Kategorie: Sunday Sermon

erscheint nur sonntags, Predigten; Texte, Videos, Podcasts über Glaubensinhalte, Bibelverse

Jesus, Freakstock und du

hauptseminar_2013Eine kleine Rückblende: 2011 fand Freakstock in Borgentreich statt. Die Abschlusspredigt am Sonntag hielt Christoph (Übersetzung: Freddi).

Darin erzählt er von Jesus und was die Jünger mit ihm erlebt haben. Vor allem aber erinnert er uns daran, dass wir die Macht haben etwas zu verändern.

Also komm zum Freakstock, lass dich ermutigen und inspirieren – und verändere die Welt.

 

Ein fröhlicher Wechsel

 Foto von Pablo Heimplatz
Foto von Pablo Heimplatz

Martin Luther hat in seiner Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ eine lebenspraktische Glaubensüberzeugung formuliert, die jedem Nachfolger Jesu bei der Bewältigung von Minderwertigkeitsgedanken, Ängsten und Anfechtungen helfen kann. Er nannte diese Glaubensüberzeugung „Fröhlicher Wechsel“. Der „fröhliche Wechsel“ beschreibt die neue Lebenswirklichkeit, in die jeder Christ durch die Verbindung mit Christus eingetreten ist. Sie ist zu vergleichen mit dem Bundesschluss einer Ehe zwischen Mann und Frau, bei der Gütergemeinschaft besteht. Luther formulierte wie folgt:

(Martin Luther: Von der Freiheit eines Christenmenschen, zitiert nach Walch, 2. Ausgabe, Bd. 19, Sp. 994-995, Rechtschreibung angepasst)

„Nicht allein gibt der Glaube so viel, dass die Seele dem göttlichen Wort gleich wird, aller Gnaden voll, frei und selig, sondern vereinigt auch die Seele mit Christo als eine Braut mit ihrem Bräutigam. Aus welcher Ehe folgt, wie St. Paulus sagt Eph. 5,30., dass Christus und die Seele Ein Leib werden; so werden auch beider Güter, Fall, Unfall und alle Dinge gemein, dass, was Christus hat, das ist eigen der gläubigen Seele; was die Seele hat, wird eigen Christi. So hat Christus alle Güter und Seligkeit; die sind der Seele eigen. So hat die Seele alle Untugend und Sünde auf ihr; die werden Christi eigen. Hie hebt sich nun der fröhliche Wechsel und Streit. Dieweil Christus ist Gott und Mensch, welcher noch nie gesündigt hat, und seine Frömmigkeit unüberwindlich, ewig und allmächtig ist, so er denn der gläubigen Seele Sünde durch ihren Brautring, das ist der Glaube, ihm selbst eigen macht, und nicht anders tut, denn als hätte er sie getan; so müssen die Sünden in ihm verschlungen und ersäuft werden. Denn seine unüberwindliche Gerechtigkeit ist allen Sünden zu stark. Also wird die Seele von allen ihren Sünden lauterlich durch ihren Mahlschatz, das ist, des Glaubens halben ledig und frei, und begabt mit der ewigen Gerechtigkeit ihres Bräutigams Christi. Ist nun das nicht eine fröhliche Wirtschaft, da der reiche, edle, fromme Bräutigam Christus das arme, verachtete, böse Hürlein zur Ehe nimmt und sie entledigt von allem Übel, ziert mit allen Gütern? So ist’s nicht möglich, dass die Sünde sie verdamme, denn sie liegen nun auf Christo, und sind in ihm verschlungen. So hat sie so eine reiche Gerechtigkeit in ihrem Bräutigam, dass sie abermals wider alle Sünde bestehen mag, ob sie schon auf ihr lägen. Davon sagt Paulus 1 Kor. 15,57.55.: „Gott sei Lob und Dank, der uns hat gegeben eine solche Überwindung in Christo Jesu, in welcher verschlungen ist der Tod mit der Sünde.“

 

Fragen zum Nachdenken:

Was hältst du von der Aussage, dass deine Sünde nicht mehr wirklich deine Sünde ist, sondern Christi Sünde geworden ist?

