Aber dafür hätte Gott doch nur eine Extrarunde einplanen können. Immerhin, Gott schickt nicht nur einen Gutachter, dessen Einschätzung dann alle vertrauen müssen. Jeder im Volk darf sich selbst überzeugen. Aber Gott macht mit seinen Kindern hier noch weit mehr.

Vertrauensvolle Geduld

Wenn wir vor Mauern im Gebet umherziehen, fragen wir entweder Gott, warum er nichts tut oder was wir wohl falsch machen. Die Antwort Gottes darauf wäre, wenn er sie uns direkt geben würde, verblüffend. „Herr, was machen wir falsch?“ „Gar nichts macht ihr falsch!“ „Aber es tut sich doch nichts.“ „Das hat doch damit nichts zu tun.“ „Und was sollen wir jetzt machen?“ „Weiter sollt ihr machen!“

Vielleicht greifen wir, anstatt zu beten, auch zu anderen Mitteln. Wen würde es wundern, wenn das Volk Israel am siebten Morgen vor Josua stand und gesagt hätte: „Wir finden, du hast viel Ausdauer, aber wir hätten doch lieber einen militärischen Anführer.“ Wir wollen etwas tun, das mit der Sache direkt zusammenhängt. Ansonsten wäre unsere Rolle ja völlig unbedeutend. Und doch muss jedem in der Prozession früher oder später genau das aufgegangen sein. Es geht eigentlich hier nicht um mich. Der Krieger vorneweg begreift, er kündigt nur die Bundeslade an. Er gibt ihr nur die gebührende Ehre. Seine Kriegskunst steht der des Herrn weit nach. Die Priester verstehen, dass sie hier nicht im Krieg sind, sondern dies ein religiöser Akt ist. Ein Akt, der die Religion praktisch werden lässt. Und jedem Menschen im Volk wird immer mehr klar, dass sie nicht zu kämpfen brauchen (was die meisten erleichtert haben dürfte), sondern sie zu dem gehören, der für sie kämpft. Das hat Gott schon am Roten Meer getan und ihnen gesagt: „Der HERR wird für euch kämpfen, ihr aber werdet still sein“ (2Mo 14,14).

Diese Zeiten schenkt Gott uns, um uns „im unbedingten Glauben und geduldigen Vertrauen auf die Macht und Zusage Gottes zu üben“1. Alleine diese Macht hat es geschafft, die Mauern zu zerstören. Von diesem Gott alleine sollen wir danach bezeugen, er hat Großes getan! Was in diesen Zeiten an den Mauern ausbleibt, passiert dafür umso mehr in den Herzen derjenigen, die nicht müde werden, über Gott nachzudenken. Manchmal lassen wir uns einreden, unser Gebet könnte falsch sein. Wir hätten nicht die richtige Form gewählt, um Gott zu überzeugen oder überhaupt gehört zu werden, so wie eine Bewerbungsmappe, die gar nicht erst gelesen wird, weil sie vorne drauf einen Rächtschreibfehler hat. Dann denken wir, wir müssten jeden Zweifel einmal wenigstens für ein paar Sekunden aus dem Sinn vertreiben, damit es zumindest nach ungetrübtem Glauben aussieht und Gott es bewilligt. Wir erlauben uns in Folge dessen auch nicht, Gott zu hinterfragen. Wir bleiben ganz bei uns und verharren in der Annahme, dass es mal wieder an uns liegt. Da, wo ich mir erlaube, Gott zu hinterfragen, kann ich wirklich anfangen, seinen Standpunkt zu sehen. Solange ich mir nicht eingestehe, dass ich auf mein Können und Tun vertraue, täusche ich mich selbst (Vgl. 1Joh 1,8). Ich werde vordergründig Gottes Macht proklamieren und heimlich davon ausgehen, dass es aber meine Gebetsfertigkeit war, die Gottes Macht wirken lässt. (Alleine schon, weil ich „proklamieren“ sage und nicht einfach „verkündigen“.)

Weiß Paulus etwa nicht, was er redet, wenn er schreibt: „Denn wir wissen ja nicht einmal, worum oder wie wir beten sollen. Doch der Heilige Geist betet für uns mit einem Seufzen, das sich nicht in Worte fassen lässt“ (Röm 8,26 NLB)?

