Das lass mal meine Sorge sein! – Wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.

Juni 17, 2018 in Sunday Sermon von matzewilli

 

Foto by Ben White

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Predigt von Pastor Dr. Heinrich Christian Rust 

Es gibt drei Faktoren, die unsere Beziehung zu Gott stören wollen: Sünde, Schwäche und Sorge. Pastor Dr. Heinrich Christian Rust stellt in seiner Predigt anschaulich dar, wie insbesondere die Sorge unsere Nachfolge beeinträchtigt und weist dabei auf die zentrale Frage hin, was uns im Leben am meisten wert ist. Wenn wir beten oder in Veranstaltungen gehen und nehmen danach alle unsere Sorgen wieder mit nach Hause, dann haben wir vom lebendigen und Leben verändernden Gott wenig verstanden. Unser Vater ist ein Gott der Fürsorge, der zu uns spricht: „Das lass mal meine Sorge sein!“

 

Predigttext:

Matthäus 6, 19-34 – Aus der Bergpredigt Jesu

Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, wo die Motten und der Rost sie fressen und wo die Diebe nachgraben und stehlen. Sammelt euch vielmehr Schätze im Himmel, wo weder die Motten noch der Rost sie fressen und wo die Diebe nicht nachgraben und stehlen! Denn wo euer Schatz ist, da wird auch euer Herz sein. Das Auge ist die Leuchte des Leibes. Wenn nun dein Auge lauter ist, so wird dein ganzer Leib licht sein. Wenn aber dein Auge verdorben ist, so wird dein ganzer Leib finster sein. Wenn nun das Licht in dir Finsternis ist, wie groß wird dann die Finsternis sein! Niemand kann zwei Herren dienen, denn entweder wird er den einen hassen und den anderen lieben, oder er wird dem einen anhängen und den anderen verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon! Darum sage ich euch: Sorgt euch nicht um euer Leben, was ihr essen und was ihr trinken sollt, noch um euren Leib, was ihr anziehen sollt! Ist nicht das Leben mehr als die Speise 3 und der Leib mehr als die Kleidung? Seht die Vögel des Himmels an: Sie säen nicht und ernten nicht, sie sammeln auch nicht in die Scheunen, und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr nicht viel mehr wert als sie? Wer aber von euch kann durch sein Sorgen zu seiner Lebenslänge eine einzige Elle hinzusetzen? Und warum sorgt ihr euch um die Kleidung? Betrachtet die Lilien des Feldes, wie sie wachsen! Sie mühen sich nicht und spinnen nicht; ich sage euch aber, dass auch Salomo in all seiner Herrlichkeit nicht gekleidet gewesen ist wie eine von ihnen. Wenn nun Gott das Gras des Feldes, das heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird, so kleidet, wird er das nicht viel mehr euch tun, ihr Kleingläubigen? Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen? oder: Was werden wir trinken?, oder: Womit werden wir uns kleiden? Denn nach allen diesen Dingen trachten die Menschen, die Gott nicht kennen, aber euer himmlischer Vater weiß, dass ihr das alles benötigt. Trachtet vielmehr zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch dies alles hinzugefügt werden! Darum sollt ihr euch nicht sorgen um den morgigen Tag; denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Jedem Tag genügt seine eigene Plage.

 

Fragen zum Nachdenken

Was ist deine größte Sorge?

Wie beeinflusst diese Sorge deinen Alltag?

Ist diese Sorge realistisch oder übertrieben?

Was müsste passieren, damit diese Sorge sich auflöst?

Vertraust du darauf, dass Gott dich letztlich mit allem versorgen wird, was du brauchst?

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Was ist, wenn es kein Zufall ist?

Juni 10, 2018 in Sunday Sermon von bettina

zeichen_austin-chanKennst du das? Manchmal sprechen dich wildfremde Menschen an. Sie fragen nach dem Weg, ob du zehn Euro kleinmachen kannst, ob du Feuer hast oder so. Ganz normale Alltagsdinge. Was, wenn es kein Zufall ist, dass diese Menschen ausgerechnet dich fragen? Was, wenn sie dich ansprechen, weil sie – bewusst oder unbewusst – spüren, dass du anders bist und eine Ausstrahlung von Gott hast? Was, wenn der Heilige Geist sie zu dir schickt und sie eine Begegnung mit Jesus haben sollen?

Dieser Gedanke fordert mich sehr heraus. Ich erlebe solche Situationen ständig. Zwei Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit:

Wir wandern im Urlaub als Familie und am Ende unserer Tour spricht uns eine ältere Dame an, wie toll es doch sei, dass wir unseren Kindern die Liebe an der Natur vorleben. Wir bedanken uns und gehen weiter. Was wäre wohl passiert, wenn wir gesagt hätten „Ja, wir mögen die Natur. Vor allem aber finden wir in der Natur Gott, der das alles geschaffen hat“ ?

Ich bin mit meiner kleinen Tochter am Montag Morgen Bier kaufen (weil wir abends Besuch erwarten). Sie sitzt im Einkaufswagen. Spricht mich ein ziemlich fertig aussehender Typ an.
Er: „Ach ja, Kind müsste man wieder sein.“
Ich: „Wieso, weil man dann durch die Gegend geschoben wird?“
Er: „Nein, weil man dann keine Verantwortung tragen müsste.“
Ich bin perplex und sprachlos. Was für ein Hilferuf! Was wäre passiert, wenn ich für ihn gebetet hätte und ihm gesagt hätte, dass ich mein Leben nicht allein tragen muss, weil Jesus immer dabei ist? Ich weiß es nicht. Chance verpasst.