Trägst du die Freude über den „fröhlichen Wechsel“, wie ihn Luther beschreibt, in deinem Herzen?

Woran liegt es deiner Meinung nach, dass wir oft nur wenig Freude darüber verspüren?

Kannst du dir vorstellen, wie unermesslich dein Reichtum in der Verbindung mit Jesus ist?

Wer liebt viel?

Foto von Alex Woods
Foto von Alex Woods

Wolfgang aus Remscheid predigt über Jesus und die Sünderin aus dem Lukasevangelium. Er zeigt auf, wie schwierig es ist heutzutage das Thema „Sünde“ anzusprechen und damit angemessen umzugehen. Es gibt zwar in unserer Gesellschaft durchaus noch moralische Werte, deren Verfehlung auch als Verletzung eines common sense wahrgenommen wird. Jedoch ist eine Grundlegung dieser moralischen Werte ohne die Annahme einer absoluten Autorität problematisch. Zur Zeit Jesu waren diese moralischen Werte z.B. in den Zehn Geboten zu finden. Aber hielten wirklich diejenigen, die alle Anstrengungen und Mühen aufwendeten, die Gebote ein? Wenn Jesus dieser Sünderin das zuspricht, worauf das Gesetz abzielt, nämlich Liebe, dann scheint das ganze doch irgendwie anders zu funktionieren … .

Predigttext aus Lukas 7, 36 – 50

Es bat ihn aber einer der Pharisäer, bei ihm zu essen. Und er ging hinein in das Haus des Pharisäers und setzte sich zu Tisch. Und siehe, eine Frau war in der Stadt, die war eine Sünderin. Als die vernahm, dass er zu Tisch saß im Haus des Pharisäers, brachte sie ein Glas mit Salböl und trat von hinten zu seinen Füßen, weinte und fing an, seine Füße mit Tränen zu benetzen und mit den Haaren ihres Hauptes zu trocknen, und küsste seine Füße und salbte sie mit Salböl. Als aber das der Pharisäer sah, der ihn eingeladen hatte, sprach er bei sich selbst und sagte: Wenn dieser ein Prophet wäre, so wüsste er, wer und was für eine Frau das ist, die ihn anrührt; denn sie ist eine Sünderin. Jesus antwortete und sprach zu ihm: Simon, ich habe dir etwas zu sagen. Er aber sprach: Meister, sag es! Ein Gläubiger hatte zwei Schuldner. Einer war fünfhundert Silbergroschen schuldig, der andere fünfzig. Da sie aber nicht bezahlen konnten, schenkte er’s beiden. Wer von ihnen wird ihn am meisten lieben? Simon antwortete und sprach: Ich denke, der, dem er am meisten geschenkt hat. Er aber sprach zu ihm: Du hast recht geurteilt. Und er wandte sich zu der Frau und sprach zu Simon: Siehst du diese Frau? Ich bin in dein Haus gekommen; du hast mir kein Wasser für meine Füße gegeben; diese aber hat meine Füße mit Tränen benetzt und mit ihren Haaren getrocknet. Du hast mir keinen Kuss gegeben; diese aber hat, seit ich hereingekommen bin, nicht abgelassen, meine Füße zu küssen. Du hast mein Haupt nicht mit Öl gesalbt; sie aber hat meine Füße mit Salböl gesalbt. Deshalb sage ich dir: Ihre vielen Sünden sind vergeben, denn sie hat viel Liebe gezeigt; wem aber wenig vergeben wird, der liebt wenig. Und er sprach zu ihr: Dir sind deine Sünden vergeben. Da fingen die an, die mit zu Tisch saßen, und sprachen bei sich selbst: Wer ist dieser, der auch die Sünden vergibt? Er aber sprach zu der Frau:Dein Glaube hat dir geholfen; geh hin in Frieden!

Predigt (Audiodatei):

Fragen zum Nachdenken:

Hast du Sünden in deinem Leben, die dir nicht aus dem Kopf gehen wollen, obwohl du sie schon vor Gott gebracht hast?