„Es ist besser, geduldig zu sein als mächtig; es ist besser, Selbstbeherrschung zu besitzen, als eine Stadt zu erobern“ (Spr 16,32). Wie gut, dass nämlich genau diese Geduld am Ende dazu führt, dass Gott die Stadt für uns erobert. Gott will uns in seine Ruhe führen. Dazu ist Jesus gekommen, dass er uns seinen Frieden gibt, wie ihn die Welt nicht geben kann (Vgl. Joh 14,27). Er verlangt nicht von uns ein Kriegsgeschrei, das Mauern zum Einsturz bringt. Er befähigt uns zu Jubelgeschrei, voller Dankbarkeit und Staunen, noch bevor die Mauer sichtbar nachgegeben hat. Ihm allein sei Ehre!

Daniel Riediger ist 34, Lehrer an einer christlichen Privatschule in Niedersachsen und engagiert sich im Predigtdienst und in der Jugendarbeit der EfG-Herford.

1 Holland, Martin; in: Wuppertaler Studienbibel, Das Buch Josua, Wuppertal 1993, S.85.

Fragen zum Nachdenken:

Wo im Alltag erlebst du Frust als Nachfolger Jesu?

In welchen Situationen reißt dein „Geduldsfaden“?

Hoffst du noch darauf, dass Gott deine Gebete erhört oder denkst du, dass es im Endeffekt egal ist, ob du betest oder nicht?

Welche „Mauer“ könnte für die Macht Gottes zu dick sein?

Über den Jordan gehen – Die Vollmacht der geliebten Überwinder

Über den Jordan gehen – Die Vollmacht der geliebten Überwinder Josua 3,1 – 4,7

Foto: Marcus Bellamy
Foto: Marcus Bellamy

Predigt von Dr. Heinrich Christian Rust am 27.01.2019 in der Friedenskirche Braunschweig über die Jordanüberquerung der Israeliten unter der Führung von Josua.

Überwinden heißt mehr als Heilung. Es bedeutet mehr als Glück und Zufriedenheit in dieser Welt. Überwindung richtet sich hoffnungsvoll in allen Nöten und Leiden unserer Zeit auf das ewige Leben mit Christus aus. Wir neigen dazu uns in den Herausforderungen und Schmerzen unseres vergänglichen Daseins zu verlieren, uns auf die schlimmen Erfahrungen aus Vergangenheit und Gegenwart zu fokussieren. Das ist oft gar nicht Ausdruck von Sünde oder dergleichen, sondern ein Ausdruck unserer geschöpflichen Schwäche.

Das Evangelium ist die frohe Kunde des Überwindens. In unserer Fokussierung auf Christus haben wir Anteil an der Kraft, die sich in Kreuz und Auferstehung Jesu gezeigt hat. Rust zeigt drei Aspekte einer vollmächtigen Spiritualität auf, die uns helfen können, in schwierigen Zeiten auf dem Weg der Hoffnung zu bleiben:

1. Jesus zuerst   2. Gehorsam – Schritt für Schritt   3. Gemeinsam nicht einsam

 

 

Fragen zum Nachdenken:

Worum dreht sich dein Gebetsleben?

Wie stellst du dir die Ewigkeit mit Gott vor? Langatmig und monoton oder kraftvoll und inspirierend?

Stell dir vor, es gibt eines Tages keinen Schmerz mehr. Welche Lasten werden dann in Gottes Gegenwart von deinen Schultern fallen? Schreib sie dir vielleicht mal einzeln auf.

Suche Frieden und jage ihm nach

Bild: Yücel Türkoğlu
Bild: Yücel Türkoğlu

„Suche Frieden und jage ihm nach.“

Dieser Vers aus dem aus dem 34. Psalm begleitet uns 2019 als Jahreslosung. Die Jahreslosung wird von der Ökumenischen Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen (ÖAB) für jedes Jahr drei Jahre im Voraus ausgewählt. Für viele Christen gilt sie als Leitvers für das Jahr. Ein Anlass auch für uns, hier einmal näher hinzuschauen!