Ich merke, dass der Gedanke für mich so neu ist, dass er mich in der konkreten Situation noch überfordert und ich ihn meistens zwei Minuten zu spät denke. Aber ich will so durch das Leben gehen, dass für mich völlig klar ist, dass Jesus hier und jetzt und auf der Stelle handelt – weil ich auf Erden sein Arm, seine Hand bin und er durch mich wirkt.

Sönke aus Münster

Inspiriert vom Buch „Endlich Montag. Alltags-Evangelisation für normale Menschen.“ von Arne G. Skagen.

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Am Anfang das Staunen

Juni 3, 2018 in Sunday Sermon von bettina

Trotz allem – am Anfang soll einfach mal das Staunen stehen. Darüber, dass wir seine Kinder sein dürfen! Dass es für jeden von uns einen Platz an seinem Tisch gibt. Das ist die von Gott geschaffene Wirklichkeit. Wir kommen aus allen Richtungen und treffen uns am Kreuz. Wir sind Kirche in ihrem ursprünglichsten Sinn: Menschen, die dem Ruf Jesu gefolgt sind. Dem Ruf des Rabbis mit der Dornenkrone. Dem Ruf des dienenden Königs. Unseres Erlösers.

Und während wir eigentlich vor allem zu unserem Freund und Retter wollen, breitet der die Arme aus und sagt: „Willkommen in Gottes großer, bunter, verrückter Familie. Ihr gehört zusammen. Liebt einander mit der Liebe, mit der ich euch liebe. Seid Salz und Licht in dieser Welt.“ Und immer da, wo wir das versuchen, im vollen Bewusstsein unserer geistlichen Armut, im Wissen, dass wir Jesus und auch einander brauchen, da erleben wir ekklesia [Kirche]. Die Herausgerufenen. Gemeinschaft der Heiligen und Sünder. Und Jesus mitten unter uns.

ID_christina.schoeffler

warum-hingehenChristina Schöffler, Am Anfang das Stauen, in: dies., Warum ich da noch hingehe. Die Kirche, Jesus und ich. © 2017 Neukirchener Verlagsgesellschaft mbH, Neukirchen-Vluyn, S. 31-32.

In dem Buch begibt sich Christina Schöffler auf die Suche danach, warum es sich lohnen könnte Teil der Kirche zu sein. Mehr dazu auch in ihrem Blog: http://denspatzinderhand.blogspot.de

Levis Privileg

Mai 27, 2018 in Sunday Sermon von matzewilli

Levis Privileg

Photo by Rahul Anil

Foto: Rahul Anil

Die Berufung Levis Lukas 5, 27 – 32

Und danach ging er hinaus und betrachtete einen am Zoll sitzenden Zöllner mit Namen Levi und sprach zu ihm: Folge mir! Und Levi stand auf, verließ alles und folgte ihm.

Und Levi machte ein großes Gastmahl in seinem Haus, und da war eine große Menge an Zöllnern und Anderen, die mit ihm waren und sich niedergesetzt hatten. Und die Pharisäer und ihre Schriftgelehrten murrten und redeten zu seinen Jüngern: Warum esst und trinkt ihr mit den Zöllnern und Sündern? Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Nicht die Gesunden bedürfen eines Arztes, sondern die, denen es schlecht geht. Ich bin nicht gekommen Gerechte zu rufen, sondern Sünder zur Umkehr.                                                                                                                                                                                                         

Wem gilt der Zuspruch und die Zuwendung Gottes?

Jesus gibt hier eine ziemlich deutliche Antwort auf diese Frage: Nicht Gerechten, sondern Sündern. Eigentlich klar, wenn man Paulus‘ „Da ist kein Gerechter, auch nicht einer.“ im Ohr hat. Aber zu Jesu Zeit war dieser Unterschied zwischen Gerechten und Sündern nicht so sehr einer theologischen Reflexion über die allgemeine Mensch-Gott-Beziehung geschuldet, sondern hatte seinen Anhaltspunkt eher im sozioökonomischen Status einer Person. Wer etwa als Zöllner tätig war, konnte schlicht nicht als Gerechter gelten, da er seinen Lebensunterhalt damit verdiente, den Einfluss einer widergöttlichen politischen Macht, die ihre Expansion nicht nur territorial, sondern auch kulturell vorantreiben wollte, aufrechtzuerhalten. Ob nun soziale Not oder politischer Zwang hinter der jeweiligen „Berufswahl“ standen, war dabei zweitrangig. Man hatte ja generell immer noch die Möglichkeit sich an den Straßenrand zu setzen und zu betteln.

Blinder Gehorsam?

Interessanterweise erfahren wir nicht besonders viel über Levi. Während wir in der Erzählung über Zacchäus zumindest ansatzweise erkennen können, dass er nicht wirklich beliebt beim Volk war, lässt uns der Evangelist über Levis Persönlichkeit eher im Dunkeln. So wirkt die unvermittelte Reaktion auf den Ruf Jesu äußerst befremdlich für uns. Dietrich Bonhoeffer deutete diesen auf den ersten Blick recht unverständlichen und scheinbar unüberlegten Schritt in die Nachfolge, indem er annahm, dass der Messias in sein Eigentum tritt und sich das erwählt, was er will. Diese Deutung stellt natürlich die Souveränität Jesu glänzend heraus, jedoch denke ich, dass es einen sehr viel einfacheren Grund für Levis „blinden Gehorsam“ gibt.