Wenn ja, was macht das mit dir?

Glaubst du, dass Jesus für diese Sünden bezahlt hat?

Wie hängt deiner Meinung nach die Erfahrung von Vergebung mit der Fähigkeit zu lieben zusammen?

Den Heiligen Geist im Alltag erleben

Foto von Sunyu
Foto von Sunyu
Gudrun Raupach ist Schulleiterin einer christlichen Gesamtschule. Sie beleuchtet in ihrer Predigt vom 17.06.2018 in der FEG Bad Eilsen das Wirken des Heiligen Geistes bei der Geburt der ersten Gemeinde. Sie zeigt auf, wie wichtig es für Nachfolger Christi ist, mit dem Heiligen Geist zu lernen, auf der Gnade zu stehen und den inwendigen Menschen erneuern zu lassen.
Predigttext Apostelgeschichte 2, 37 – 47
37 Als sie aber das hörten, ging’s ihnen durchs Herz, und sie sprachen zu Petrus und den anderen Aposteln: Ihr Männer, liebe Brüder, was sollen wir tun? 38 Petrus sprach zu ihnen: Tut Buße, und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden, so werdet ihr empfangen die Gabe des Heiligen Geistes. 39 Denn euch und euren Kindern gilt diese Verheißung und allen, die fern sind, so viele der Herr, unser Gott, herzurufen wird. 40 Noch mit vielen anderen Worten bezeugte er das und ermahnte sie und sprach: Lasst euch erretten aus diesem verkehrten Geschlecht! 41 Die nun sein Wort annahmen, ließen sich taufen; und an diesem Tage wurden hinzugefügt etwa dreitausend Menschen. 42 Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet. 43 Es kam aber Furcht über alle, und es geschahen viele Wunder und Zeichen durch die Apostel. 44 Alle aber, die gläubig geworden waren, waren beieinander und hatten alle Dinge gemeinsam. 45 Sie verkauften Güter und Habe und teilten sie aus unter alle, je nachdem es einer nötig hatte. 46 Und sie waren täglich einmütig beieinander im Tempel und brachen das Brot hier und dort in den Häusern, hielten die Mahlzeiten mit Freude und lauterem Herzen. 47 und lobten Gott und fanden Wohlwollen beim ganzen Volk. Der Herr aber fügte täglich zur Gemeinde hinzu, die gerettet wurden.
Predigt (Audiodatei):
Fragen zu Nachdenken:
Erlebst du Mangel trotz Wohlstand in deinem Leben?
Gibt es Dinge oder Gedankenkonstrukte, die dich gefangen nehmen wollen?
Wie lebst du Gemeinschaft mit anderen Christen?
Wie könnte dein Leben aussehen, wenn du dich jeden Tag neu zu Christus kehrst?

Was zählt!

grab_lavendelWill man sonntags in der Großstadt im Freien etwas Ruhe finden, empfiehlt es sich Plätze und Straßen, Parks und Grünanlagen zu meiden. Überall tummeln sich Menschen, tönen Musik und Straßenlärm. So versuche ich an ungewöhnlicher Stelle etwas für mich zu sein, um allein zu spazieren ohne angesprochen zu werden und meinen Gedanken nachzuhängen: auf dem Friedhof.

Sonnenbeschienene Wege und schattige Plätzchen wechseln sich ab. Nur selten begegne ich anderen und wenn, nickt man sich höchstens zu. Auf dem Friedhof zeigt sich, wie wir es mit dem Tod und der Erinnerung an geliebte Menschen halten. Das wuchtige Granitgrab steht neben einer schlichten Grabplatte. Ein sorgsam gepflegtes Grab wird vom Wildwuchs einer benachbarten Grabfläche bedroht. Plastikblumen verblassen neben Immergrün. Tote mit Vor-, Zu- und Geburtsnamen sowie Lebensdaten ruhen neben der geliebten Ehefrau. Wünsche der Hinterbliebenen oder Bibelverse vermitteln, wie sie die Toten gesehen haben.