Tobias Faix hat sich dazu einige Gedanken gemacht. Sein Blogpost trägt den bezeichnenden Titel: „Frieden stiften in einer Welt voller Konflikte. Über einen unmöglichen und unmissverständlichen Auftrag Gottes.“

Dabei beginnt er mit dem „Schalom Gottes“, dem ganzheitlichen Frieden im Alten Testament. Es folgt der Blick auf Jesus, den angekündigten Friedefürst. Doch wie können nun wir selbst diesem Frieden nachjagen, wie es der Vers beschreibt? Wie gelingt das inmitten der Mächte und Gewalten dieser Welt? Als Grundlage des Friedens sieht Tobias hier die Ausrichtung auf Gott. Gebet ist für ihn ein Akt spirituellen Widerstands, weshalb er uns u.a. zum Freitagsgebet für Syrien eingelädt. Zuletzt widmet er sich der Frage, inwieweit Gemeinde in unserer Gesellschaft friedensstiftend wirken kann.

Direktlink: http://tobiasfaix.de/2018/12/frieden-stiften-in-einer-welt-voller-konflikte-ueber-einen-unmoeglichen-und-unmissverstaendlichen-auftrag-gottes-meine-gedanken-zur-jahreslosung-2019-suche-frieden-und-jage-ihm-nach/

Bild: (c) by YÜCEL TÜRKOĞLU MEME

Rückblick auf ein Jahr „Sunday Sermons“

Inspiration durch Sunday SermonsNun sage mal einer, gute Vorsätze sind zum Scheitern verurteilt. Anfang 2018 habe ich mir vorgenommen jeden Sonntag einen Impuls auf jesusfreaks.de zu veröffentlichen. Dank der großartigen Unterstützung von Matze, Bloggerinnen, Predigern und anderen konntest du Sonntag für Sonntag eine „Sunday Sermon“ lesen oder hören. Vielen Dank für Eure Beiträge, Fundstücke, Tipps und Verwendungserlaubnisse!

2019 wollen wir die „Sunday Sermons“ weiterführen. Dazu freuen wir uns über Unterstützung beim Schreiben, Posten, Suchen und Teilen. Thematisch wollen wir uns am Jahresthema (mehr dazu am 01.01.2019) und am Kirchenjahr orientieren. Wir sind interessiert an neuen Zugängen oder historischen Erklärungen zu Feiertagen und biblischen Geschichten, aber natürlich auch an inspirierenden Impulsen.

Melde dich bei Bettina [medien@jesusfreaks.de]

Nicht stornierbare Auszeit

Du möchtest dem Vorweihnachtsstress entkommen? Tine hat es dieses Jahr geschafft. Lies ihren etwas holprigen Weg dahin.

Ein Sessel steht mitten im Chaos.Inzwischen bin ich mir sicher, dass es eine dumme Idee war. Und zwar alles!

Ich quetsche mich in meinem kleinen Zimmer zwischen Minitrampolin und Wohnzimmertisch hindurch auf meinen Sessel. Mein Sessel. Neben der Küche die einzige Oase in unserer Wohnung, wo nicht das Chaos herrscht. (Ratet mal wer dieses Jahr nichts gebacken hat.) So hatte ich mir den Advent nicht vorgestellt.

Dieses Weihnachten sollte alles wunderschön sein und neu. Wunderbar dekoriert. Eine Wohnung voller Behaglichkeit und Wärme. Natürlich war es meinem Mann und mir klar gewesen, dass eine Renovierung im November einiges an zusätzlichen Kraftaufwand kosten würde – und das hatte es auch.

Aber nun ist längst Advent und die Wohnung ist bedeckt von Baustaub, der überhaupt nicht romantisch wirkt, schon gar nicht im unbarmherzigen Licht von Baustrahlern. Dabei wollten wir doch nur im Wohnzimmer ein klein wenig umräumen. Aber wenn wir schon dabei sind, könnte man ja auch das Schlafzimmer anders gestalten und endlich auch ein Arbeitszimmer einrichten … so nahm es seinen Lauf. Jetzt sind wir gerade dabei eine Wand aus Gipsplatten hochzuziehen. Es ist furchtbar.

Nur die Sitzfläche meines Sessels ist noch übrig, Insel der Glückseligkeit, auf der ich gerade hocke wie ein Affe auf dem Schleifstein. Aber dank meiner Aromalampe auf der Fensterbank riecht es in meinem vollgestopften Zimmer wenigstens nach Orange und Zimt. Besinnlichkeit … vielleicht wenn man die Augen zumacht und mit ein bisschen Fantasie …? … nein, nicht mal dann.