Ein ehrender Rabbi

Ich stelle mir die Situation wie folgt vor: Jesus beobachtet Levi eine Zeit lang bei seiner Arbeit, vielleicht irgendwo an eine Wand gelehnt. Er erahnt seine Sorge, seine Not und sein Unbehagen als Zöllner tätig zu sein. Darum geht er entschlossen auf ihn zu, um ihn anzusprechen. An dieser Stelle würde ich gerne wissen, was Levi bereits alles von Jesus wusste. Vielleicht dachte er: „Ist das nicht dieser Heiler, dieser Jesus, von dem einige behaupten, er sei ein großer Prophet? Oh Gott, warum kommt der hierher?“ Und er wird immer nervöser, je näher Jesus ihm kommt und überlegt sich schon Ausreden für seine Berufswahl, so was wie: „Ja Jesus, du weißt ja, dass ich schon immer mal was mit Menschen machen wollte und das war die einzige Möglichkeit.“ Aber insgeheim hatte er wohl vor allem die Befürchtung, dass das kommt, was normalerweise passiert, wenn Fromme auf offensichtlich Nichtfromme stoßen: eine Moralpredigt auf dem Fundament der Heiligen Schrift.

Doch dann geschieht das, was für jeden Nachfolger Jesu am Anfang seines Weges steht. Jesus kam, sah und überwand ihn. Es war damals eine gewaltige Ehre von einem Rabbi ausgewählt zu werden, was eigentlich nur den besten der besten Torahschülern passierte. Zudem mussten sich selbst diese noch bei einzelnen Rabbinern „bewerben“ und wurden nicht einfach auf der Straße angequatscht, schon gar nicht, wenn man Zöllner war. Jesus ignorierte bewusst diese Norm und wandte sich denen zu, die eigentlich keine Aussicht mehr auf gesellschaftliche Akzeptanz hatten. Und er ist nicht nur einfach freundlich oder fürsorglich, sondern er ehrt den Sünder. Jesu Ruf ist für Levi nicht zuerst eine Aufforderung, der Gehorsam zu leisten ist, sondern sie ist ein nicht auszuschlagendes Privileg, das er ohne zu zögern annimmt. Und aus überschwänglicher Dankbarkeit für den Genuss dieses Privilegs, gibt auch er, ähnlich wie Zacchäus, ein großes Festmahl. Wer den Ruf Jesu als dieses Privileg, als diese Ehrenbezeugung wahrnehmen lernt, kann nichts als Dankbarkeit und Liebe empfinden.

Fragen zum Weiterdenken:

Ist Jesu Ruf in seine Nachfolge für dich eher Befehl oder ein Privileg?

Was könnte Menschen heute davon abhalten, Jesu Ruf zu folgen?

Kennst du vielleicht einen Menschen aus deinem Umfeld, für den Jesu Ruf in seine Nachfolge eine befreiende Ehrenbezeugung wäre?

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Was ist los mit den Jesus Freaks?

Mai 20, 2018 in Sunday Sermon von bettina

remix-jaanaWarum bist du ein Jesus Freak geworden? Was ist das Besondere an den Freaks? Manchmal sind diese Fragen gar nicht so leicht zu beantworten, wenn man schon lange mit den Freaks unterwegs ist. Ein Blick von außen kann dann hilfreich sein, um sich selbst zu hinterfragen, aber auch um festzustellen, was bei den Freaks für gute Dinge laufen.

Der Podcast Remix von Mosaik, einer Community in Düsseldorf, bietet dazu Gelegenheit. Saphira und Jason haben mit Jaana von der Korrekten Bande gesprochen über die Freaks gesprochen: die aktuellen Entwicklungen in der Bewegung, wie die Freaks mit Spannungen umgehen, was es für theologische Leerstellen gibt und vieles mehr. Hör mal rein! 75 Minuten, die sich lohnen.

Ostern ist immer!

Mai 13, 2018 in Sunday Sermon von matzewilli

Auferstehung heißt mehr als das „Wiederlebendigwerden“ nach dem Strobert-nyman-442994-unsplasherben. Wir finden die Kraft der Auferstehung auch im Alltag. Lisa aus Münster setzt sich in ihrer inspirierenden Osterpredigt mit der Auferstehung Jesu als göttlichem Prinzip auseinander. Sie geht dabei auf den engen Zusammenhang zwischen Kreuz und Auferstehung ein.

So gibt es keine Auferstehung ohne das Kreuz. Auferstehung braucht einen Kontext. Es heißt immer: Auferstanden aus etwas anderem, aus der Tiefe. Unser Leben in der Nachfolge besteht in dem Spannungsfeld zwischen Trauer und Freude. Doch Jesu Verheißung lässt uns auf ein Ende in vollkommener Freude hoffen.                                                                                                                                                                                                                                                            Foto: Robert Nyman

Predigt zu Johannes 16, 19-24

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Wert-Verlust? – Sunday Sermon

Mai 6, 2018 in Sunday Sermon von bettina

Der heutige Beitrag stammt vom Blog www.mamaabba.de. Lass dich nicht davon irritieren, dass es ein Blog von Mamas für Mamas ist, sondern lass dich von Luisa inspirieren und ermutigen.

isar-wieseFrüüühling!

