Profilbild von Ben

von Ben

Fluide Kirche – Herausforderungen für eine christliche Gemeinschaft

Oktober 21, 2018 in Sunday Sermon von Ben

Foto: Joel Forestbird

Foto: Joel Forestbird

Jens Stangenberg predigt in der Zellgemeinde Bremen über die Veränderungen in der Gesellschaft und was das für uns bedeutet, wenn wir eine Form von Glaubensgemeinschaft haben/bauen wollen. Gerade für uns Jesus Freaks ist das sehr relevant und könnte uns neue Anstöße geben, wie wir mit dem Rückgang von klassischen Gemeindestrukturen und dem Wegfall von Mitarbeit und Verbindlichkeit umgehen können. Die Predigt hat eher Vortragscharakter, dauert ca 1 std. aber es lohnt sich!
https://zellgemeinde-bremen.de/podcast/predigten/2018/09/30/fluide-kirche/

 

 

 

Direkter Link zur Predigt:

Das atlantische Gefühl der Ermattung

Oktober 14, 2018 in Sunday Sermon von matzewilli

Das atlantische Gefühl der Ermattung

Atlas trägt die Welt

Atlas trägt die Welt

Atlas kämpfte nach Vorstellung der Alten Griechen nach der Entstehung der Erde zusammen mit anderen Titanen auf der Seite des Kronos gegen dessen Sohn Zeus. Nachdem Zeus diesen Kampf gewann, legte er Atlas eine unglaubliche Strafe auf: Er sollte fortan das Himmelsgewölbe auf seinen Schultern tragen, damit Himmel und Erde zukünftig auf Distanz gehalten werden konnten, um ein Aufeinanderprallen zu verhindern. Klingt komisch, ist aber so. Interessanterweise hat sich im Laufe der Kunstgeschichte die Darstellung des Atlas, der ja eigentlich nur das Himmelsgewölbe tragen sollte, dahingehend weiterentwickelt, dass er zunehmend als derjenige in Erscheinung trat, der nicht nur das Himmelsgewölbe, sondern den ganzen Globus, die ganze Last der Welt auf seinen Schultern zu tragen hatte.

Was haben wir mit Atlas zu tun?

Unser Jahresthema bei den Jesus Freaks ist ja das Thema „Nachfolge“. Alle überregionalen Angebote z.B. auf dem Educamp usw., kreisen um dieses Thema „Nachfolge“. Was bedeutet es, Jesus nachzufolgen? Was muss ich dafür aufgeben? Was bekomme ich dafür? Was bekommt die Welt dafür? Schaffe ich das überhaupt oder ist es eine so große Last, dass ich es nicht schaffe? Und was ist überhaupt das Ziel von Nachfolge?

Für mich ist das ein sehr herausforderndes Thema, das jedoch schlichtweg unumgehbar ist, wenn man sich weiterhin Christ nennen will. Die Bergpredigt spiegelt den ganzen Anspruch, den Jesus an uns stellt wieder. Und es ist glaube ich sehr deutlich, wie unbedingt dieser Anspruch Jesu an unser ganz persönliches Verhalten im Alltag und in jeder Situation unseres Lebens ist. Und dieser Anspruch setzt ethische Maßstäbe, die Gold wert sind.

Ich erlebe allerdings auch Tage, an denen ich mich so ähnlich wie Atlas fühle. Gold wiegt eben auch ne ganze Ecke was. Viele von uns kennen dieses Gefühl glaube ich. Woher es aber kommt, weiß man manchmal nicht so genau. Wir wachen morgens auf, nachdem uns wahlweise der Wecker oder unsere Kinder oder Haustiere aus dem Schlaf reißen. Wir waschen uns im Bad den Schlaf aus den Gliedern und schlingen uns schnell was in die Wampe, um nicht mit knurrendem Magen durch den arbeitsreichen Vormittag zu stolpern. Nebenbei checken wir noch unsere Benachrichtigungen auf Whatsapp, gmx und Co., stöbern noch einige Schlagzeilen aus diversen Newslettern durch und würgen uns dann solche Mitteilungen rein wie z.B.:

  • 135 Tote bei Terroranschlag in Kabul,
  • Beziehungsdrama in Beckendümpel: Mann ersticht Ehefrau aus Eifersucht,
  • Verbraucherschutz zieht negative Bilanz – Keine Lösung im Dieselskandal in Sicht,
  • Youtubestar Bibi kurz vor der Geburt,
  • Humanitäre Katastrophe bahnt sich an – Erdbeben in Indonesien fordert immer mehr Tote jetzt spenden.

Und die klugen unter uns schlagen dann noch, bevor der Alltag so richtig ins Rollen kommt, das biblische Wort auf und lesen dann so etwas wie:

  • Darum, solange wir noch Zeit haben, lasst uns Gutes tun an jedermann, allermeist aber an des Glaubens Genossen. Gal 6,10“
  • Wer da weiß Gutes zu tun, und tut’s nicht, dem ist’s Sünde.“ Jak 4,17
  • Was ihr nun wollt, das euch die Menschen tun sollen, das tut auch ihnen.“ Mt 7,12

Es ist doch offensichtlich, dass wir, wenn wir diese biblischen Handlungsanweisungen vor dem Hintergrund aller Nöte dieser Welt auf uns wirken lassen, wir schnell ein solches atlantisches Gefühl der Ermattung entwickeln können.

Gottes Wort wird so schnell zur Überforderung, wenn man die täglichen Horrornachrichten mitbekommt. Und wenn ich an mich selbst den Anspruch stelle, dass ich alles Gute, das ich zu tun wüsste, auch tue, dann merke ich sehr schnell, wie ich an meine Grenzen stoße. „Ich schaffe das nicht. Mein ganzes Leben besteht aus Kompromissen.“ Ich merke dann bei jeder Entscheidung, die ich treffe oder getroffen habe, dass sie ein Kompromis war zwischen dem, was ich für Gottes Anspruch an mich halte und dem, was ich mit Anstrengung und manchmal enormer Selbstüberwindung gerade noch zustande bringe.

Wer unreflektiert und leichtfertig seinen Blick auf die Katastrophen und das Leid unserer Welt ziehen lässt, steht in der Gefahr, zu kapitulieren und vielleicht sogar den ethischen Anspruch Jesu an sein eigenes kleines Leben zu ignorieren. Ich stehe spürbar immer wieder in dieser Gefahr. Vielleicht geht es dir ja ähnlich. Dann sei gegrüßt! Du bist nicht allein.

Wir haben heute sehr viel mehr Gelegenheiten uns mit Meldungen über Chaos, Leid und belanglosem Mist aus der ganzen Welt zuzumüllen, als zu jeder anderen Epoche in der Geschichte der Menschheit. Und Angesichts der gigantischen Last, die sich vor allem durch die neuen Medien im Sekundentakt in unsere Gefühlswelt hineinbohren kann, wenn wir bspw. ein ertrunkenes Kind am Strand liegen sehen oder von Mitmenschen hören, die unsägliche Schrecken durchlebt haben, dann macht sich bei uns eine fassungslose Ohnmacht breit, dass sie alle Freude am Christusglauben zu ersticken droht. Kann ich Eltern ihr gestorbenes Kind wiedergeben? Kann ich Tsunamis aufhalten oder Erdbeben? Kann ich das? Wie gehe ich mit so einem atlantischen Gefühl der Ermattung um, so dass es mein Vertrauen in Christus nicht zerstört?

Wie kann ich damit umgehen?

Es gibt ein paar Punkte, die mir helfen. Sie lösen nicht alle Probleme, aber sie geben mir Lichtblicke und eine Art Anker, an dem ich mich festhalte, wenn es wieder schlimm wird:

1. Gott leidet mit

Als Johannes der Täufer Jesus sieht, bezeugt er: „Siehe, das ist das Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt.“ Joh 1,29) Nicht Atlas soll die ganze Last der Welt tragen, nicht wir sollen die ganze Last der Welt tragen, sondern Christus, das Lamm Gottes trägt die Last der ganzen Welt!“ Dabei geht es nicht nur um meine und deine eigenen Sünden, sondern um die Sünden der ganzen Welt, des ganzen Kosmos. Nur mit diesem Christus an meiner Seite kann ich mich den Nöten und dem Leid dieser Welt stellen. Nur wenn ich glauben darf, dass ich nicht alle Last auf mich nehmen muss, traue ich mich, Leid anzusehen und es näher an mich heranzulassen und mitzuleiden. Gott schaut nicht weg vom Leid, sondern zieht sich das Leid an, ist im Leiden gegenwärtig. Mitleid ist ein Wesenszug Gottes. Die Lehre von der Inkarnation Gottes sagt genau das aus. Das heißt für mich, dass Gott auch in meinem Leid und in meinem Mitleid gegenwärtig ist. Und ich will lernen, das zu akzeptieren, auch wenn es sich alles andere als schön anfühlt, weil ich Gott dort finden kann.

2. Gott hat den (Zeit-)Plan

Ein Blick darauf, was Jesus bewegt hat, gibt mir Orientierung in den unzähligen Möglichkeiten, Gutes zu tun: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Der Sohn kann nichts von sich selber tun, sondern was er sieht den Vater tun; denn was dieser tut, das tut gleicherweise auch der Sohn. Der Vater aber hat den Sohn lieb und zeigt ihm alles, was er tut, und wird ihm noch größere Werke zeigen, daß ihr euch verwundern werdet.“ Joh 5,19

Jesus war ohne Sünde. So bezeugt es uns das biblische Wort. Nun gab es jedoch auch zur Zeit Jesu Leid und Nöte, die er nicht beseitigt hat. Beispiel hierfür ist der Kommentar des Judas bei Jesu Salbung, man könne doch das Geld für das teure Öl an die Armen verteilen. Wäre das nicht besser gewesen? Oder: Wenn er das Brot vermehrt hat für ein paar tausend Menschen, warum dann nicht gleich für alle Hungernden oder wenigstens für alle Hungernden in Israel? Ohne Sünde sein heißt wohl nicht, alles Leid zu beseitigen. Aber es heißt sehr wohl, das zu tun, was einem der Vater im Himmel zeigt.

Gott herrscht nach seinem eigenen Plan und er tut das offensichtlich zusammen mit Menschen, die ihm gehorchen. Das ist das Ziel meiner Nachfolge, gehorsam gegenüber Gottes Reden werden. Nicht um das als faule Ausrede dafür auszunutzen, wenn man mal keinen Bock hat, jemanden zu lieben oder Gutes zu tun. So nach dem Motto: Ja, „ich hab den Eindruck“, dass Gott gerade nicht will, dass ich spende oder meiner Frau treu bin oder die andere Wange hinhalte. Der Kanon heißt nicht umsonst Kanon, also Maßstab. Hier finden wir die Definition für eine gottgefällige Lebensweise und können damit erkennen, ob wir uns wirklich nach Gottes Reden sehnen. Also nicht als Ausrede, sondern als eine Art Priorisierung.

Jedesmal, wenn mich die Last unserer geplagten Welt erdrücken will, will ich mit Gott ins Gespräch kommen und ja! ich meine ins Gespräch kommen. Ich will keine Monologe führen, sondern möchte, dass Gott mir zeigt, was ich in diesen belasteten Momenten tun soll. Denn Gott kennt den perfekten Zeitpunkt, die Bibel spricht auch von dem kairos, um uns ganz konkrete und wirkmächtige Aufträge zu erteilen:

Als ein kleines Beispiel für die Tragweite gehorsamer Taten von Menschen sei hier Hananias erwähnt. (Apg 9,10-19) Hananias gehorchte dem, was er gehört hatte und Paulus trug das Evangelium in die Welt hinaus und schrieb fast die Hälfte des Neuen Testaments. Kleine gehorsame Tat → enorm große Wirkung.

3. Gott schafft eine vollendete Welt ohne Leid

Im Missionsbefehl bezeugt uns die Bibel, dass Jesus alle Macht und Autorität im Himmel und auf Erden innehat. Mir gibt das die Hoffnung, dass es jemanden gibt, der Eltern ihr gestorbenes Kind wiedergeben kann und dass es eine Welt geben kann, in der es keine Katastrophen und kein Leid mehr geben muss. In der der Tod nicht das letzte Wort haben wird, sondern der Heiland. Atlas ist eine Erfindung des Menschen, aber Jesus ist real!

Fragen zum Nachdenken

Kennst du auch das Gefühl, dass dir alles zu viel wird?

Trägst du vielleicht Lasten, die du gar nicht tragen sollst?

Hast du Leute um dich, die dir dabei helfen, Gottes Reden in deinem Leben wahrzunehmen und umzusetzen?

Vertraust du darauf, dass Gott dich frei machen und nicht erdrücken will?

 

Profilbild von bettina

von bettina

Säen und danken

Oktober 7, 2018 in Sunday Sermon von bettina

pflanzen_kircheHeute wird in vielen Gemeinden das Erntedankfest gefeiert. Die Menschen danken Gott für die Ernte. Obwohl sich kaum jemand komplett aus eigenem Anbau versorgt, haben die meisten ein Bedürfnis danach, Pflanzen wachsen und gedeihen zu sehen – und sei es ein Topf Basilikum auf dem Fensterbrett.

Wenn ich ans Erntedankfest denke, frage ich mich, was habe ich dieses Jahr gesät und gepflanzt? Die Buntnessel und die Petersilie zählen nicht wirklich. Dafür kommt mir diese Rubrik in den Sinn: Sunday Sermon. Im letzten Herbst keimte eine Idee, wie der Medienbereich Jesus Freaks mit guten Impulsen versorgen könnte.

Warum nicht vorhandene Predigten nutzen und aufbereiten? Aber schaffe ich das regelmäßig? Eigentlich höre ich kaum Onlinepredigten. Vielleicht könnte man auch mal Texte über eine Bibelstelle oder eine Glaubenserfahrung nehmen? Mit diesen Überlegungen startete ich das Experiment beim Adventskalender 2017. Vier Sonntage, ein überschaubarer Zeitrahmen. Gedacht, getan. Und siehe da – es hat funktioniert.

Ermutigt durch die positiven Rückmeldungen, nahm ich mir vor, es im Jahr 2018 weiterzuführen. Doch allein hätte ich das nie geschafft! Mir standen Menschen zur Seite, die mir Predigten, Podcasts und Blogs empfohlen sowie eigene Texte und Predigten beigesteuert haben. Vielen Dank an euch! Vor allem aber möchte ich Matze danken, der seit dem Frühjahr für Kontinuität gesorgt, zahlreiche Predigten aufgespürt und eigene Gedanken geteilt hat.

Wenn ich jetzt zurückschaue, kann ich erkennen, wie aus einer kleinen Idee etwas Größeres gewachsen ist. Ich sehe die wertvollen Impulse und freue mich, dass sie Leser*innen ermutigt, erinnert und getröstet haben. Das ist unsere Ernte und dafür danke ich Gott.

Bettina

Möchtest du die Sunday Sermon beim Wachsen und Gedeihen unterstützen? Wir als Medienbereich freuen uns, über weitere Autor*innen, Predigtsucher*innen und technische Unterstützer*innen, aber auch über Feedback und Hinweise. Schreib an: medien@jesusfreaks.de

Fragen zum Nachdenken

Was hast du seit dem letzten Jahr gesät?

Was hast du wachsen lassen?

Welche Person hast du begleitet und in ihrem Wachstum unterstützt?

Die Hauptsache

September 23, 2018 in Allgemein, Sunday Sermon von matzewilli

„Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken.“ Mt 22,37

Foto: Aaron Huber

Foto: Aaron Huber

Die Hauptsache ist, dass die Hauptsache die Hauptsache bleibt. Mit Esprit und viel Charme lehrt Pastor Dr. Tillmann Krüger in der Friedenskirche Braunschweig über die zentralen Inhalte des christlichen Glaubens. Eine ermutigende Auffrischung unserer Glaubensüberzeugungen mit einer klaren Aufforderung zur Nächstenliebe, die in der Erfahrung des Geliebtseins gründet.

Fragen zum Nachdenken:

Gibt es Dinge in deinem Alltag, die wie Hauptsachen wirken, aber eigentlich Nebensachen sind?

Was hindert dich daran, Gottes Liebe zu erleben?

Was hindert dich daran, deinen Nächsten zu lieben?

Könnte man das ändern?

 

Predigt von Dr. Tillmann Krüger

 

Jüngerschaft – Lernen mit Herz, Kopf und Hand

September 9, 2018 in Sunday Sermon von matzewilli

Jüngerschaft – Lernen mit Herz, Kopf und Hand

Foto: Denisse Leon

Foto: Denisse Leon

Pastor Dr. Heinrich Christian Rust lehrt in seiner Predigt „Zugehörig – Vom Wesen der Christusnachfolge“, gehalten am 02.09.2018 in der Friedenskirche Braunschweig, über das Wesen jesuanischer Jüngerschaft. Er zeigt dabei auf, dass sich die „Lehrlinge“ Jesu in ihrer Nachfolge in einem ganzheitlichen Lernprozess befinden, der von der Beziehung zu ihrem Lehrer geprägt ist. Es geht dabei um eine Zugehörigkeit zu Jesus Christus und welche Implikationen sich daraus für mein Leben ergeben.

 

 

 

Fragen zum Nachdenken

Wo wird Jüngerschaft in deinem Leben konkret?

Wo erlebst du deine „Zugehörigkeit“ zu Christus?

Hörst du Gottes Reden in deinem Leben?

Gehorchst du seinem Reden?

Das lass mal meine Sorge sein! – Wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.

Juni 17, 2018 in Sunday Sermon von matzewilli

 

Foto by Ben White

Foto by Ben White

Predigt von Pastor Dr. Heinrich Christian Rust 

Es gibt drei Faktoren, die unsere Beziehung zu Gott stören wollen: Sünde, Schwäche und Sorge. Pastor Dr. Heinrich Christian Rust stellt in seiner Predigt anschaulich dar, wie insbesondere die Sorge unsere Nachfolge beeinträchtigt und weist dabei auf die zentrale Frage hin, was uns im Leben am meisten wert ist. Wenn wir beten oder in Veranstaltungen gehen und nehmen danach alle unsere Sorgen wieder mit nach Hause, dann haben wir vom lebendigen und Leben verändernden Gott wenig verstanden. Unser Vater ist ein Gott der Fürsorge, der zu uns spricht: „Das lass mal meine Sorge sein!“

 

Predigttext:

Matthäus 6, 19-34 – Aus der Bergpredigt Jesu

Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, wo die Motten und der Rost sie fressen und wo die Diebe nachgraben und stehlen. Sammelt euch vielmehr Schätze im Himmel, wo weder die Motten noch der Rost sie fressen und wo die Diebe nicht nachgraben und stehlen! Denn wo euer Schatz ist, da wird auch euer Herz sein. Das Auge ist die Leuchte des Leibes. Wenn nun dein Auge lauter ist, so wird dein ganzer Leib licht sein. Wenn aber dein Auge verdorben ist, so wird dein ganzer Leib finster sein. Wenn nun das Licht in dir Finsternis ist, wie groß wird dann die Finsternis sein! Niemand kann zwei Herren dienen, denn entweder wird er den einen hassen und den anderen lieben, oder er wird dem einen anhängen und den anderen verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon! Darum sage ich euch: Sorgt euch nicht um euer Leben, was ihr essen und was ihr trinken sollt, noch um euren Leib, was ihr anziehen sollt! Ist nicht das Leben mehr als die Speise 3 und der Leib mehr als die Kleidung? Seht die Vögel des Himmels an: Sie säen nicht und ernten nicht, sie sammeln auch nicht in die Scheunen, und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr nicht viel mehr wert als sie? Wer aber von euch kann durch sein Sorgen zu seiner Lebenslänge eine einzige Elle hinzusetzen? Und warum sorgt ihr euch um die Kleidung? Betrachtet die Lilien des Feldes, wie sie wachsen! Sie mühen sich nicht und spinnen nicht; ich sage euch aber, dass auch Salomo in all seiner Herrlichkeit nicht gekleidet gewesen ist wie eine von ihnen. Wenn nun Gott das Gras des Feldes, das heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird, so kleidet, wird er das nicht viel mehr euch tun, ihr Kleingläubigen? Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen? oder: Was werden wir trinken?, oder: Womit werden wir uns kleiden? Denn nach allen diesen Dingen trachten die Menschen, die Gott nicht kennen, aber euer himmlischer Vater weiß, dass ihr das alles benötigt. Trachtet vielmehr zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch dies alles hinzugefügt werden! Darum sollt ihr euch nicht sorgen um den morgigen Tag; denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Jedem Tag genügt seine eigene Plage.

 

Fragen zum Nachdenken

Was ist deine größte Sorge?

Wie beeinflusst diese Sorge deinen Alltag?

Ist diese Sorge realistisch oder übertrieben?

Was müsste passieren, damit diese Sorge sich auflöst?

Vertraust du darauf, dass Gott dich letztlich mit allem versorgen wird, was du brauchst?

Levis Privileg

Mai 27, 2018 in Sunday Sermon von matzewilli

Levis Privileg

Photo by Rahul Anil

Foto: Rahul Anil

Die Berufung Levis Lukas 5, 27 – 32

Und danach ging er hinaus und betrachtete einen am Zoll sitzenden Zöllner mit Namen Levi und sprach zu ihm: Folge mir! Und Levi stand auf, verließ alles und folgte ihm.

Und Levi machte ein großes Gastmahl in seinem Haus, und da war eine große Menge an Zöllnern und Anderen, die mit ihm waren und sich niedergesetzt hatten. Und die Pharisäer und ihre Schriftgelehrten murrten und redeten zu seinen Jüngern: Warum esst und trinkt ihr mit den Zöllnern und Sündern? Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Nicht die Gesunden bedürfen eines Arztes, sondern die, denen es schlecht geht. Ich bin nicht gekommen Gerechte zu rufen, sondern Sünder zur Umkehr.                                                                                                                                                                                                         

Wem gilt der Zuspruch und die Zuwendung Gottes?

Jesus gibt hier eine ziemlich deutliche Antwort auf diese Frage: Nicht Gerechten, sondern Sündern. Eigentlich klar, wenn man Paulus‘ „Da ist kein Gerechter, auch nicht einer.“ im Ohr hat. Aber zu Jesu Zeit war dieser Unterschied zwischen Gerechten und Sündern nicht so sehr einer theologischen Reflexion über die allgemeine Mensch-Gott-Beziehung geschuldet, sondern hatte seinen Anhaltspunkt eher im sozioökonomischen Status einer Person. Wer etwa als Zöllner tätig war, konnte schlicht nicht als Gerechter gelten, da er seinen Lebensunterhalt damit verdiente, den Einfluss einer widergöttlichen politischen Macht, die ihre Expansion nicht nur territorial, sondern auch kulturell vorantreiben wollte, aufrechtzuerhalten. Ob nun soziale Not oder politischer Zwang hinter der jeweiligen „Berufswahl“ standen, war dabei zweitrangig. Man hatte ja generell immer noch die Möglichkeit sich an den Straßenrand zu setzen und zu betteln.

Blinder Gehorsam?

Interessanterweise erfahren wir nicht besonders viel über Levi. Während wir in der Erzählung über Zacchäus zumindest ansatzweise erkennen können, dass er nicht wirklich beliebt beim Volk war, lässt uns der Evangelist über Levis Persönlichkeit eher im Dunkeln. So wirkt die unvermittelte Reaktion auf den Ruf Jesu äußerst befremdlich für uns. Dietrich Bonhoeffer deutete diesen auf den ersten Blick recht unverständlichen und scheinbar unüberlegten Schritt in die Nachfolge, indem er annahm, dass der Messias in sein Eigentum tritt und sich das erwählt, was er will. Diese Deutung stellt natürlich die Souveränität Jesu glänzend heraus, jedoch denke ich, dass es einen sehr viel einfacheren Grund für Levis „blinden Gehorsam“ gibt.

Ein ehrender Rabbi

Ich stelle mir die Situation wie folgt vor: Jesus beobachtet Levi eine Zeit lang bei seiner Arbeit, vielleicht irgendwo an eine Wand gelehnt. Er erahnt seine Sorge, seine Not und sein Unbehagen als Zöllner tätig zu sein. Darum geht er entschlossen auf ihn zu, um ihn anzusprechen. An dieser Stelle würde ich gerne wissen, was Levi bereits alles von Jesus wusste. Vielleicht dachte er: „Ist das nicht dieser Heiler, dieser Jesus, von dem einige behaupten, er sei ein großer Prophet? Oh Gott, warum kommt der hierher?“ Und er wird immer nervöser, je näher Jesus ihm kommt und überlegt sich schon Ausreden für seine Berufswahl, so was wie: „Ja Jesus, du weißt ja, dass ich schon immer mal was mit Menschen machen wollte und das war die einzige Möglichkeit.“ Aber insgeheim hatte er wohl vor allem die Befürchtung, dass das kommt, was normalerweise passiert, wenn Fromme auf offensichtlich Nichtfromme stoßen: eine Moralpredigt auf dem Fundament der Heiligen Schrift.

Doch dann geschieht das, was für jeden Nachfolger Jesu am Anfang seines Weges steht. Jesus kam, sah und überwand ihn. Es war damals eine gewaltige Ehre von einem Rabbi ausgewählt zu werden, was eigentlich nur den besten der besten Torahschülern passierte. Zudem mussten sich selbst diese noch bei einzelnen Rabbinern „bewerben“ und wurden nicht einfach auf der Straße angequatscht, schon gar nicht, wenn man Zöllner war. Jesus ignorierte bewusst diese Norm und wandte sich denen zu, die eigentlich keine Aussicht mehr auf gesellschaftliche Akzeptanz hatten. Und er ist nicht nur einfach freundlich oder fürsorglich, sondern er ehrt den Sünder. Jesu Ruf ist für Levi nicht zuerst eine Aufforderung, der Gehorsam zu leisten ist, sondern sie ist ein nicht auszuschlagendes Privileg, das er ohne zu zögern annimmt. Und aus überschwänglicher Dankbarkeit für den Genuss dieses Privilegs, gibt auch er, ähnlich wie Zacchäus, ein großes Festmahl. Wer den Ruf Jesu als dieses Privileg, als diese Ehrenbezeugung wahrnehmen lernt, kann nichts als Dankbarkeit und Liebe empfinden.

Fragen zum Weiterdenken:

Ist Jesu Ruf in seine Nachfolge für dich eher Befehl oder ein Privileg?

Was könnte Menschen heute davon abhalten, Jesu Ruf zu folgen?

Kennst du vielleicht einen Menschen aus deinem Umfeld, für den Jesu Ruf in seine Nachfolge eine befreiende Ehrenbezeugung wäre?

Ostern ist immer!

Mai 13, 2018 in Sunday Sermon von matzewilli

Auferstehung heißt mehr als das „Wiederlebendigwerden“ nach dem Strobert-nyman-442994-unsplasherben. Wir finden die Kraft der Auferstehung auch im Alltag. Lisa aus Münster setzt sich in ihrer inspirierenden Osterpredigt mit der Auferstehung Jesu als göttlichem Prinzip auseinander. Sie geht dabei auf den engen Zusammenhang zwischen Kreuz und Auferstehung ein.

So gibt es keine Auferstehung ohne das Kreuz. Auferstehung braucht einen Kontext. Es heißt immer: Auferstanden aus etwas anderem, aus der Tiefe. Unser Leben in der Nachfolge besteht in dem Spannungsfeld zwischen Trauer und Freude. Doch Jesu Verheißung lässt uns auf ein Ende in vollkommener Freude hoffen.                                                                                                                                                                                                                                                            Foto: Robert Nyman

Predigt zu Johannes 16, 19-24

Ein Arsch im Maulbeerfeigenbaum – *Sunday Sermon*

April 29, 2018 in Sunday Sermon von matzewilli

Am RandDer griechische Begriff für nachfolgen ist das Verb „akolouthein“. Dieser Begriff wurde nicht nur im Kontext des Neuen Testaments gebraucht, sondern hatte auch in der nicht-christlichen religiösen Umwelt eine Bedeutung. Dort wird das Nachfolgen oft als Nachahmung oder Imitation einer Gottheit verstanden, die zu Weisheit und Erkenntnis und oft zum persönlichen Heil führen sollte. Es ist interessant, dass die Autoren des Neuen Testaments eben diesen Begriff gewählt haben, um den Anhängern Jesu Orientierung für ihre Lebensgestaltung zu geben.  Die folgende Geschichte aus dem Leben Jesu gibt ein Beispiel dafür, wie wir ihn konkret nachahmen können.

Dann kam er nach Jericho und ging durch die Stadt. Dort wohnte ein Mann namens Zachäus; er war der oberste Zollpächter und war sehr reich. Er wollte gern sehen, wer dieser Jesus sei, doch die Menschenmenge versperrte ihm die Sicht; denn er war klein. Darum lief er voraus und stieg auf einen Maulbeerfeigenbaum, um Jesus zu sehen, der dort vorbeikommen musste.

Als Jesus an die Stelle kam, schaute er hinauf und sagte zu ihm: Zachäus, komm schnell herunter! Denn ich muss heute in deinem Haus zu Gast sein. Da stieg er schnell herunter und nahm Jesus freudig bei sich auf. Als die Leute das sahen, empörten sie sich und sagten: „Er ist bei einem Sünder eingekehrt.“

Zachäus aber wandte sich an den Herrn und sagte: „Herr, die Hälfte meines Vermögens will ich den Armen geben, und wenn ich von jemand zu viel gefordert habe, gebe ich ihm das Vierfache zurück.“
Da sagte Jesus zu ihm: „Heute ist diesem Haus das Heil geschenkt worden, weil auch dieser Mann ein Sohn Abrahams ist. Denn der Menschensohn ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist.“

Der Ruf des Heilands

Da haben wir nun Zacchäus, den kleinen Zöllner, der es recht offensichtlich mit seinem Job übertreibt. Ich stelle ihn mir als einen Mann mit relativ geringem gesellschaftlichen Ansehen vor und wenig Freunden und das höchst wahrscheinlich nicht ohne Grund. Wahrscheinlich war er ein geldgieriger kleiner Pfennigfuchser, mit dem nicht gut Kirschen essen war. Kurz gesagt: Er war wohl ‚n Arsch! Doch wie uns der Evangelist mitteilen möchte, bewegte diesen kleinen Mann irgendetwas dazu, Jesus sehen zu wollen.

Warum Zacchäus Jesus sehen wollte, bleibt für uns im Dunkeln. Spannend jedoch ist, dass es im Endeffekt gar nicht so wichtig ist, welches Motiv dahinter steckte, dass Zacchäus auf den Maulbeerfeigenbaum stieg, um Jesus zu sehen. Denn egal wie edel die Motivation auch gewesen sein mag, es war der Ruf Jesu, der den weiteren Verlauf in seinem Leben veränderte: „Zacchäus, komm schnell herunter. Denn ich muss heute in deinem Haus zu Gast sein!“ Aus der ganzen Menschenmenge wählte Jesus diesen kleinen am Rande stehenden Zöllner aus. Und dies war der Ruf des Christus, der Ruf des menschgewordenen Gottes, der zu einem Leben in Gemeinschaft einlädt.

Wir alle sind Zacchäus

Niemand von uns ist Christ geworden, weil er sich von seinen Sünden freigemacht hat. Wir alle haben den Vorschuss der Liebe Gottes genießen dürfen, die uns dann im Folgenden freigemacht hat.

„Denn Gott erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus, als wir noch Sünder waren, für uns gestorben ist.“ (Römer 5,6)

Darum sind wir alle in uns selbst Sünder wie auch Zacchäus. Aber derjenige, der dich ruft, interessiert sich nicht zuerst dafür, welchen Beruf du hast, wie viele Gaunereien und wie viel Mist du gebaut hast! Er interessiert sich nicht so sehr dafür, was andere eventuell von dir halten, was du anhast, wie du so drauf bist, oder ob du n‘ Arsch bist!

Derjenige, der hier ruft, interessiert sich vor allem für eins: Für Dich! Und zwar für dich, so wie du in seinen barmherzigen, verständnisvollen und gütigen Augen bist! Und derjenige, der hier ruft, strahlt Wärme und Licht aus, die dein Leben umfangen sollen und dich vom Rand wieder zurück in die Mitte des Lebens holen wollen. Derjenige, der hier ruft, ruft dich von deinem Maulbeerfeigenbaum, aus deinem Schneckenhaus heraus, damit du wieder am Leben teilnehmen kannst!

Wir alle sind Jesus

Zum Thema Nachfolge gehört aber nun auch die andere Seite. Wir sind dazu aufgerufen, Christus nachzueifern, es Jesus gleich zu tun, ihn zu imitieren. Viele missverstehen Nachfolge als ein striktes Halten von Geboten und Verboten, damit sie Gott gefallen und dann später im Himmel, je nachdem wie gut sie es geschafft haben, entsprechende Belohnungen erhalten. Das ist so eine Art Sparbuchglauben. Natürlich gibt es auch den Gedanken des Lohns der Nachfolger im Neuen Testament, aber was mich immer an diesem Sparbuchglauben stört ist, dass es dem Sparbuchinhaber vor allem um sich selbst zu gehen scheint. Im Handeln Jesu sehe ich aber eine andere Tendenz.

Jesus ist nicht so sehr an sich selbst interessiert, an einem Lohn im Himmel oder an seinem Ansehen in der Welt. Er ruft hauptsächlich die Randgestalten, die Kleinen und nur wenige „Große“ in seine Gemeinschaft. Er bevorzugt das Schwache, Schlechte und Hässliche dieser Welt und nicht das Prachtvolle und Vollkommene und tritt mit dem Unbedeutenden in Beziehung.

Das bedeutet Nachfolge! Das heißt es, Jesus zu imitieren: Menschen einzuladen, ihnen nachgehen, sie rufen, um mit Ihnen Gemeinschaft zu haben, ihr Leid teilen, ihre Nöte als die eigenen Nöte annehmen und ihr Außenseiterdasein als das eigene am Randestehen wahrnehmen!


Fragen zum Nachdenken

Gibt es einen „Zacchäus“ in deinem Umfeld?

Was könnte deiner Meinung nach ein Besuch von dir bei ihm bewirken?

Was setzt du dabei aufs Spiel, wenn du dich mit diesem Menschen abgibst?

Welche Randgruppen würde Jesus wohl heute in seine Gemeinschaft rufen?

Profilbild von bettina

von bettina

Sind wir eine Bewegung? – *Sunday Sermon*

April 22, 2018 in Sunday Sermon von bettina

bewegung3_Christoph.WohlfahrtWir reden relativ viel davon, dass wir als Jesus Freaks „eine Bewegung“ sind. Ich habe mich gefragt, was das wohl bedeuten mag. Für mich ist klar: Die Jesus-Freaks-Bewegung ist eine Jünger*innen-Bewegung. Muss sie sein. Alles andere ergibt gar keinen Sinn.

Womit ist der Begriff „Jünger*in“ für dich gerade belegt? Was bedeutet das für dich? Wenn ich sage „Es bringt nichts, Jesus Freak sein zu wollen, aber nicht Jünger*in Jesu.“, fühlst du dich dann unter Druck gesetzt? Hast du religiöse Strukturen und Zwänge im Kopf? Wenn ich sage, dass wir Teil einer Jünger*innen-Bewegung sind, denkst du, das ist das, was Jesus auch will? Denkst du, das ist das Beste für dein Leben?

Unser Anknüpfungspunkt ist die Geschichte von Jesus mit den Jüngern. Und so wie die Jünger damals super unterschiedlich waren, sind wir es auch. Die Verbindung ist Jesus. Das wird auch ziemlich unterschiedlich mit Leben gefüllt. Aber solange es „Jesus Freaks“ sind, geht es um Jesus! Da das immer noch nicht besonders konkret ist, hier vier Gedanken zu „Bewegung & Jesus“ – was das konkret bedeuten kann in meinem oder deinem Leben.

 1. Von Jesus bewegt werden

Für viele von uns ist der Anfang des Weges als Jünger*in, dass wir von Jesus bewegt werden. In den allermeisten Fällen hat das auch was damit zu tun, ob wir das zulassen können oder wollen. Ich denke, sich von Jesus bewegen lassen bedeutet, sich der Gnade Gottes auszusetzen.

Sich der Gnade aussetzen bedeutet nicht die Wiederholung des Glaubenssatzes, dass „Jesus mich liebt“, sondern es bedeutet, mit der Gebrochenheit und Einsamkeit in mir, mit meiner Empfindung von Schuld und meiner Empfindung von Hass, mit meinen Gefühlen von Angst und Wut und Liebe und Verzweiflung und Verwirrtheit, mit meiner ganzen Lebensgeschichte und allem Scheitern und allem Unrecht vor Gott zu kommen.

Es bedeutet zu sehen, was in der Welt passiert und zu versuchen, zu etwas Gutem beizutragen und irgendwie doch an der Tragweite und Tiefe der Abgefucktheit zu verzweifeln und von allem überfordert zu sein und damit ins Gebet zu gehen.

2. Jesus folgen

Du kannst Jesus nicht vom Sofa aus folgen. #ilikejesus #sharethemessage Also wir sind Fans von Jesus? Wir glauben an ihn? Wir sind seine Freunde? Wir sind Jesus Freaks? Wir sind …  Christen?

Ich behaupte, dass das ganze Ding mit Jesus keinen wirklichen Sinn ergibt, wenn wir uns nicht auch als Jünger*innen von ihm begreifen! Wenn du sagst, du liebst Jesus, aber bist nicht bereit, von ihm zu lernen und ihm zuzuhören, dann verstehe ich das nicht. Welchen Jesus liebst du? Der Jesus, den ich kennengelernt habe, der bewegt mich und dann sagt er: „Komm!“ Dann fordert er mich heraus. Dann lässt er mich nicht dort, wo ich bin.

Es gibt kein Patentrezept, was aufrichtige Jüngerschaft inhaltlich bedeutet. Aber Jesus wirklich zu folgen benötigt auf jeden Fall zwei Dinge:

Erstens Gehörsam! Denn ich muss von Jesus lernen, wenn ich sein*e Jünger*in sein will. Und dazu muss ich zunächst bereit sein, dem Meister zuzuhören und ihm zuzutrauen, dass er Ahnung hat.

Zweitens, Mut! Denn ich muss loslassen, wenn ich sein*e Jünger*in sein will: Destruktive Verhaltensweisen, meinen Geist und meine Seele erstickenden Sorgen und manchmal auch meine gut gemeinten Pläne für mich und die Welt um mich herum. Solche Dinge loszulassen ist angsteinflößend, denn was habe ich dann noch? Mir fehlt Sicherheit. Und es ist lästig, denn was gibt mir jetzt Orientierung. Mir fehlt das Gewohnte. Wo geht es jetzt hin?

3. Von Jesus gesandt werden

Man könnte meinen, dass „Jesus folgen“ bedeutet, dass man nicht mehr denken muss. Aber so ist das nicht! Es gibt ja diese ganzen Predigten und Gleichnisse und so von Jesus, damit wir selbst lernen und verstehen und nicht nur auf Zeichen und Befehle warten! So wie Jesus seine Jünger während seiner Zeit auf der Erde immer mal losgesandt hat (vgl. Lukas 10), sendet er die Jünger als auferstandener Christus aus. Und so sendet er uns!

Es ist also irgendwie paradox und ein Geheimnis: Ich folge Jesus nach, der ja letztlich in meinem Herzen und „mitten unter uns“ ist. Und er sendet mich gleichzeitig in die Welt aus. Aussenden ist ein Bild dafür, dass Jesus mir Verantwortung zuspricht. Wir selbst müssen gehen! Sonst geht nix. Wir müssen auch nachdenken und Entscheidungen treffen.

Diese Welt verändert sich und da sind wir hingestellt – auf die Komplexität dieser Welt zu reagieren und nicht zu tun, als sei es nicht so, wie es ist und uns hinter Worten der Schrift zu verschanzen. Wir sind ausgesandt, in dieser Welt auszubreiten, was uns von Gott geschenkt wurde und was himmlisch in der Zukunft wartet und doch schon jetzt ganz nah dran ist.

bewegung2_Christoph.Wohlfahrt4. Mit Jesus tanzen

Und schließlich das Geheimnisvolle. Das, was sich nicht nur mit dem Kopf begreifen lässt. Gott will mit uns in Beziehung treten. Aber nicht nur per Gespräch. Gott will, dass wir ihn erleben. Und er will uns erleben.

Wenn wir uns wirklich auf Gott einlassen, dann kann eine Bewegung passieren, die nicht „nur“ Mittel zum Zweck ist. Sondern die an sich wunderschön und wertvoll ist. Wie Tanzen. Es ist kein Zufall, dass Anbetung so oft und stark mit Musik verbunden wird. Anzufangen, laut zu singen – da kommt etwas in dir in Schwingung. Und dann mit deinem Körper zu beten. Das macht mit dir noch etwas anderes. Denn du bist eben nicht nur deine Gedanken.

Die Heilige Ruach [der Heilige Geist] durchdringt mich. Jesus fordert mich zum Tanz auf. Und natürlich ist das dann weit mehr, ja etwas ganz anderes als nur etwas Körperliches. Es geht darum, dass diese Beziehung mit Jesus mehr ist als emotionale Berührtheit, mehr als Lernen und Loslassen und mehr als mutiges Losgehen. Weil Gott lebendig ist, können wir nicht alles durchplanen, sondern wir tun Schritte und wir merken, dass er Schritte tut und wir denken nicht mehr nur, wir tanzen auch mal einfach. Ist uns Christen Intuition erlaubt?

Eine verwurzelte Bewegung sein

„Sich bewegen“ geht vielleicht alleine, aber „Bewegung“ nicht! Alleine kann ich nicht viel erreichen. Und „alleine“ hat sich das Gott ja auch nicht für mich vorgestellt. Und damit komme ich wieder zurück zum Ausgangspunkt: Jesus Freaks als Bewegung. Hier ist etwas, was mich begeistert: Lasst uns eine verwurzelte Bewegung sein – hier, wo wir sind und in Jesus.

Also einerseits: „grassroots“ – unten verwurzelt sein. Wir dürfen das Bewusstsein bewahren, dass wirkliche Veränderung nicht „von oben“ kommt, am besten noch durch hierarchischen Zwang. Jesus weiß das. Die Bewegung muss aus der Verwurzelung nicht in den luftigen Höhen des Einflussreichtums sondern in der Erde des Alltags und der Mitmenschlichkeit Kraft und Inspiration ziehen.

Andererseits muss sie verwurzelt sein in Jesus, der Diener aller geworden ist, eingepfropft in Jesus den Weinstock. Daher kommt der Saft und die Power. Suchen wir das Leben in Jesus oder haben wir angefangen, es woanders zu suchen? Ohne die Verwurzelung in Jesus keine Frucht, kein Wachstum. Oder auch: Ohne die Verwurzelung in Jesus kein Leben mehr, keine Bewegung.

Können wir eine (!) Bewegung sein, die Himmelreich ausbreitet?

Fabian aus Leipzig

Dieser Text ist eine stark gekürzte Version seines Artikels in der Korrekten Bande Ausgabe 1/2018.