Und nun auch noch die Woche Ostseeurlaub. Ich könnte mich in den Hintern beißen, würde ich denn ran kommen. Mitte September war die Überlegung so logisch wie die Idee der längst überfälligen Renovierung: Bis Mitte Dezember durchpowern und dann eine gemeinsame Auszeit, bevor die Festtagsgottesdienste und die Familienbesuche (einmal Autobahn-Ping-Pong quer durch Deutschland) über einen hereinbrechen.

Die letzten Jahre ging mir kurz vor Weihnachten regelmäßig die Luft aus. Übermüdet und geschwächt zog ich mir eine Grippe zu, die sich teilweise bis Februar festsetzte und der nur mit härteren Medikamenten beizukommen war. Der Gatte kränkelte solidarisch mit, bzw. (wenn man mich fragt), schleppte die Keime teils schon länger mit sich herum, bevor sie dann bei mir ausbrachen.

Diesmal wollten wir klug sein. Motto: wenn man sich freie Zeit nicht einplant, passiert sie auch nicht. Also buchten wir kurzerhand ein Hotel für Mitte Dezember. Eine Woche nur mein Mann und ich, stürmische Strandspaziergänge, Bücher und Gespräche bei Kerzenschein. Eine Woche vor Weihnachten würden wird dann entspannt, immunsystemaktiv und gut gelaunt wieder zu Hause aufschlagen, um endlich einmal nicht überarbeitet und mit 39 Grad Fieber den Weihnachtgottesdienst besuchen. Soweit zur Theorie.

Doch jetzt sieht die Wohnung aus wie nach einem Bombeneinschlag. Eine Erkältung hat mich die letzten drei Tage mit Fieber flach liegen lassen (Gatte scheint diesmal unschuldig) und wenn ich daran denke, dass ich mich morgen ins Auto quetschen und eine Woche ans Meer fahren soll, könnte ich heulen – und nicht vor Glück. Dummerweise ist der Urlaub nicht kostenfrei stornierbar. Ich frage mich, ob ich sowas eigentlich mit Absicht mache.

Mein Blick schweift über die Möbel, die in meinem Zimmerchen stehen und doch gar nicht hier her gehören. Ich schließe die Augen, atme den Duft von Orange und Zimt und versuche mich weihnachtlich zu entspannen … nein, klappt wirklich nicht.

Endlich durchatmen in einer verschneiten Landschaft.Das Meer klingt wild. Zumindest für die sonst eher zahme Ostsee. Es ist frisch und kalt und so dunkel, dass man die weißen Schaumkronen nur erahnen kann. Der Wind zerrt an meinem Anorak. Nach der langen Autofahrt dröhnt mein Kopf, aber die mit Salz und Sauerstoff angereicherte Luft tut gut. Ich wollte nicht her kommen. Doch nun merke ich, wie der Stress aus mir herausfließt. Ich atme, stemme mich gegen den Wind und setze einen Fuß vor den anderen.

Die Häuser hier sind schön geschmückt. Weihnachtlich. Nicht so wie meine Baustelle zu Hause. Am Ende der Woche wird der Weihnachtsmarkt eröffnen und Touristen anlocken, aber bis dahin dürfte es hier angenehm ruhig sein. Die Atmosphäre in den Lokalen ist fast familiär.

Jetzt kann ich nichts mehr tun. Ich bin einfach hier. Das Internet ist zu wackelig um viel damit anzufangen. Ich kann eure Kommentare lesen und freischalten aber damit endet es auch schon. Also akzeptiere ich die Passivität. Freue mich an euren Zeilen, freue mich an dem Adventskalender einer Freundin, der jeden Tag ein Bild und einen kleinen Satz beinhaltet. Freue mich an der Zeit, die ich plötzlich habe. An den Büchern, an den Gesprächen mit meinem Mann. An dem Adventsbibelleseplan, der mir zufällig vor die Füße geflattert ist.

Mein Leben ist so unperfekt wie dieser Advent. Aber gerade stört es mich nicht. Gerade greife ich nach dem was ich habe und muss erstaunt feststellen, wie viel das ist. Ich genieße diese Woche. Genieße es, dass ich atmen kann, meinen Gedanken nachhängen und mich dem leisen Suchen nach Gott im Advent zuwenden darf.