Endlich bleibt es abends länger hell, die ersten Sonnenstrahlen locken aus dem Haus, das Erblühen farbenfroher Blumen hebt die Stimmung und meine Tochter fragt fast täglich, ob wir schon das Planschbecken aufstellen können.

Angeregt durch das Aufwachen der Natur ist der Frühling auch die perfekte Zeit für Entrümpelung, Entschlackung und Fasten – Reinigung für Haus, Körper und Seele.
Entrümpelung. Das ist heute mein Stichwort.

chaos_oleksii-hlembotskyiAls wir in unser Haus einzogen, war das Dachgeschoss noch nicht ausgebaut. Weder Decken noch Böden waren fertig. Allerdings brauchten wir den Platz als Abstellfläche, und so kam alles, was für die momentane Lebenssituation nicht unmittelbar notwendig war, dahin.

So stand jede Menge Zeug zwischen Bauschutt, Werkzeug und Baumaterial und staubte hoffnungslos ein. Nach Möglichkeit mied ich dieses Stockwerk. Musste ich aber doch mal da hoch, dachte ich manches Mal: „Am liebsten würde ich hier einfach eine Bombe krachen lassen. Dann wäre hier ganz schnell Ordnung!“ Und vielleicht dachte das auch der eine oder andere, der einen Blick in unser Chaos-Dachgeschoss wagte. Was hielt mich davon ab (abgesehen davon, dass ich nicht weiß, wo ich eine Bombe herbekomme 😉)?

Aus dem Durcheinander ragte unser Computer heraus: ein i-Mac von Apple. Und auch wenn es inmitten von Staub und Dreck nicht so aussah, aber dieses Gerät war wertvoll. Ich wusste das, denn ich kannte den Preis, den wir seinerzeit dafür bezahlt hatten!

Inzwischen ist einige Zeit vergangen. Unser Dachgeschoss ist nicht nur begehbar, sondern auch bewohnbar geworden. Decken wurden gemacht, Licht installiert, Böden verlegt, Wände gezogen, verputzt, tapeziert und gestrichen, Türen eingebaut, neue Möbel aufgebaut …. und der ganze Krimskrams wurde abgestaubt, abgewischt und wird jetzt nach und nach sortiert und eingeräumt. Und siehe da: aus dem ganzen Staub und Schutt kamen noch viel mehr Dinge mit materiellem oder ideellem Wert (z.B. Fotos) zum Vorschein.

Lebenslügen und Selbstanklagen, Versagen und Schuld, Verletzungen bis hin zu Traumata, Sorgen und Lebensumstände, der neidische Vergleich mit anderen und das Idealbild aus der Werbung – all das sind Dinge, die unseren Wert in Schutt und Staub zu legen drohen.

Auf diesen scheinbaren Wertverlust reagiert jeder anders. Der eine zieht sich in sein Schneckenhaus zurück, der andere wird zum Pausenclown. Der eine umgibt sich mit Statussymbolen, der andere versinkt in Selbstmitleid. Die eine verfällt in einen Schönheitswahn, die andere lässt sich gehen. Und so weiter.

Äußerlich ist es meistens gar nicht erkennbar, ob die Dinge, die wir tun oder auch nicht tun einem Empfinden von Wertverlust entspringen.

Aber Tatsache ist, egal, was wir empfinden oder nicht, was wir über uns glauben oder nicht, was andere uns einreden oder ausreden: DU und ICH – WIR sind nach Gottes Ebenbild geschaffen! Und Gott selbst bezahlte einen hohen Preis, als er seinen Sohn hier in den Schutt und Staub dieser Welt schickte, damit er SEIN Leben dafür gab, dass Menschenherzen entrümpelt werden und ihr unvergänglicher Wert zum Vorschein kommt!

Wertverlust? – Fehlanzeige!

Im Grunde ist das, was ich hier schreibe, nichts Neues und gehört zum „ABC“ des christlichen Glaubens. Aber mich beschäftigt seit einiger Zeit die Frage, ob dieses Wissen bloße Theorie ist oder praktische Auswirkungen auf meinen Alltag hat. Und ich ahne, dass ich da in meinem Herzen vielleicht auch so ein „Dachstübchen“ habe, das entrümpelt werden muss.

stolz-auf-euchWenn ich mir meines Wertes in Christus bewusst bin, …

… darf ich ICH sein. Ich brauche mich nicht zu inszenieren, muss mich aber gleichzeitig auch nicht verstecken.

… darf ich ohne Erwartungen gütig und aufopfernd für andere sein, und darf gleichzeitig gesunde Grenzen setzen.

… darf ich die Spielzeit mit meinem Kind auf dem Boden genießen (auch wenn mir dabei die Staubschicht unter dem Sofa ins Auge sticht), und zu anderer Zeit mein blitzblank geputztes Haus.

– hier könnt ihr die Liste an Beispielen einfach selber weiter denken –

Vielleicht lässt sich das am besten so in eine Formel packen: Wenn ich mir meines Wertes in Christus bewusst bin, lebe ich bewusst – gegenüber Gott, dem Nächsten und mir selbst!

Kann man das so sagen? Was denkst du dazu?