Wie sieht es bei mir aus? Was zählt wirklich in meinem Leben? Ist das nur mir klar oder ist es auch für andere sichtbar? Was soll einst auf meinem Grabstein stehen?

grab_bisJesuskommtEinige mögen keine Friedhöfe oder Beerdigungen. Der Tod schreckt sie. Mich nicht, denn er liegt außerhalb meines Einflusses. Ich weiß nicht, wann und wie ich sterbe und will es auch nicht wissen. Was ich weiß, dass der Tod nicht endgültig ist und der Friedhof keine Endstation. Unmissverständlich verkündet ein Grabstein diese Hoffung mit Ausrufezeichen:

Bis Jesus kommt!

Bettina

Freude am Königtum Gottes

freudePsalm 97

Der Herr ist König; des freue sich das Erdreich und seien fröhlich die Inseln, so viel ihrer sind.

Wolken und Dunkel sind um ihn her, Gerechtigkeit und Recht sind seines Thrones Stütze.

Feuer geht vor ihm her und verzehrt ringsum seine Feinde.

Seine Blitze erleuchten den Erdkreis, das Erdreich sieht es und erschrickt.

Berge zerschmelzen wie Wachs vor dem Herrn, vor dem Herrscher der ganzen Erde.

Die Himmel verkündigen seine Gerechtigkeit, und alle Völker sehen seine Herrlichkeit.

Schämen sollen sich alle, die den Bildern dienen und sich der Götzen rühmen. Betet ihn an, alle Götter!

Zion hört es und ist froh, und die Töchter Juda sind fröhlich, weil du, Herr, recht regierest.

Denn du, Herr, bist der Höchste über allen Landen, du bist hoch erhöht über alle Götter.

Die ihr den Herrn liebet, hasset das Arge! Der Herr bewahrt die Seelen seiner Heiligen; aus der Hand der Frevler wird er sie erretten.

Dem Gerechten muss das Licht immer wieder aufgehen und Freude den aufrichtigen Herzen.

Ihr Gerechten, freut euch des Herrn und danket ihm und preiset seinen heiligen Namen!


Fragen zum Nachdenken

Worüber freust du dich?

Wo hast du schon mal Bewahrung erlebt?

Wann sind andere Dinge oder Menschen wichtiger für dich als Gott?

Wofür bist du dankbar – jetzt in diesem Moment oder generell in deinem Leben?

Das lass mal meine Sorge sein! – Wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.

 

Foto by Ben White
Foto by Ben White

Predigt von Pastor Dr. Heinrich Christian Rust 

Es gibt drei Faktoren, die unsere Beziehung zu Gott stören wollen: Sünde, Schwäche und Sorge. Pastor Dr. Heinrich Christian Rust stellt in seiner Predigt anschaulich dar, wie insbesondere die Sorge unsere Nachfolge beeinträchtigt und weist dabei auf die zentrale Frage hin, was uns im Leben am meisten wert ist. Wenn wir beten oder in Veranstaltungen gehen und nehmen danach alle unsere Sorgen wieder mit nach Hause, dann haben wir vom lebendigen und Leben verändernden Gott wenig verstanden. Unser Vater ist ein Gott der Fürsorge, der zu uns spricht: „Das lass mal meine Sorge sein!“

 

Predigttext:

Matthäus 6, 19-34 – Aus der Bergpredigt Jesu

Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, wo die Motten und der Rost sie fressen und wo die Diebe nachgraben und stehlen. Sammelt euch vielmehr Schätze im Himmel, wo weder die Motten noch der Rost sie fressen und wo die Diebe nicht nachgraben und stehlen! Denn wo euer Schatz ist, da wird auch euer Herz sein. Das Auge ist die Leuchte des Leibes. Wenn nun dein Auge lauter ist, so wird dein ganzer Leib licht sein. Wenn aber dein Auge verdorben ist, so wird dein ganzer Leib finster sein. Wenn nun das Licht in dir Finsternis ist, wie groß wird dann die Finsternis sein! Niemand kann zwei Herren dienen, denn entweder wird er den einen hassen und den anderen lieben, oder er wird dem einen anhängen und den anderen verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon! Darum sage ich euch: Sorgt euch nicht um euer Leben, was ihr essen und was ihr trinken sollt, noch um euren Leib, was ihr anziehen sollt! Ist nicht das Leben mehr als die Speise 3 und der Leib mehr als die Kleidung? Seht die Vögel des Himmels an: Sie säen nicht und ernten nicht, sie sammeln auch nicht in die Scheunen, und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr nicht viel mehr wert als sie? Wer aber von euch kann durch sein Sorgen zu seiner Lebenslänge eine einzige Elle hinzusetzen? Und warum sorgt ihr euch um die Kleidung? Betrachtet die Lilien des Feldes, wie sie wachsen! Sie mühen sich nicht und spinnen nicht; ich sage euch aber, dass auch Salomo in all seiner Herrlichkeit nicht gekleidet gewesen ist wie eine von ihnen. Wenn nun Gott das Gras des Feldes, das heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird, so kleidet, wird er das nicht viel mehr euch tun, ihr Kleingläubigen? Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen? oder: Was werden wir trinken?, oder: Womit werden wir uns kleiden? Denn nach allen diesen Dingen trachten die Menschen, die Gott nicht kennen, aber euer himmlischer Vater weiß, dass ihr das alles benötigt. Trachtet vielmehr zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch dies alles hinzugefügt werden! Darum sollt ihr euch nicht sorgen um den morgigen Tag; denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Jedem Tag genügt seine eigene Plage.

 

Fragen zum Nachdenken

Was ist deine größte Sorge?

Wie beeinflusst diese Sorge deinen Alltag?

Ist diese Sorge realistisch oder übertrieben?

Was müsste passieren, damit diese Sorge sich auflöst?

Vertraust du darauf, dass Gott dich letztlich mit allem versorgen wird, was du brauchst?

Was ist, wenn es kein Zufall ist?

zeichen_austin-chanKennst du das? Manchmal sprechen dich wildfremde Menschen an. Sie fragen nach dem Weg, ob du zehn Euro kleinmachen kannst, ob du Feuer hast oder so. Ganz normale Alltagsdinge. Was, wenn es kein Zufall ist, dass diese Menschen ausgerechnet dich fragen? Was, wenn sie dich ansprechen, weil sie – bewusst oder unbewusst – spüren, dass du anders bist und eine Ausstrahlung von Gott hast? Was, wenn der Heilige Geist sie zu dir schickt und sie eine Begegnung mit Jesus haben sollen?

Dieser Gedanke fordert mich sehr heraus. Ich erlebe solche Situationen ständig. Zwei Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit:

Wir wandern im Urlaub als Familie und am Ende unserer Tour spricht uns eine ältere Dame an, wie toll es doch sei, dass wir unseren Kindern die Liebe an der Natur vorleben. Wir bedanken uns und gehen weiter. Was wäre wohl passiert, wenn wir gesagt hätten „Ja, wir mögen die Natur. Vor allem aber finden wir in der Natur Gott, der das alles geschaffen hat“ ?

Ich bin mit meiner kleinen Tochter am Montag Morgen Bier kaufen (weil wir abends Besuch erwarten). Sie sitzt im Einkaufswagen. Spricht mich ein ziemlich fertig aussehender Typ an.
Er: „Ach ja, Kind müsste man wieder sein.“
Ich: „Wieso, weil man dann durch die Gegend geschoben wird?“
Er: „Nein, weil man dann keine Verantwortung tragen müsste.“
Ich bin perplex und sprachlos. Was für ein Hilferuf! Was wäre passiert, wenn ich für ihn gebetet hätte und ihm gesagt hätte, dass ich mein Leben nicht allein tragen muss, weil Jesus immer dabei ist? Ich weiß es nicht. Chance verpasst.

Ich merke, dass der Gedanke für mich so neu ist, dass er mich in der konkreten Situation noch überfordert und ich ihn meistens zwei Minuten zu spät denke. Aber ich will so durch das Leben gehen, dass für mich völlig klar ist, dass Jesus hier und jetzt und auf der Stelle handelt – weil ich auf Erden sein Arm, seine Hand bin und er durch mich wirkt.

Sönke aus Münster

Inspiriert vom Buch „Endlich Montag. Alltags-Evangelisation für normale Menschen.“ von Arne G. Skagen.

Am Anfang das Staunen

Trotz allem – am Anfang soll einfach mal das Staunen stehen. Darüber, dass wir seine Kinder sein dürfen! Dass es für jeden von uns einen Platz an seinem Tisch gibt. Das ist die von Gott geschaffene Wirklichkeit. Wir kommen aus allen Richtungen und treffen uns am Kreuz. Wir sind Kirche in ihrem ursprünglichsten Sinn: Menschen, die dem Ruf Jesu gefolgt sind. Dem Ruf des Rabbis mit der Dornenkrone. Dem Ruf des dienenden Königs. Unseres Erlösers.

Und während wir eigentlich vor allem zu unserem Freund und Retter wollen, breitet der die Arme aus und sagt: „Willkommen in Gottes großer, bunter, verrückter Familie. Ihr gehört zusammen. Liebt einander mit der Liebe, mit der ich euch liebe. Seid Salz und Licht in dieser Welt.“ Und immer da, wo wir das versuchen, im vollen Bewusstsein unserer geistlichen Armut, im Wissen, dass wir Jesus und auch einander brauchen, da erleben wir ekklesia [Kirche]. Die Herausgerufenen. Gemeinschaft der Heiligen und Sünder. Und Jesus mitten unter uns.

ID_christina.schoeffler

warum-hingehenChristina Schöffler, Am Anfang das Stauen, in: dies., Warum ich da noch hingehe. Die Kirche, Jesus und ich. © 2017 Neukirchener Verlagsgesellschaft mbH, Neukirchen-Vluyn, S. 31-32.

In dem Buch begibt sich Christina Schöffler auf die Suche danach, warum es sich lohnen könnte Teil der Kirche zu sein. Mehr dazu auch in ihrem Blog: https://denspatzinderhand.blogspot.de

Levis Privileg

Levis Privileg

Photo by Rahul Anil
Foto: Rahul Anil

Die Berufung Levis Lukas 5, 27 – 32

Und danach ging er hinaus und betrachtete einen am Zoll sitzenden Zöllner mit Namen Levi und sprach zu ihm: Folge mir! Und Levi stand auf, verließ alles und folgte ihm.

Und Levi machte ein großes Gastmahl in seinem Haus, und da war eine große Menge an Zöllnern und Anderen, die mit ihm waren und sich niedergesetzt hatten. Und die Pharisäer und ihre Schriftgelehrten murrten und redeten zu seinen Jüngern: Warum esst und trinkt ihr mit den Zöllnern und Sündern? Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Nicht die Gesunden bedürfen eines Arztes, sondern die, denen es schlecht geht. Ich bin nicht gekommen Gerechte zu rufen, sondern Sünder zur Umkehr.                                                                                                                                                                                                         

Wem gilt der Zuspruch und die Zuwendung Gottes?

Jesus gibt hier eine ziemlich deutliche Antwort auf diese Frage: Nicht Gerechten, sondern Sündern. Eigentlich klar, wenn man Paulus‘ „Da ist kein Gerechter, auch nicht einer.“ im Ohr hat. Aber zu Jesu Zeit war dieser Unterschied zwischen Gerechten und Sündern nicht so sehr einer theologischen Reflexion über die allgemeine Mensch-Gott-Beziehung geschuldet, sondern hatte seinen Anhaltspunkt eher im sozioökonomischen Status einer Person. Wer etwa als Zöllner tätig war, konnte schlicht nicht als Gerechter gelten, da er seinen Lebensunterhalt damit verdiente, den Einfluss einer widergöttlichen politischen Macht, die ihre Expansion nicht nur territorial, sondern auch kulturell vorantreiben wollte, aufrechtzuerhalten. Ob nun soziale Not oder politischer Zwang hinter der jeweiligen „Berufswahl“ standen, war dabei zweitrangig. Man hatte ja generell immer noch die Möglichkeit sich an den Straßenrand zu setzen und zu betteln.

Blinder Gehorsam?

Interessanterweise erfahren wir nicht besonders viel über Levi. Während wir in der Erzählung über Zacchäus zumindest ansatzweise erkennen können, dass er nicht wirklich beliebt beim Volk war, lässt uns der Evangelist über Levis Persönlichkeit eher im Dunkeln. So wirkt die unvermittelte Reaktion auf den Ruf Jesu äußerst befremdlich für uns. Dietrich Bonhoeffer deutete diesen auf den ersten Blick recht unverständlichen und scheinbar unüberlegten Schritt in die Nachfolge, indem er annahm, dass der Messias in sein Eigentum tritt und sich das erwählt, was er will. Diese Deutung stellt natürlich die Souveränität Jesu glänzend heraus, jedoch denke ich, dass es einen sehr viel einfacheren Grund für Levis „blinden Gehorsam“ gibt.

Ein ehrender Rabbi

Ich stelle mir die Situation wie folgt vor: Jesus beobachtet Levi eine Zeit lang bei seiner Arbeit, vielleicht irgendwo an eine Wand gelehnt. Er erahnt seine Sorge, seine Not und sein Unbehagen als Zöllner tätig zu sein. Darum geht er entschlossen auf ihn zu, um ihn anzusprechen. An dieser Stelle würde ich gerne wissen, was Levi bereits alles von Jesus wusste. Vielleicht dachte er: „Ist das nicht dieser Heiler, dieser Jesus, von dem einige behaupten, er sei ein großer Prophet? Oh Gott, warum kommt der hierher?“ Und er wird immer nervöser, je näher Jesus ihm kommt und überlegt sich schon Ausreden für seine Berufswahl, so was wie: „Ja Jesus, du weißt ja, dass ich schon immer mal was mit Menschen machen wollte und das war die einzige Möglichkeit.“ Aber insgeheim hatte er wohl vor allem die Befürchtung, dass das kommt, was normalerweise passiert, wenn Fromme auf offensichtlich Nichtfromme stoßen: eine Moralpredigt auf dem Fundament der Heiligen Schrift.

Doch dann geschieht das, was für jeden Nachfolger Jesu am Anfang seines Weges steht. Jesus kam, sah und überwand ihn. Es war damals eine gewaltige Ehre von einem Rabbi ausgewählt zu werden, was eigentlich nur den besten der besten Torahschülern passierte. Zudem mussten sich selbst diese noch bei einzelnen Rabbinern „bewerben“ und wurden nicht einfach auf der Straße angequatscht, schon gar nicht, wenn man Zöllner war. Jesus ignorierte bewusst diese Norm und wandte sich denen zu, die eigentlich keine Aussicht mehr auf gesellschaftliche Akzeptanz hatten. Und er ist nicht nur einfach freundlich oder fürsorglich, sondern er ehrt den Sünder. Jesu Ruf ist für Levi nicht zuerst eine Aufforderung, der Gehorsam zu leisten ist, sondern sie ist ein nicht auszuschlagendes Privileg, das er ohne zu zögern annimmt. Und aus überschwänglicher Dankbarkeit für den Genuss dieses Privilegs, gibt auch er, ähnlich wie Zacchäus, ein großes Festmahl. Wer den Ruf Jesu als dieses Privileg, als diese Ehrenbezeugung wahrnehmen lernt, kann nichts als Dankbarkeit und Liebe empfinden.

Fragen zum Weiterdenken:

Ist Jesu Ruf in seine Nachfolge für dich eher Befehl oder ein Privileg?

Was könnte Menschen heute davon abhalten, Jesu Ruf zu folgen?

Kennst du vielleicht einen Menschen aus deinem Umfeld, für den Jesu Ruf in seine Nachfolge eine befreiende Ehrenbezeugung wäre?