Der Text erschien zuerst auf Tines Blog: http://www.nurheute.net

Begegnung mit dem König des Friedens

Begegnung mit dem König des Friedens

Mehr als „zufrieden sein“

Foto: Robert Nyman
Foto: Robert Nyman

Frieden – ein Wort, das so geläufig und dennoch so groß und oft so weit weg zu sein scheint. Nicht nur so etwas wie Weltfrieden scheint angesichts der Geschehnisse in unserer Welt nahezu unerreichbar und unrealistisch zu sein. Auch der eigene, ganz persönliche Frieden wirkt nicht selten wie ein Traum. Und was heißt das überhaupt: Frieden? Heißt das einfach zufrieden sein mit dem, was man hat?

Wenn ich mir mein Leben so ansehe, dann muss ich zugeben, dass ich ganz, ganz viel Grund zum Danken habe. Ich habe eine liebevolle Familie, einen tollen Beruf und eine kleine, aber sehr herzliche Gemeinde. Es geht mir gesundheitlich, bis auf gelegentliche Kopf- und Rückenschmerzen gut und ich kann meine Energie sowohl in meine Familie, meinen Beruf, meine Gemeinde und unser Haus stecken, ohne dass ich beständig ans Limit komme. Und trotz all dieser großartigen Gaben, die ich genießen darf, fühle ich mich oft nicht zuFrieden. Ich merke das ganz besonders dann, wenn wir mal für eine längere Zeit kein Gemeindetreffen mehr hatten. Denn dann neige ich dazu, mich in meinen Alltagsaufgaben zu verlieren. Doch so sehr ich mich auch engagiere, ich komme darin nie wirklich zu der Ruhe, die ich eigentlich suche.

Nicht die Untadeligen

Immanuel Kant hat einmal sinngemäß geschrieben, dass nur ein Mensch, der alle seine Aufgaben und Pflichten erfüllt, dem glückseligen Frieden würdig sei. Bei aller Bewunderung für den Philosophen der Aufklärung, aber das kann und will ich nicht glauben (hat er vermutlich auch etwas anders gemeint…). Denn wenn ich in der Bibel blättere, erkenne ich ein anderes Muster. Es waren nie diejenigen, die alle ihre Pflichten erfüllten, die dann von Jesus auserwählt wurden. Es waren sogar im Gegenteil genau diejenigen, die ihre Pflichten untadelig erfüllten, die an Jesus jedoch Anstoß nahmen. Gerade die, die eine geradlinige Biographie vorzuweisen hatten, wie etwa Paulus, konnten mit Jesus und seinen Anhängern zunächst nicht viel anfangen. Als aufrichtiger Pharisäer, lebte Paulus in allen Tugenden, die das göttliche Gesetz forderte, „untadelig“, wie er selbst sagte. Und doch zerschlägt die Begegnung mit dem auferstandenen Herrn Jesus seinen ganzen Stolz in Stücke, so dass er etwas später sogar das, was er vor seinem Leben mit Christus für gut erachtete, als „Scheiße“ bezeichnete. Was war es, das Paulus zu dieser 180°-Wende brachte?

Als Jesus fragte, warum er ihn verfolge, muss Paulus wohl das ganze Ausmaß seines Irrtums erkannt haben. Dieser Schlag hat ihn so hart getroffen, dass er sein Augenlicht für ein paar Tage einbüßte. Auch wenn er gewiss noch nicht alles verstanden hatte, so muss ihm doch klar geworden sein, dass er am Wesentlichen vorbeigelebt hatte. Erst durch die Unterweisung anderer Nachfolger Jesu war er im Stande, mit seinem Verstand der Erkenntnis seines Herzens nachzukommen, so dass er den unermesslichen Frieden, diesen unerschöpflichen Lebensquell und Schatz der von allem befreienden Gnade Gottes ergreifen konnte.

In der Begegnung mit Jesus

Mit einem lückenlosen und vorbildlichen Lebenslauf konnte er das nicht erlangen. Und selbst durch seinen ganzen Eifer für Gott konnte er diese Gabe nicht empfangen. Einzig der Entschluss Christi, sich Paulus als Werkzeug auszuwählen, zog ihn mit in den Heilsplan Gottes für die Welt hinein. Und diese Erfahrung einer völlig unverdienten Annahme brachte ihn dazu, fortan nichts anderes mehr wissen zu wollen als allein Christus den gekreuzigten, der auferstanden zur Rechten Gottes sitzt und den nichts als Liebe und Hingabe für ihn und jeden einzelnen Menschen bewegt.