Luisa genießt ihren Alltag als „Vollzeitmama“. Ansonsten spielt sie gerne Klavier, bekocht Leute, denkt viel zu viel über alles Mögliche nach und übt sich darin, die Balance zwischen Spontanität und Struktur zu finden.

Ein Arsch im Maulbeerfeigenbaum – *Sunday Sermon*

April 29, 2018 in Sunday Sermon von matzewilli

Am RandDer griechische Begriff für nachfolgen ist das Verb „akolouthein“. Dieser Begriff wurde nicht nur im Kontext des Neuen Testaments gebraucht, sondern hatte auch in der nicht-christlichen religiösen Umwelt eine Bedeutung. Dort wird das Nachfolgen oft als Nachahmung oder Imitation einer Gottheit verstanden, die zu Weisheit und Erkenntnis und oft zum persönlichen Heil führen sollte. Es ist interessant, dass die Autoren des Neuen Testaments eben diesen Begriff gewählt haben, um den Anhängern Jesu Orientierung für ihre Lebensgestaltung zu geben.  Die folgende Geschichte aus dem Leben Jesu gibt ein Beispiel dafür, wie wir ihn konkret nachahmen können.

Dann kam er nach Jericho und ging durch die Stadt. Dort wohnte ein Mann namens Zachäus; er war der oberste Zollpächter und war sehr reich. Er wollte gern sehen, wer dieser Jesus sei, doch die Menschenmenge versperrte ihm die Sicht; denn er war klein. Darum lief er voraus und stieg auf einen Maulbeerfeigenbaum, um Jesus zu sehen, der dort vorbeikommen musste.

Als Jesus an die Stelle kam, schaute er hinauf und sagte zu ihm: Zachäus, komm schnell herunter! Denn ich muss heute in deinem Haus zu Gast sein. Da stieg er schnell herunter und nahm Jesus freudig bei sich auf. Als die Leute das sahen, empörten sie sich und sagten: „Er ist bei einem Sünder eingekehrt.“

Zachäus aber wandte sich an den Herrn und sagte: „Herr, die Hälfte meines Vermögens will ich den Armen geben, und wenn ich von jemand zu viel gefordert habe, gebe ich ihm das Vierfache zurück.“
Da sagte Jesus zu ihm: „Heute ist diesem Haus das Heil geschenkt worden, weil auch dieser Mann ein Sohn Abrahams ist. Denn der Menschensohn ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist.“

Der Ruf des Heilands

Da haben wir nun Zacchäus, den kleinen Zöllner, der es recht offensichtlich mit seinem Job übertreibt. Ich stelle ihn mir als einen Mann mit relativ geringem gesellschaftlichen Ansehen vor und wenig Freunden und das höchst wahrscheinlich nicht ohne Grund. Wahrscheinlich war er ein geldgieriger kleiner Pfennigfuchser, mit dem nicht gut Kirschen essen war. Kurz gesagt: Er war wohl ‚n Arsch! Doch wie uns der Evangelist mitteilen möchte, bewegte diesen kleinen Mann irgendetwas dazu, Jesus sehen zu wollen.

Warum Zacchäus Jesus sehen wollte, bleibt für uns im Dunkeln. Spannend jedoch ist, dass es im Endeffekt gar nicht so wichtig ist, welches Motiv dahinter steckte, dass Zacchäus auf den Maulbeerfeigenbaum stieg, um Jesus zu sehen. Denn egal wie edel die Motivation auch gewesen sein mag, es war der Ruf Jesu, der den weiteren Verlauf in seinem Leben veränderte: „Zacchäus, komm schnell herunter. Denn ich muss heute in deinem Haus zu Gast sein!“ Aus der ganzen Menschenmenge wählte Jesus diesen kleinen am Rande stehenden Zöllner aus. Und dies war der Ruf des Christus, der Ruf des menschgewordenen Gottes, der zu einem Leben in Gemeinschaft einlädt.

Wir alle sind Zacchäus

Niemand von uns ist Christ geworden, weil er sich von seinen Sünden freigemacht hat. Wir alle haben den Vorschuss der Liebe Gottes genießen dürfen, die uns dann im Folgenden freigemacht hat.

„Denn Gott erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus, als wir noch Sünder waren, für uns gestorben ist.“ (Römer 5,6)

Darum sind wir alle in uns selbst Sünder wie auch Zacchäus. Aber derjenige, der dich ruft, interessiert sich nicht zuerst dafür, welchen Beruf du hast, wie viele Gaunereien und wie viel Mist du gebaut hast! Er interessiert sich nicht so sehr dafür, was andere eventuell von dir halten, was du anhast, wie du so drauf bist, oder ob du n‘ Arsch bist!

Derjenige, der hier ruft, interessiert sich vor allem für eins: Für Dich! Und zwar für dich, so wie du in seinen barmherzigen, verständnisvollen und gütigen Augen bist! Und derjenige, der hier ruft, strahlt Wärme und Licht aus, die dein Leben umfangen sollen und dich vom Rand wieder zurück in die Mitte des Lebens holen wollen. Derjenige, der hier ruft, ruft dich von deinem Maulbeerfeigenbaum, aus deinem Schneckenhaus heraus, damit du wieder am Leben teilnehmen kannst!

Wir alle sind Jesus

Zum Thema Nachfolge gehört aber nun auch die andere Seite. Wir sind dazu aufgerufen, Christus nachzueifern, es Jesus gleich zu tun, ihn zu imitieren. Viele missverstehen Nachfolge als ein striktes Halten von Geboten und Verboten, damit sie Gott gefallen und dann später im Himmel, je nachdem wie gut sie es geschafft haben, entsprechende Belohnungen erhalten. Das ist so eine Art Sparbuchglauben. Natürlich gibt es auch den Gedanken des Lohns der Nachfolger im Neuen Testament, aber was mich immer an diesem Sparbuchglauben stört ist, dass es dem Sparbuchinhaber vor allem um sich selbst zu gehen scheint. Im Handeln Jesu sehe ich aber eine andere Tendenz.

Jesus ist nicht so sehr an sich selbst interessiert, an einem Lohn im Himmel oder an seinem Ansehen in der Welt. Er ruft hauptsächlich die Randgestalten, die Kleinen und nur wenige „Große“ in seine Gemeinschaft. Er bevorzugt das Schwache, Schlechte und Hässliche dieser Welt und nicht das Prachtvolle und Vollkommene und tritt mit dem Unbedeutenden in Beziehung.

Das bedeutet Nachfolge! Das heißt es, Jesus zu imitieren: Menschen einzuladen, ihnen nachgehen, sie rufen, um mit Ihnen Gemeinschaft zu haben, ihr Leid teilen, ihre Nöte als die eigenen Nöte annehmen und ihr Außenseiterdasein als das eigene am Randestehen wahrnehmen!


Fragen zum Nachdenken

Gibt es einen „Zacchäus“ in deinem Umfeld?

Was könnte deiner Meinung nach ein Besuch von dir bei ihm bewirken?

Was setzt du dabei aufs Spiel, wenn du dich mit diesem Menschen abgibst?

Welche Randgruppen würde Jesus wohl heute in seine Gemeinschaft rufen?

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Sind wir eine Bewegung? – *Sunday Sermon*

April 22, 2018 in Sunday Sermon von bettina

bewegung3_Christoph.WohlfahrtWir reden relativ viel davon, dass wir als Jesus Freaks „eine Bewegung“ sind. Ich habe mich gefragt, was das wohl bedeuten mag. Für mich ist klar: Die Jesus-Freaks-Bewegung ist eine Jünger*innen-Bewegung. Muss sie sein. Alles andere ergibt gar keinen Sinn.

Womit ist der Begriff „Jünger*in“ für dich gerade belegt? Was bedeutet das für dich? Wenn ich sage „Es bringt nichts, Jesus Freak sein zu wollen, aber nicht Jünger*in Jesu.“, fühlst du dich dann unter Druck gesetzt? Hast du religiöse Strukturen und Zwänge im Kopf? Wenn ich sage, dass wir Teil einer Jünger*innen-Bewegung sind, denkst du, das ist das, was Jesus auch will? Denkst du, das ist das Beste für dein Leben?

Unser Anknüpfungspunkt ist die Geschichte von Jesus mit den Jüngern. Und so wie die Jünger damals super unterschiedlich waren, sind wir es auch. Die Verbindung ist Jesus. Das wird auch ziemlich unterschiedlich mit Leben gefüllt. Aber solange es „Jesus Freaks“ sind, geht es um Jesus! Da das immer noch nicht besonders konkret ist, hier vier Gedanken zu „Bewegung & Jesus“ – was das konkret bedeuten kann in meinem oder deinem Leben.

 1. Von Jesus bewegt werden

Für viele von uns ist der Anfang des Weges als Jünger*in, dass wir von Jesus bewegt werden. In den allermeisten Fällen hat das auch was damit zu tun, ob wir das zulassen können oder wollen. Ich denke, sich von Jesus bewegen lassen bedeutet, sich der Gnade Gottes auszusetzen.

Sich der Gnade aussetzen bedeutet nicht die Wiederholung des Glaubenssatzes, dass „Jesus mich liebt“, sondern es bedeutet, mit der Gebrochenheit und Einsamkeit in mir, mit meiner Empfindung von Schuld und meiner Empfindung von Hass, mit meinen Gefühlen von Angst und Wut und Liebe und Verzweiflung und Verwirrtheit, mit meiner ganzen Lebensgeschichte und allem Scheitern und allem Unrecht vor Gott zu kommen.

Es bedeutet zu sehen, was in der Welt passiert und zu versuchen, zu etwas Gutem beizutragen und irgendwie doch an der Tragweite und Tiefe der Abgefucktheit zu verzweifeln und von allem überfordert zu sein und damit ins Gebet zu gehen.

2. Jesus folgen

Du kannst Jesus nicht vom Sofa aus folgen. #ilikejesus #sharethemessage Also wir sind Fans von Jesus? Wir glauben an ihn? Wir sind seine Freunde? Wir sind Jesus Freaks? Wir sind …  Christen?

Ich behaupte, dass das ganze Ding mit Jesus keinen wirklichen Sinn ergibt, wenn wir uns nicht auch als Jünger*innen von ihm begreifen! Wenn du sagst, du liebst Jesus, aber bist nicht bereit, von ihm zu lernen und ihm zuzuhören, dann verstehe ich das nicht. Welchen Jesus liebst du? Der Jesus, den ich kennengelernt habe, der bewegt mich und dann sagt er: „Komm!“ Dann fordert er mich heraus. Dann lässt er mich nicht dort, wo ich bin.

Es gibt kein Patentrezept, was aufrichtige Jüngerschaft inhaltlich bedeutet. Aber Jesus wirklich zu folgen benötigt auf jeden Fall zwei Dinge:

Erstens Gehörsam! Denn ich muss von Jesus lernen, wenn ich sein*e Jünger*in sein will. Und dazu muss ich zunächst bereit sein, dem Meister zuzuhören und ihm zuzutrauen, dass er Ahnung hat.

Zweitens, Mut! Denn ich muss loslassen, wenn ich sein*e Jünger*in sein will: Destruktive Verhaltensweisen, meinen Geist und meine Seele erstickenden Sorgen und manchmal auch meine gut gemeinten Pläne für mich und die Welt um mich herum. Solche Dinge loszulassen ist angsteinflößend, denn was habe ich dann noch? Mir fehlt Sicherheit. Und es ist lästig, denn was gibt mir jetzt Orientierung. Mir fehlt das Gewohnte. Wo geht es jetzt hin?

3. Von Jesus gesandt werden

Man könnte meinen, dass „Jesus folgen“ bedeutet, dass man nicht mehr denken muss. Aber so ist das nicht! Es gibt ja diese ganzen Predigten und Gleichnisse und so von Jesus, damit wir selbst lernen und verstehen und nicht nur auf Zeichen und Befehle warten! So wie Jesus seine Jünger während seiner Zeit auf der Erde immer mal losgesandt hat (vgl. Lukas 10), sendet er die Jünger als auferstandener Christus aus. Und so sendet er uns!

Es ist also irgendwie paradox und ein Geheimnis: Ich folge Jesus nach, der ja letztlich in meinem Herzen und „mitten unter uns“ ist. Und er sendet mich gleichzeitig in die Welt aus. Aussenden ist ein Bild dafür, dass Jesus mir Verantwortung zuspricht. Wir selbst müssen gehen! Sonst geht nix. Wir müssen auch nachdenken und Entscheidungen treffen.

Diese Welt verändert sich und da sind wir hingestellt – auf die Komplexität dieser Welt zu reagieren und nicht zu tun, als sei es nicht so, wie es ist und uns hinter Worten der Schrift zu verschanzen. Wir sind ausgesandt, in dieser Welt auszubreiten, was uns von Gott geschenkt wurde und was himmlisch in der Zukunft wartet und doch schon jetzt ganz nah dran ist.

bewegung2_Christoph.Wohlfahrt4. Mit Jesus tanzen

Und schließlich das Geheimnisvolle. Das, was sich nicht nur mit dem Kopf begreifen lässt. Gott will mit uns in Beziehung treten. Aber nicht nur per Gespräch. Gott will, dass wir ihn erleben. Und er will uns erleben.

Wenn wir uns wirklich auf Gott einlassen, dann kann eine Bewegung passieren, die nicht „nur“ Mittel zum Zweck ist. Sondern die an sich wunderschön und wertvoll ist. Wie Tanzen. Es ist kein Zufall, dass Anbetung so oft und stark mit Musik verbunden wird. Anzufangen, laut zu singen – da kommt etwas in dir in Schwingung. Und dann mit deinem Körper zu beten. Das macht mit dir noch etwas anderes. Denn du bist eben nicht nur deine Gedanken.

Die Heilige Ruach [der Heilige Geist] durchdringt mich. Jesus fordert mich zum Tanz auf. Und natürlich ist das dann weit mehr, ja etwas ganz anderes als nur etwas Körperliches. Es geht darum, dass diese Beziehung mit Jesus mehr ist als emotionale Berührtheit, mehr als Lernen und Loslassen und mehr als mutiges Losgehen. Weil Gott lebendig ist, können wir nicht alles durchplanen, sondern wir tun Schritte und wir merken, dass er Schritte tut und wir denken nicht mehr nur, wir tanzen auch mal einfach. Ist uns Christen Intuition erlaubt?

Eine verwurzelte Bewegung sein

„Sich bewegen“ geht vielleicht alleine, aber „Bewegung“ nicht! Alleine kann ich nicht viel erreichen. Und „alleine“ hat sich das Gott ja auch nicht für mich vorgestellt. Und damit komme ich wieder zurück zum Ausgangspunkt: Jesus Freaks als Bewegung. Hier ist etwas, was mich begeistert: Lasst uns eine verwurzelte Bewegung sein – hier, wo wir sind und in Jesus.

Also einerseits: „grassroots“ – unten verwurzelt sein. Wir dürfen das Bewusstsein bewahren, dass wirkliche Veränderung nicht „von oben“ kommt, am besten noch durch hierarchischen Zwang. Jesus weiß das. Die Bewegung muss aus der Verwurzelung nicht in den luftigen Höhen des Einflussreichtums sondern in der Erde des Alltags und der Mitmenschlichkeit Kraft und Inspiration ziehen.

Andererseits muss sie verwurzelt sein in Jesus, der Diener aller geworden ist, eingepfropft in Jesus den Weinstock. Daher kommt der Saft und die Power. Suchen wir das Leben in Jesus oder haben wir angefangen, es woanders zu suchen? Ohne die Verwurzelung in Jesus keine Frucht, kein Wachstum. Oder auch: Ohne die Verwurzelung in Jesus kein Leben mehr, keine Bewegung.

Können wir eine (!) Bewegung sein, die Himmelreich ausbreitet?

Fabian aus Leipzig

Dieser Text ist eine stark gekürzte Version seines Artikels in der Korrekten Bande Ausgabe 1/2018.

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Stellung beziehen – *Sunday Sermon*

April 15, 2018 in Sunday Sermon von bettina

langhaarJedes Jahr sucht sich Tine einen Bibelleseplan aus, der sie einmal durch die Bibel bringen wird. Bei einigen Büchern ist sie einfach froh, wenn sie sie einigermaßen unbeschadet übersteht. Doch auch darin entdeckt sie Stellen, die sie zum Nachdenken bringen. Lies selbst …

Das Buch Richter: 21 Kapitel geistlichen Verfalls, Mord und Lügen. Dagegen ist ein Skandinavienkrimi seichte Kost. Selbst die Helden dieser Bücher haben meist einen schalen Beigeschmack. Einer dieser Helden ist Simson. Seine Geburt wurde durch einen Engel angekündigt, er war von Mutterleib an geheiligt und stand unter Gottes Schutz und Führung. Eigentlich perfekte Voraussetzungen, oder?

Bekannt ist er vor allem aufgrund seiner unermesslichen Kraft. Die bekam er durch Segnung, weil er seine Haare, auf Gottes Befehl hin, niemals schneiden ließ. Simson hatte jedoch einen Schwachpunkt: er hatte einen wirklich miesen Frauengeschmack. Und Simsons Leidenschaft für die jeweilige Frau schlug schnell in Zorn um, wenn es nicht so lief, wie er sich das dachte (was es eigentlich nie tat). Da brannten dann schon mal Füchse und Felder.

Zum wirklichen Verhängnis wurde ihm dann aber eine Frau: Delila. Sie versuchte, angestiftet durch die Männer ihres Volkes, hinter das Geheimnis von Simsons Kraft zu kommen. Und immer wenn sie meinte es herausbekommen zu haben, legte sie Simson rein und wollte ihm seine Segnung nehmen. Und Simson? Der blieb bei ihr.

Immer wieder bedrängte Delila ihn, weinte und manipulierte. Und letzten Endes knickte Simson ein und verriet ihr schließlich sein Geheimnis. Sie schnitt ihm noch in der gleichen Nacht die Haare ab. Er verlor seine Segnung und seine Kraft, wurde gefangen genommen, geblendet und von da an als menschlicher Tanzbär vor dem fremden Volk gedemütigt. (Du kannst hier, in Richter 13 bis 16, die komplette Geschichte lesen.)

Jedes Mal wenn ich diese Geschichte lese, frage ich mich: warum? Wie kann man nur so dumm sein? Warum blieb er bei ihr? Warum hat er ihr nicht beim ersten Mal gesagt: „Mädchen, so nicht. Ich habe einen Gott, ich habe eine Segnung. Und wenn du mir die wegnehmen willst und Intrigen gegen meinen Gott und mich spinnst, dann hast du in meinem Leben nichts verloren.“ Warum zum Henker war er so naiv und leichtsinnig bei ihr zu bleiben und die Augen zu verschließen?

Und dann sehe ich mein eigenes Leben an. Und muss mit Schrecken erkennen, dass auch ich Delilas in meinem Leben habe. Situationen und Menschen, von denen ich weiß, dass sie mir nicht gut tun. Dass sie sich um Gott nicht kümmern und es nur zu gerne sehen würden, wenn auch ich das nicht mehr tue. Und dennoch hänge ich an ihnen, bin mit ihnen aufgewachsen und scheue mich eine klare Position zu beziehen. Also mache ich weiter und hoffe, dass schon nichts passiert.

Die Geschichte von Simson zeigt mir wie wichtig es ist klar zu sein; im eigenen Leben Stellung zu beziehen und sich nicht in Graubereichen herum zu drücken (wie viel Nicht-Okay ist noch okay, bevor‘s gefährlich wird); den Fokus auf Gott zu haben; und mich mal in Ruhe hinzusetzen und zu überlegen, welche Konsequenzen mein Handeln hat. Und zwar bevor ich die Konsequenzen zu tragen habe.

Eines ist allerdings schön an der Geschichte; ein Juwel, versteckt in einem kleinen Anhängsel-Satz.

„Aber das Haar seines Hauptes begann wieder zu wachsen, nachdem es geschoren worden war.“ (Richter 16, 22.)

Gott ist immer noch größer. Selbst im größten Chaos, im größten Versagen und Verrat kommt er an sein Ziel. Und er verlässt uns nicht, niemals. Simson nicht und mich auch nicht. Egal was passiert.

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Hier ein paar Fragen, um weiter zu denken und selbst aktiv zu werden.

  • Versuche dich in Simson hinein zu fühlen. Wie vernarrt muss er in Delila gewesen sein, damit er bei ihr blieb?
  • Gibt es Situationen, Personen, innere Stimmen oder Gewohnheiten von denen du weißt, dass sie dir und deiner Beziehung zu Gott nicht gut tun? Was hält dich in dieser Situation?
  • Besprich es mit Jesus, wenn dir etwas bewusst geworden ist. Bitte ihn um Hilfe, wenn du aus einer Situation ausbrechen möchtest.
  • Manchmal ist es auch hilfreich einen Menschen dazu zu holen, dem man vertraut und mit ihm gemeinsam die nächsten Schritte zu überlegen, die man gehen möchte.

Ein Blogbeitrag von Tine vom Mai 2017: www.nurheute.net
Vielen Dank für die Genehmigung zum Publizieren.