Paulus nahm dann in den Folgejahren ein Leben voller Entbehrungen und Leiden auf sich, weil ihm alles andere mehr oder weniger unwichtig erschien. Sein unbändiges Verlangen danach, allen Menschen diese Erfahrung der befreienden, bedingungslosen Annahme durch Gott zu ermöglichen, hat uns neben vielen starken Gemeinden, die die Jahrhunderte überdauern sollten und den christlichen Glauben nicht mehr aus der Welt wegzudenken erlauben, auch gut die Hälfte des Neuen Testamentes beschert. Er sprach von einem Frieden, der alle Vernunft übersteigt, den wir also nie wirklich ganz verstehen können, aber der in der Begegnung mit Jesus erlebt wird.

Paulus‘ Leben ist für mich so ziemlich das inspirierende Zeugnis für die Nachfolge. Und wenn ich so über diesen Apostel Christi nachdenke, dann sehne ich mich noch viel mehr danach, mir von dem Frieden, den Paulus in seiner Verbundenheit mit Christus gefunden hat, meine Prioritäten noch einmal und immer wieder „durchschütteln“ zu lassen. Wenn meine Alltagsaktivitäten mich oder andere nicht mehr und mehr in diesen Frieden eintauchen lassen können, was haben sie dann für einen Sinn? Wenn sie den Frieden Gottes in meinem Herzen oder in den Herzen anderer hemmen, dann sind sie „Scheiße“. Es reicht wohl einfach nicht, wenn man im Leben viel Grund zum Danken hat, auch wenn ich das nicht missen will. Aber um im Frieden Gottes atmen, wandeln, tanzen zu können, braucht man nicht mehr und nicht weniger als eine Begegnung mit Jesus, dem König des Friedens, der nicht den Weltfrieden, aber den Frieden Gottes bringt.

Anstelle einer Frage:

„ Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. “ Philipper 4,7

Wir sind dein

trauer-gebet_aaron-burdenEin Gebet für den Ewigkeitssonntag

Der Himmel ist dein und die Erde ist dein.
Wir sind dein.
Deine Liebe trägt den Himmel.
Deine Liebe trägt die Erde.
Deine Liebe trägt uns.
Ewiger Gott,
zu dir beten wir.

Nimm dich unserer Verstorbenen an.
Berge sie in deiner Liebe.
Halte du an ihnen fest,
wenn sie uns entgleiten.
Sprich
und die Worte,
die nicht mehr gesagt wurden,
werden aufklingen.
Höre,
und die Worte,
die noch gesprochen werden sollten,
werden Gehör finden.
Wische die Tränen ab.
Tröste und heile.
Segne die Erinnerungen und
lass uns den neuen Himmel und die neue Erde schauen.

Nimm dich der Schutzlosen an.
Begleite sie.
Zeige ihnen den Weg zu den Orten,
an denen sie sicher und geborgen sind.
Sprich,
damit die guten Worte,
die gesagt werden müssen.
laut werden.
Sprich,
damit das Brot,
das geteilt werden muss,
alle satt macht.
Richte du die, die andere verletzten.
Heile die Wunden und
lass uns den neuen Himmel und die neue Erde schauen.

Nimm dich der Mächtigen an.
Begeistere sie für die Gerechtigkeit.
Sprich,
damit sie sich ihrer Verantwortung erinnern:
für das Miteinander in Europa,
für die Rechte von Flüchtlingen,
und für die Welt, die wir unseren Kindern hinterlassen.
Versöhne die Verfeindeten.
Komm mit deinem Frieden und
lass uns den neuen Himmel und die neue Erde schauen.

Nimm dich deiner Kirche an.
Ermutige sie durch dein Wort.
Stärke sie durch dein Mahl.
Beschütze sie durch deine Liebe.
Der Himmel ist dein und die Erde ist dein.
Wir sind dein.
Auf dich hoffen wir,
ewiger Gott.
Höre unsere Bitten
durch Jesus Christus und
lass uns den neuen Himmel und die neue Erde schauen.

Amen.

Dieses Fürbittegebet wurde vom Gottedienstreferat und vom Liturgiewissenschaftlichen Institut der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschland in Leipzig erarbeitet.

Gedenken und Verantwortung

kerzenHeute werden im Bundestag, in Städten und Gemeinden Gedenkstunden und Gottesdienste zum Volkstrauertag veranstaltet. Initiiert vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge wurde der Volkstrauertag erstmals im März 1925 begangen. Seit 1952 findet er am vorletzten Sonntag des Kirchenjahres (zwei Sonntag vor dem ersten Advent) statt. Im Kirchenkalender wird er auch als Friedenssonntag bezeichnet.

In seiner Rede vom November 2016 brachte der damalige Bundespräsident Joachim Gauck die Hoffnung zum Ausdruck, wie aus dem Gedenken an Gewalt und Krieg eine Verantwortung zum Frieden erwächst.

 

„Wir denken heute an die Opfer von Gewalt und Krieg, an Kinder, Frauen und Männer aller Völker.

Wir gedenken der Soldaten, die in den Weltkriegen starben, der Menschen, die durch Kriegshandlungen oder danach in Gefangenschaft, als Vertriebene und Flüchtlinge ihr Leben verloren.

Wir gedenken derer, die verfolgt und getötet wurden, weil sie einem anderen Volk angehörten, einer anderen Rasse zugerechnet wurden, Teil einer Minderheit waren oder deren Leben wegen einer Krankheit oder Behinderung als lebensunwert bezeichnet wurde.

Wir gedenken derer, die ums Leben kamen, weil sie Widerstand gegen Gewaltherrschaft geleistet haben, und derer, die den Tod fanden, weil sie an ihrer Überzeugung oder an ihrem Glauben festhielten.

Wir trauern um die Opfer der Kriege und Bürgerkriege unserer Tage, um die Opfer von Terrorismus und politischer Verfolgung, um die Bundeswehrsoldaten und anderen Einsatzkräfte, die im Auslandseinsatz ihr Leben verloren.

Wir gedenken heute auch derer, die bei uns durch Hass und Gewalt gegen Fremde und Schwache Opfer geworden sind.

Wir trauern mit allen, die Leid tragen um die Toten, und teilen ihren Schmerz.

Aber unser Leben steht im Zeichen der Hoffnung auf Versöhnung unter den Menschen und Völkern,

und unsere Verantwortung gilt dem Frieden unter den Menschen zu Hause und in der ganzen Welt.“

 

aus: Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. (Hg.): Frieden, Vertrauen und Versöhnung. Reden zum Volkstrauertag 2016. Kassel 2017.

Von ganzem Herzen

enjoy-nowVon Freitag bis Sonntag hat sich der Erweiterte Leitungskreis und weitere Jesus Freaks in Kirchvers versammelt. Einen Tag haben die Menschen aus Regionen und Bereichen über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Regioarbeit nachgedacht, sich ausgetauscht und neue Ideen entwickelt. Mit den Ergebnissen werden sich die Verantwortlichen weiter beschäftigen, um Jesus Freaks – egal ob mit oder ohne Gemeinde- oder Regioanbindung – zu fördern und zu vernetzen. Außerdem wurden Ideen und Eindrücke zum Jahresthema vorgestellt und gemeinsam dafür gebetet.

Aus Zeitgründen gibt es daher statt eines üblichen Sunday Sermon-Posts die heutige Losung zur Ermutigung:

Du sollst den HERRN, deinen Gott, lieb haben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft. (5. Mose 6,5)

Fluide Kirche – Herausforderungen für eine christliche Gemeinschaft

Foto: Joel Forestbird
Foto: Joel Forestbird

Jens Stangenberg predigt in der Zellgemeinde Bremen über die Veränderungen in der Gesellschaft und was das für uns bedeutet, wenn wir eine Form von Glaubensgemeinschaft haben/bauen wollen. Gerade für uns Jesus Freaks ist das sehr relevant und könnte uns neue Anstöße geben, wie wir mit dem Rückgang von klassischen Gemeindestrukturen und dem Wegfall von Mitarbeit und Verbindlichkeit umgehen können. Die Predigt hat eher Vortragscharakter, dauert ca 1 std. aber es lohnt sich!
https://zellgemeinde-bremen.de/podcast/predigten/2018/09/30/fluide-kirche/

 

 

 

Direkter Link zur Predigt: