Ostern ist immer!

Mai 13, 2018 in Sunday Sermon von matzewilli

Auferstehung heißt mehr als das „Wiederlebendigwerden“ nach dem Strobert-nyman-442994-unsplasherben. Wir finden die Kraft der Auferstehung auch im Alltag. Lisa aus Münster setzt sich in ihrer inspirierenden Osterpredigt mit der Auferstehung Jesu als göttlichem Prinzip auseinander. Sie geht dabei auf den engen Zusammenhang zwischen Kreuz und Auferstehung ein.

So gibt es keine Auferstehung ohne das Kreuz. Auferstehung braucht einen Kontext. Es heißt immer: Auferstanden aus etwas anderem, aus der Tiefe. Unser Leben in der Nachfolge besteht in dem Spannungsfeld zwischen Trauer und Freude. Doch Jesu Verheißung lässt uns auf ein Ende in vollkommener Freude hoffen.                                                                                                                                                                                                                                                            Foto: Robert Nyman

Predigt zu Johannes 16, 19-24

Ein Arsch im Maulbeerfeigenbaum – *Sunday Sermon*

April 29, 2018 in Sunday Sermon von matzewilli

Am RandDer griechische Begriff für nachfolgen ist das Verb „akolouthein“. Dieser Begriff wurde nicht nur im Kontext des Neuen Testaments gebraucht, sondern hatte auch in der nicht-christlichen religiösen Umwelt eine Bedeutung. Dort wird das Nachfolgen oft als Nachahmung oder Imitation einer Gottheit verstanden, die zu Weisheit und Erkenntnis und oft zum persönlichen Heil führen sollte. Es ist interessant, dass die Autoren des Neuen Testaments eben diesen Begriff gewählt haben, um den Anhängern Jesu Orientierung für ihre Lebensgestaltung zu geben.  Die folgende Geschichte aus dem Leben Jesu gibt ein Beispiel dafür, wie wir ihn konkret nachahmen können.

Dann kam er nach Jericho und ging durch die Stadt. Dort wohnte ein Mann namens Zachäus; er war der oberste Zollpächter und war sehr reich. Er wollte gern sehen, wer dieser Jesus sei, doch die Menschenmenge versperrte ihm die Sicht; denn er war klein. Darum lief er voraus und stieg auf einen Maulbeerfeigenbaum, um Jesus zu sehen, der dort vorbeikommen musste.

Als Jesus an die Stelle kam, schaute er hinauf und sagte zu ihm: Zachäus, komm schnell herunter! Denn ich muss heute in deinem Haus zu Gast sein. Da stieg er schnell herunter und nahm Jesus freudig bei sich auf. Als die Leute das sahen, empörten sie sich und sagten: „Er ist bei einem Sünder eingekehrt.“

Zachäus aber wandte sich an den Herrn und sagte: „Herr, die Hälfte meines Vermögens will ich den Armen geben, und wenn ich von jemand zu viel gefordert habe, gebe ich ihm das Vierfache zurück.“
Da sagte Jesus zu ihm: „Heute ist diesem Haus das Heil geschenkt worden, weil auch dieser Mann ein Sohn Abrahams ist. Denn der Menschensohn ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist.“

Der Ruf des Heilands

Da haben wir nun Zacchäus, den kleinen Zöllner, der es recht offensichtlich mit seinem Job übertreibt. Ich stelle ihn mir als einen Mann mit relativ geringem gesellschaftlichen Ansehen vor und wenig Freunden und das höchst wahrscheinlich nicht ohne Grund. Wahrscheinlich war er ein geldgieriger kleiner Pfennigfuchser, mit dem nicht gut Kirschen essen war. Kurz gesagt: Er war wohl ‚n Arsch! Doch wie uns der Evangelist mitteilen möchte, bewegte diesen kleinen Mann irgendetwas dazu, Jesus sehen zu wollen.

Warum Zacchäus Jesus sehen wollte, bleibt für uns im Dunkeln. Spannend jedoch ist, dass es im Endeffekt gar nicht so wichtig ist, welches Motiv dahinter steckte, dass Zacchäus auf den Maulbeerfeigenbaum stieg, um Jesus zu sehen. Denn egal wie edel die Motivation auch gewesen sein mag, es war der Ruf Jesu, der den weiteren Verlauf in seinem Leben veränderte: „Zacchäus, komm schnell herunter. Denn ich muss heute in deinem Haus zu Gast sein!“ Aus der ganzen Menschenmenge wählte Jesus diesen kleinen am Rande stehenden Zöllner aus. Und dies war der Ruf des Christus, der Ruf des menschgewordenen Gottes, der zu einem Leben in Gemeinschaft einlädt.

Wir alle sind Zacchäus

Niemand von uns ist Christ geworden, weil er sich von seinen Sünden freigemacht hat. Wir alle haben den Vorschuss der Liebe Gottes genießen dürfen, die uns dann im Folgenden freigemacht hat.

„Denn Gott erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus, als wir noch Sünder waren, für uns gestorben ist.“ (Römer 5,6)

Darum sind wir alle in uns selbst Sünder wie auch Zacchäus. Aber derjenige, der dich ruft, interessiert sich nicht zuerst dafür, welchen Beruf du hast, wie viele Gaunereien und wie viel Mist du gebaut hast! Er interessiert sich nicht so sehr dafür, was andere eventuell von dir halten, was du anhast, wie du so drauf bist, oder ob du n‘ Arsch bist!

Derjenige, der hier ruft, interessiert sich vor allem für eins: Für Dich! Und zwar für dich, so wie du in seinen barmherzigen, verständnisvollen und gütigen Augen bist! Und derjenige, der hier ruft, strahlt Wärme und Licht aus, die dein Leben umfangen sollen und dich vom Rand wieder zurück in die Mitte des Lebens holen wollen. Derjenige, der hier ruft, ruft dich von deinem Maulbeerfeigenbaum, aus deinem Schneckenhaus heraus, damit du wieder am Leben teilnehmen kannst!

Wir alle sind Jesus

Zum Thema Nachfolge gehört aber nun auch die andere Seite. Wir sind dazu aufgerufen, Christus nachzueifern, es Jesus gleich zu tun, ihn zu imitieren. Viele missverstehen Nachfolge als ein striktes Halten von Geboten und Verboten, damit sie Gott gefallen und dann später im Himmel, je nachdem wie gut sie es geschafft haben, entsprechende Belohnungen erhalten. Das ist so eine Art Sparbuchglauben. Natürlich gibt es auch den Gedanken des Lohns der Nachfolger im Neuen Testament, aber was mich immer an diesem Sparbuchglauben stört ist, dass es dem Sparbuchinhaber vor allem um sich selbst zu gehen scheint. Im Handeln Jesu sehe ich aber eine andere Tendenz.

Jesus ist nicht so sehr an sich selbst interessiert, an einem Lohn im Himmel oder an seinem Ansehen in der Welt. Er ruft hauptsächlich die Randgestalten, die Kleinen und nur wenige „Große“ in seine Gemeinschaft. Er bevorzugt das Schwache, Schlechte und Hässliche dieser Welt und nicht das Prachtvolle und Vollkommene und tritt mit dem Unbedeutenden in Beziehung.

Das bedeutet Nachfolge! Das heißt es, Jesus zu imitieren: Menschen einzuladen, ihnen nachgehen, sie rufen, um mit Ihnen Gemeinschaft zu haben, ihr Leid teilen, ihre Nöte als die eigenen Nöte annehmen und ihr Außenseiterdasein als das eigene am Randestehen wahrnehmen!


Fragen zum Nachdenken

Gibt es einen „Zacchäus“ in deinem Umfeld?

Was könnte deiner Meinung nach ein Besuch von dir bei ihm bewirken?

Was setzt du dabei aufs Spiel, wenn du dich mit diesem Menschen abgibst?

Welche Randgruppen würde Jesus wohl heute in seine Gemeinschaft rufen?

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Sind wir eine Bewegung? – *Sunday Sermon*

April 22, 2018 in Sunday Sermon von bettina

bewegung3_Christoph.WohlfahrtWir reden relativ viel davon, dass wir als Jesus Freaks „eine Bewegung“ sind. Ich habe mich gefragt, was das wohl bedeuten mag. Für mich ist klar: Die Jesus-Freaks-Bewegung ist eine Jünger*innen-Bewegung. Muss sie sein. Alles andere ergibt gar keinen Sinn.

Womit ist der Begriff „Jünger*in“ für dich gerade belegt? Was bedeutet das für dich? Wenn ich sage „Es bringt nichts, Jesus Freak sein zu wollen, aber nicht Jünger*in Jesu.“, fühlst du dich dann unter Druck gesetzt? Hast du religiöse Strukturen und Zwänge im Kopf? Wenn ich sage, dass wir Teil einer Jünger*innen-Bewegung sind, denkst du, das ist das, was Jesus auch will? Denkst du, das ist das Beste für dein Leben?

Unser Anknüpfungspunkt ist die Geschichte von Jesus mit den Jüngern. Und so wie die Jünger damals super unterschiedlich waren, sind wir es auch. Die Verbindung ist Jesus. Das wird auch ziemlich unterschiedlich mit Leben gefüllt. Aber solange es „Jesus Freaks“ sind, geht es um Jesus! Da das immer noch nicht besonders konkret ist, hier vier Gedanken zu „Bewegung & Jesus“ – was das konkret bedeuten kann in meinem oder deinem Leben.

 1. Von Jesus bewegt werden

Für viele von uns ist der Anfang des Weges als Jünger*in, dass wir von Jesus bewegt werden. In den allermeisten Fällen hat das auch was damit zu tun, ob wir das zulassen können oder wollen. Ich denke, sich von Jesus bewegen lassen bedeutet, sich der Gnade Gottes auszusetzen.

Sich der Gnade aussetzen bedeutet nicht die Wiederholung des Glaubenssatzes, dass „Jesus mich liebt“, sondern es bedeutet, mit der Gebrochenheit und Einsamkeit in mir, mit meiner Empfindung von Schuld und meiner Empfindung von Hass, mit meinen Gefühlen von Angst und Wut und Liebe und Verzweiflung und Verwirrtheit, mit meiner ganzen Lebensgeschichte und allem Scheitern und allem Unrecht vor Gott zu kommen.

Es bedeutet zu sehen, was in der Welt passiert und zu versuchen, zu etwas Gutem beizutragen und irgendwie doch an der Tragweite und Tiefe der Abgefucktheit zu verzweifeln und von allem überfordert zu sein und damit ins Gebet zu gehen.

2. Jesus folgen

Du kannst Jesus nicht vom Sofa aus folgen. #ilikejesus #sharethemessage Also wir sind Fans von Jesus? Wir glauben an ihn? Wir sind seine Freunde? Wir sind Jesus Freaks? Wir sind …  Christen?

Ich behaupte, dass das ganze Ding mit Jesus keinen wirklichen Sinn ergibt, wenn wir uns nicht auch als Jünger*innen von ihm begreifen! Wenn du sagst, du liebst Jesus, aber bist nicht bereit, von ihm zu lernen und ihm zuzuhören, dann verstehe ich das nicht. Welchen Jesus liebst du? Der Jesus, den ich kennengelernt habe, der bewegt mich und dann sagt er: „Komm!“ Dann fordert er mich heraus. Dann lässt er mich nicht dort, wo ich bin.

Es gibt kein Patentrezept, was aufrichtige Jüngerschaft inhaltlich bedeutet. Aber Jesus wirklich zu folgen benötigt auf jeden Fall zwei Dinge:

Erstens Gehörsam! Denn ich muss von Jesus lernen, wenn ich sein*e Jünger*in sein will. Und dazu muss ich zunächst bereit sein, dem Meister zuzuhören und ihm zuzutrauen, dass er Ahnung hat.

Zweitens, Mut! Denn ich muss loslassen, wenn ich sein*e Jünger*in sein will: Destruktive Verhaltensweisen, meinen Geist und meine Seele erstickenden Sorgen und manchmal auch meine gut gemeinten Pläne für mich und die Welt um mich herum. Solche Dinge loszulassen ist angsteinflößend, denn was habe ich dann noch? Mir fehlt Sicherheit. Und es ist lästig, denn was gibt mir jetzt Orientierung. Mir fehlt das Gewohnte. Wo geht es jetzt hin?

3. Von Jesus gesandt werden

Man könnte meinen, dass „Jesus folgen“ bedeutet, dass man nicht mehr denken muss. Aber so ist das nicht! Es gibt ja diese ganzen Predigten und Gleichnisse und so von Jesus, damit wir selbst lernen und verstehen und nicht nur auf Zeichen und Befehle warten! So wie Jesus seine Jünger während seiner Zeit auf der Erde immer mal losgesandt hat (vgl. Lukas 10), sendet er die Jünger als auferstandener Christus aus. Und so sendet er uns!

Es ist also irgendwie paradox und ein Geheimnis: Ich folge Jesus nach, der ja letztlich in meinem Herzen und „mitten unter uns“ ist. Und er sendet mich gleichzeitig in die Welt aus. Aussenden ist ein Bild dafür, dass Jesus mir Verantwortung zuspricht. Wir selbst müssen gehen! Sonst geht nix. Wir müssen auch nachdenken und Entscheidungen treffen.

Diese Welt verändert sich und da sind wir hingestellt – auf die Komplexität dieser Welt zu reagieren und nicht zu tun, als sei es nicht so, wie es ist und uns hinter Worten der Schrift zu verschanzen. Wir sind ausgesandt, in dieser Welt auszubreiten, was uns von Gott geschenkt wurde und was himmlisch in der Zukunft wartet und doch schon jetzt ganz nah dran ist.

bewegung2_Christoph.Wohlfahrt4. Mit Jesus tanzen

Und schließlich das Geheimnisvolle. Das, was sich nicht nur mit dem Kopf begreifen lässt. Gott will mit uns in Beziehung treten. Aber nicht nur per Gespräch. Gott will, dass wir ihn erleben. Und er will uns erleben.

Wenn wir uns wirklich auf Gott einlassen, dann kann eine Bewegung passieren, die nicht „nur“ Mittel zum Zweck ist. Sondern die an sich wunderschön und wertvoll ist. Wie Tanzen. Es ist kein Zufall, dass Anbetung so oft und stark mit Musik verbunden wird. Anzufangen, laut zu singen – da kommt etwas in dir in Schwingung. Und dann mit deinem Körper zu beten. Das macht mit dir noch etwas anderes. Denn du bist eben nicht nur deine Gedanken.

Die Heilige Ruach [der Heilige Geist] durchdringt mich. Jesus fordert mich zum Tanz auf. Und natürlich ist das dann weit mehr, ja etwas ganz anderes als nur etwas Körperliches. Es geht darum, dass diese Beziehung mit Jesus mehr ist als emotionale Berührtheit, mehr als Lernen und Loslassen und mehr als mutiges Losgehen. Weil Gott lebendig ist, können wir nicht alles durchplanen, sondern wir tun Schritte und wir merken, dass er Schritte tut und wir denken nicht mehr nur, wir tanzen auch mal einfach. Ist uns Christen Intuition erlaubt?

Eine verwurzelte Bewegung sein

„Sich bewegen“ geht vielleicht alleine, aber „Bewegung“ nicht! Alleine kann ich nicht viel erreichen. Und „alleine“ hat sich das Gott ja auch nicht für mich vorgestellt. Und damit komme ich wieder zurück zum Ausgangspunkt: Jesus Freaks als Bewegung. Hier ist etwas, was mich begeistert: Lasst uns eine verwurzelte Bewegung sein – hier, wo wir sind und in Jesus.

Also einerseits: „grassroots“ – unten verwurzelt sein. Wir dürfen das Bewusstsein bewahren, dass wirkliche Veränderung nicht „von oben“ kommt, am besten noch durch hierarchischen Zwang. Jesus weiß das. Die Bewegung muss aus der Verwurzelung nicht in den luftigen Höhen des Einflussreichtums sondern in der Erde des Alltags und der Mitmenschlichkeit Kraft und Inspiration ziehen.

Andererseits muss sie verwurzelt sein in Jesus, der Diener aller geworden ist, eingepfropft in Jesus den Weinstock. Daher kommt der Saft und die Power. Suchen wir das Leben in Jesus oder haben wir angefangen, es woanders zu suchen? Ohne die Verwurzelung in Jesus keine Frucht, kein Wachstum. Oder auch: Ohne die Verwurzelung in Jesus kein Leben mehr, keine Bewegung.

Können wir eine (!) Bewegung sein, die Himmelreich ausbreitet?

Fabian aus Leipzig

Dieser Text ist eine stark gekürzte Version seines Artikels in der Korrekten Bande Ausgabe 1/2018.

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Stellung beziehen – *Sunday Sermon*

April 15, 2018 in Allgemein von bettina

langhaarJedes Jahr sucht sich Tine einen Bibelleseplan aus, der sie einmal durch die Bibel bringen wird. Bei einigen Büchern ist sie einfach froh, wenn sie sie einigermaßen unbeschadet übersteht. Doch auch darin entdeckt sie Stellen, die sie zum Nachdenken bringen. Lies selbst …

Das Buch Richter: 21 Kapitel geistlichen Verfalls, Mord und Lügen. Dagegen ist ein Skandinavienkrimi seichte Kost. Selbst die Helden dieser Bücher haben meist einen schalen Beigeschmack. Einer dieser Helden ist Simson. Seine Geburt wurde durch einen Engel angekündigt, er war von Mutterleib an geheiligt und stand unter Gottes Schutz und Führung. Eigentlich perfekte Voraussetzungen, oder?

Bekannt ist er vor allem aufgrund seiner unermesslichen Kraft. Die bekam er durch Segnung, weil er seine Haare, auf Gottes Befehl hin, niemals schneiden ließ. Simson hatte jedoch einen Schwachpunkt: er hatte einen wirklich miesen Frauengeschmack. Und Simsons Leidenschaft für die jeweilige Frau schlug schnell in Zorn um, wenn es nicht so lief, wie er sich das dachte (was es eigentlich nie tat). Da brannten dann schon mal Füchse und Felder.

Zum wirklichen Verhängnis wurde ihm dann aber eine Frau: Delila. Sie versuchte, angestiftet durch die Männer ihres Volkes, hinter das Geheimnis von Simsons Kraft zu kommen. Und immer wenn sie meinte es herausbekommen zu haben, legte sie Simson rein und wollte ihm seine Segnung nehmen. Und Simson? Der blieb bei ihr.

Immer wieder bedrängte Delila ihn, weinte und manipulierte. Und letzten Endes knickte Simson ein und verriet ihr schließlich sein Geheimnis. Sie schnitt ihm noch in der gleichen Nacht die Haare ab. Er verlor seine Segnung und seine Kraft, wurde gefangen genommen, geblendet und von da an als menschlicher Tanzbär vor dem fremden Volk gedemütigt. (Du kannst hier, in Richter 13 bis 16, die komplette Geschichte lesen.)

Jedes Mal wenn ich diese Geschichte lese, frage ich mich: warum? Wie kann man nur so dumm sein? Warum blieb er bei ihr? Warum hat er ihr nicht beim ersten Mal gesagt: „Mädchen, so nicht. Ich habe einen Gott, ich habe eine Segnung. Und wenn du mir die wegnehmen willst und Intrigen gegen meinen Gott und mich spinnst, dann hast du in meinem Leben nichts verloren.“ Warum zum Henker war er so naiv und leichtsinnig bei ihr zu bleiben und die Augen zu verschließen?

Und dann sehe ich mein eigenes Leben an. Und muss mit Schrecken erkennen, dass auch ich Delilas in meinem Leben habe. Situationen und Menschen, von denen ich weiß, dass sie mir nicht gut tun. Dass sie sich um Gott nicht kümmern und es nur zu gerne sehen würden, wenn auch ich das nicht mehr tue. Und dennoch hänge ich an ihnen, bin mit ihnen aufgewachsen und scheue mich eine klare Position zu beziehen. Also mache ich weiter und hoffe, dass schon nichts passiert.

Die Geschichte von Simson zeigt mir wie wichtig es ist klar zu sein; im eigenen Leben Stellung zu beziehen und sich nicht in Graubereichen herum zu drücken (wie viel Nicht-Okay ist noch okay, bevor‘s gefährlich wird); den Fokus auf Gott zu haben; und mich mal in Ruhe hinzusetzen und zu überlegen, welche Konsequenzen mein Handeln hat. Und zwar bevor ich die Konsequenzen zu tragen habe.

Eines ist allerdings schön an der Geschichte; ein Juwel, versteckt in einem kleinen Anhängsel-Satz.

„Aber das Haar seines Hauptes begann wieder zu wachsen, nachdem es geschoren worden war.“ (Richter 16, 22.)

Gott ist immer noch größer. Selbst im größten Chaos, im größten Versagen und Verrat kommt er an sein Ziel. Und er verlässt uns nicht, niemals. Simson nicht und mich auch nicht. Egal was passiert.

———————————

Hier ein paar Fragen, um weiter zu denken und selbst aktiv zu werden.

  • Versuche dich in Simson hinein zu fühlen. Wie vernarrt muss er in Delila gewesen sein, damit er bei ihr blieb?
  • Gibt es Situationen, Personen, innere Stimmen oder Gewohnheiten von denen du weißt, dass sie dir und deiner Beziehung zu Gott nicht gut tun? Was hält dich in dieser Situation?
  • Besprich es mit Jesus, wenn dir etwas bewusst geworden ist. Bitte ihn um Hilfe, wenn du aus einer Situation ausbrechen möchtest.
  • Manchmal ist es auch hilfreich einen Menschen dazu zu holen, dem man vertraut und mit ihm gemeinsam die nächsten Schritte zu überlegen, die man gehen möchte.

Ein Blogbeitrag von Tine vom Mai 2017: www.nurheute.net
Vielen Dank für die Genehmigung zum Publizieren.

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Relativ fromm in wüsten Zeiten – *Sunday Sermon*

April 8, 2018 in Allgemein von bettina

wueste_Hembo.PagiIn seiner Predigt vom 28.01.2018 legt Pastor Dr. Heinrich Christian Rust, Freund und Mentor unserer Bewegung, dar, wie auch in schwierigen Zeiten ein Leben in der Kraft Gottes wieder neue Dynamik bekommen kann. Er leitet anhand von drei Wesenszügen unserer Beziehung mit Gott ganz praktisch dazu an, sich neu auszurichten auf das, was mehr und mehr zur Mitte unseres Lebens werden soll. Geistliches Leben für Nachfolger Christi gründet immer wieder neu im Loslassen, Loben und Empfangen.

Die Predigt hat interaktive Elemente und bietet sich daher auch für gemeinsames Schauen in Kleingruppen an.

Predigttext aus Psalm 63, 1 bis 9

Ein Psalm. Von David. Als er in der Wüste Juda war.
Gott, mein Gott bist du; nach dir suche ich. Es dürstet nach dir meine Seele, nach dir schmachtet mein Fleisch in einem dürren und erschöpften Land ohne Wasser.
So schaue ich im Heiligtum nach dir, um deine Macht und deine Herrlichkeit zu sehen.
Denn deine Gnade ist besser als Leben; meine Lippen werden dich rühmen.
So werde ich dich preisen während meines Lebens, meine Hände in deinem Namen aufheben.
Wie von Mark und Fett wird meine Seele gesättigt werden, und mit jubelnden Lippen wird mein Mund loben, wenn ich deiner gedenke auf meinem Lager, über dich nachdenke in den Nachtwachen.
Denn du bist mir zur Hilfe geworden, und im Schatten deiner Flügel kann ich jubeln.
Meine Seele hängt an dir, deine Rechte hält mich aufrecht.

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Warum feiern wir Ostern? – *Sunday Sermon*

April 1, 2018 in Allgemein von bettina

osterhaseViele Menschen wissen nicht mehr, warum wir Ostern feiern. Einige denken an ein germanisches Fest, andere haben nur Schokohasen, Eier und Küken vor Augen.

Ein besonderer Mensch hat in seiner Predigt darüber gesprochen, warum die Osterbotschaft von Jesu Tod und Auferstehung so wichtig ist und warum die Unterschiede in Evangelien diese Wahrheit bezeugen.

Danke Storch für deine Worte. Wir vergessen dich nicht.

Link zur Predigt von Storch gehalten zu Ostern 2013 in Remscheid: https://jesusfreaks.de/medien/predigten/?sermon_id=154

Quiz

Zum Miträtseln. Die Auflösung gibt es in der Predigt.

Was feiern wir an Ostern?
a) Wintersonnenwende
b) Tod Jesu
c) Auferstehung Jesu

Wer trug das Kreuz?
a) Simon von Kyrene
b) Josef von Arimathia
c) Jesus selbst

Was waren Jesu letzte Worte?
a) Vater in deine Hände gebe ich meinen Geist.
b) Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen.
c) Es ist vollbracht.

Welche Frauen waren am Grab?
a)  Maria Magdalena
b) Maria Magdalena und andere
c) Marilyn Manson

Wie viel Engel waren am Grab?
a) ein Engel
b) zwei Engel
c) eine ganze Legion Engel

Wo erschien der Auferstandene zuerst?
a) Emmaus und Galiläa
b) Jerusalem
c) USA

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Grenzen überschreiten – *Sunday Sermon*

März 25, 2018 in Allgemein von bettina

mann-bartDenise erzählt am Beispiel eines Propheten, warum Nachfolge uns Grenzen überschreiten lässt.

Boten Gottes

Wenn die Bibel von „Prophet/innen“ spricht, dann meint sie genau das: Leute, die von Gott eine Botschaft für einen bestimmten Menschen oder eine mehr oder weniger große Gruppe von Menschen erhalten haben und diese überbringen sollen.

Manchmal trägt Gott seinen Prophet/innen dabei mit auf, seine Botschaft auf eine ganz bestimmte Art und Weise rüberzubringen, sozusagen als Teil davon. Immer aber sollte er auch das Timing und den Ort der Botschaftsweitergabe bestimmen.

Geht man auf Entdeckungsreise in der Bibel, zeigt sich Gottes Kreativität und Vielfalt, um seine Kinder zu erreichen. Es gibt vor allem im Alten Testament teilweise ziemlich schräge Dinge, mit denen unser himmlischer Papa seine Boten beauftragt hatte. Mehrere Monate nackt durch eine große Stadt zu laufen, war da noch das Harmloseste.

Doch auch wenn es nur Worte waren, die Prophet/innen weitergeben sollten, bestand darin oft schon eine Riesenherausforderung, weil die Leute es einfach nicht hören wollten. Gott nachzufolgen bedeutete für die Prophet/innen, ihm zu gehorchen (tut es übrigens auch heute noch und das gilt nicht nur für Prophet/innen).

Manchmal musste Gott auch ungewöhnliche Wege gehen, dass Menschen bereit waren, ihm und seinem Auftrag zu folgen. Einer der ungewöhnlichsten, wenn nicht sogar DER ungewöhnlichste Weg ist der von Jona.

Ein ungewollt klare Ansage

„Und das Wort des HERRN erging an Jona …: Mache dich auf, geh nach Ninive, in die große Stadt, und verkündige gegen sie, denn ihre Bosheit ist vor mein Angesicht heraufgekommen! Da machte sich Jona auf, um von dem Angesicht des HERRN weg nach Tarsis zu fliehen …“ (Jona 1, 1-3).

Mache dich auf – da machte sich Jona auf. Soweit klappte das mit dem Gott-Nachfolgen noch. Doch dann macht Jona genau das Gegenteil von dem, was Gott ihm aufgetragen hatte: statt nach Ninive zu gehen, flieht er in die Gegenrichtung, wollte sogar absichtlich weg aus Gottes Gegenwart! Was führte ihn zu dieser heftigen Reaktion?

Der Schlüssel liegt darin, was Ninive war. Ninive war die Hauptstadt Assyriens, berüchtigt für ihre Grausamkeiten und zu dieser Zeit möglicherweise die größte Stadt der Antike, für deren Durchquerung man 3 Tage brauchte. Entscheidend aber: sie war eine nichtjüdische Stadt, Jona aber ein israelitischer Prophet. Da stieg Jona aus, vielleicht aufgrund der politischen Spannungen oder weil er sich wie viele Juden dieser Zeit geistlich und moralisch den Assyrern gegenüber überlegen fühlte und nichts mit ihnen zu tun haben wollte.

Die falsche Entscheidung führt auf den richtigen Weg

wal_swDie Geschichte nimmt ihren Lauf: Jona besorgt sich einen Platz auf einem Schiff Richtung Tarsis, Gott schickt einen so heftigen Sturm, dass selbst die erfahrenen Seeleute an Bord Todesangst bekommen, ihre Götter anrufen und alles unternehmen, um das Boot vorm Untergehen zu bewahren. Als das nichts hilft, fordern sie auch Jona auf, zu seinem Gott zu beten und suchen nach dem Schuldigen für die Katastrophe.

Interessant, dass ihnen in dem Moment schon klar war, dass hier etwas Übernatürliches am Laufen war. Per Los, ein übliches Verfahren dieser Zeit, um den Willen Gottes/der Götter in Erfahrung zu bringen, zeigt sich, dass Jona schuld ist, woraufhin er mit der Sprache rausrückt, alles erzählt und die übrige Schiffsbesatzung bittet, ihn über Bord zu werfen.

Erst weigern sie sich vehement, aber als sie es dann doch tun, hört der Sturm auf. Aufgrund dieser Ereignisse und den Erzählungen Jonas über seinen Gott, „bekamen die Männer große Ehrfurcht vor dem Herrn“ (Jona 1, 16), sie kehrten zu Gott um. Jona wird zum ersten Mal Evangelist wider Willen.

Was folgt, ist Gottes Rettung des widerspenstigen Propheten vor dem Ertrinken, indem er ihn von einem Fisch fressen lässt und Jona in dessen Innerem überlebt. Nach 3 Tagen erkennt Jona das auch und entscheidet sich, Gott wieder nachzufolgen. Auf Gottes Geheiß hin spuckt der Fisch Jona wieder aus, direkt an Land (Gott ist gnädig!).

Gott wiederholt seinen Auftrag an Jona. Der befolgt ihn diesmal und die ganze Stadt kommt zum Glauben an Gott, bekehrt sich aufgrund seiner Bußpredigt und vermutlich auch der Wunder, die ihm auf seinem Weg nach Ninive „zugestoßen“ waren und von denen sie vermutlich gehört, ihnen Jona vielleicht sogar selbst erzählt hatte.

„Vom Kleinsten bis zum Größten“ fasteten sie, den König eingeschlossen, und ließen die Sachen bleiben, die Gott missfielen. Sie kehrten um, änderten ihr Leben und Gott verschonte sie. WOW! Eine ganze Stadt auf einmal! (Historiker glauben, dass Ninive zu der Zeit eine Gesamtbevölkerung von 600.000 Menschen hatte.)

Auftrag ausgeführt und dennoch enttäuscht

Und Jona? Der war extrem enttäuscht und wütend, als das angedrohte Gericht Gottes ausbleibt, will sogar sterben. Gottes Reaktion darauf: er erteilt Jona noch eine Lektion mit einer Wildpflanze, führt Jona damit seine Gleichgültigkeit den Nichtjuden gegenüber vor Augen und erinnert ihn an sein Wesen: „ein gnädiger und barmherziger Gott, langmütig und von großer Gnade“ (Jona 4,2).

Gott beendet seine Diskussion mit dem stinksauren Jona, indem er ihn erinnert, dass ER alle Menschen geschaffen hat und liebt, sich „um sie bemüht und großgezogen hat“ (in Anlehnung an Jona 4, 10). Damit endet auch das Buch Jona. Es bleibt also offen, ob Gottes Liebe Jonas Herz letztendlich vielleicht doch noch erweicht hat, er vielleicht sogar geblieben ist, um die Menschen in Ninive weiter in „Nachfolge“ zu unterrichten.

Fakt ist: Im Alten Testament ist Jona der einzige Prophet, den Gott nicht zu seinem Volk schickt, sondern direkt in persona „zu den Heiden“, ein Fremder in einem fremden Volk. Gott lässt Jona Grenzen überwinden, sowohl politisch/gesellschaftlich wie auch geistlich, auch wenn dieser davon weder begeistert noch sehr willig dazu ist. Gottes Liebe siegt, auch wenn sie selbst seinem Boten über weite Teile zu fehlen scheint. Menschliche Unfähigkeit hat bei Gott nie das letzte Wort.

Botschafter*innen der Liebe

Und wir? Gott hat seine Liebe in unsere Herzen ausgegossen (Römer 5,5), er selbst lebt durch seinen Geist in uns. Sein Herz ist es, dass Menschen zurück zu ihm finden. Und Gott ist mächtig, Mauern einzureißen und Grenzen zu überwinden. Die Frage ist nur:

Folgen wir ihm auf diesem Weg und darf seine Liebe für die von ihm Getrennten auch unser Herz berühren?

Ärgern wir uns nicht über eine berechtigte und dann doch ausbleibende Zurechtweisung Gottes, sondern stimmen wir ein in die Freude des Himmels über ein paar hunderttausende Umkehrer?

Sind wir bereit, Botschafter*innen seiner Liebe zu sein, in welcher Form uns Gott das auch immer auftragen mag, auch und gerade gegenüber denen, die ihn (noch) nicht kennen?

Denise

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Mach dich nackig – Sunday Sermon

März 18, 2018 in Allgemein von bettina

Ein Text zur Selbstbefragung oder als Kleingruppenarbeit von Matze Wilhelm

fernrohr_teddy-kelley_unsplashDie Sache mit der Wahrheit

„Da sprach nun Jesus zu den Juden, die an ihn glaubten: So ihr bleiben werdet an meiner Rede, so seid ihr meine rechten Jünger und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.“ Johannes 8, 31-32

Eine gefährliche Idee

„Naja, es kommt darauf an, was man mit Wahrheit meint.“ Diese Antwort gab mir ein Schüler während einer Deutschstunde auf die Frage, ob man immer die Wahrheit sagen müsse. Wir beschäftigten uns im Rahmen einer Unterrichtsreihe mit dem Schwerpunkt „Überzeugend Argumentieren“ mit der Idee, eine Woche lang nur die Wahrheit zu sagen und dabei keine Rücksicht auf die Konsequenzen zu nehmen.

Die Schüler merkten sehr schnell, dass diese Idee ein großes Potenzial in sich birgt, Konflikte heraufzubeschwören, die einige Beziehungen gewiss belasten oder gar zerstören könnten. „Zumindest, wenn man Wahrheit so versteht, dass man einfach alles sagt, was einem gerade so durch den Kopf geht.“ ergänzte derselbe Schüler und hatte damit, wie ich glaube, absolut recht.

Es ist offensichtlich, dass wir bei diesem Begriff alle sowohl recht unterschiedliche Definitionen zugrundelegen, als auch eine gemeinsame Schnittmenge in unserem Verständnis von „Wahrheit“ entdecken, wenn wir darüber ins Gespräch kommen. Und wenn „Wahrheit“ etwas ist, das die Bibel mit Jesus selbst identifiziert, dann lohnt sich ein genauerer Blick darauf. Wenn die Wahrheit das ist, von dem uns Jesus selbst sagt, dass sich uns freimacht, dann gebührt es sich, dem nachzugehen.

Zaghaftes Seelenstriptease

Warum wir nicht immer das aussprechen, was wir denken, hängt mit unserem Gespür dafür zusammen, dass die Beziehungen, in denen wir leben, sehr zerbrechlich sein können. Wir offenbaren unser Inneres daher nur nach sorgfältiger Abwägung der jeweiligen Situation, indem wir die Belastbarkeit unseres Gegenübers Stück um Stück ertasten und prüfen. Sobald sich eine Beziehung als zunehmend belastbar erweist, trauen wir uns, unser Innerstes mehr und mehr zu enthüllen.

Jede Form von Kommunikation, die sich am Ideal eines „wahrhaftigen“ Miteinanders orientiert, kann man daher mit einem sich Entkleiden oder Entblößen vergleichen. Ich gebe zunehmend meinen Schutz auf, damit ich mich dem anderen so wie ich bin zeigen kann. Das Misstrauen gegenüber der Reaktion des anderen lässt uns dabei äußerst zaghaft vorgehen.

Der Mensch soll „nackt“ sein

Wie mir scheint, ist das sich Entblößen eine der tiefsten Sehnsüchte, die wir als menschliche Wesen in uns tragen. Wir wollen uns mit all unseren Mängeln und Schwächen auftun, so dass wir nichts mehr zu verbergen haben und mit erhobenem Haupt aufrecht oder besser aufrichtig durchs Leben gehen können.

Die Paradiesgeschichte kann uns dabei helfen zu verstehen, wie Gott den Menschen ursprünglich gemeint hat und was es bedeutet, wenn wir aus dem Vertrauen zu Gott fallen. Die ersten Menschen leben komplett nackt im Garten Eden und erleben dabei die Wahrheit der Güte Gottes in einer Unmittelbarkeit, die erst durch das Misstrauen zerbricht. Der Gedanke daran, dass ihnen etwas Wesentliches vorenthalten würde schickt sie letztlich in die soziale Isolation. Sie wollen sich verbergen vor dem, der selbst die Wahrheit ist, da sie eben dieser Wahrheit nun misstrauen und legen somit ihren ursprünglich freien Lebenswandel ab.

Misstrauen schafft Heimlichkeiten. Alle Heimlichkeit begrenzt unsere Freiheit. Und Freiheit bedeutet nichts anderes als Vollmacht. Nämlich die Vollmacht, das Leben, wie Gott es uns in all seiner Fülle zugedacht hat, ganz in Besitz zu nehmen. Darum ist ein Mangel an Vertrauen auf Gottes Wahrheit in unserem Leben zugleich auch ein Mangel an Leben selbst.

Ein unbedingter Wert in der Nachfolge

Ein anderer Begriff, den wir häufiger benutzen als „Wahrheit“ ist „Ehrlichkeit“. Hier schwingt noch das Wort „Ehre“ mit, das wir zumindest in unserer Gesellschaft eher marginal antreffen und uns schlichtweg ein Fremdwort geworden ist. „Ehre“ ist ein symbolum flexibile, d.h., dass die Ehre, verstanden als Ansehen und Würde einer Person, an den jeweiligen kulturell unterschiedlichen Wertvorstellungen bemessen wird. So stellt die „Ehre“ eigentlich keinen eigenen Wert dar, sondern bezieht ihre Macht aus einem gesellschaftlich anerkannten Wertekodex heraus.

Was bei uns wohl tatsächlich noch mit Ehre zu tun zu haben scheint, ist der Wert der Wahrheit. Eine ehrliche Person ist diejenige, die sich in all ihren Worten, Taten und Gedanken auf diesen Wert ausrichtet. Dieser Person sprechen wir indirekt „Ehre“ zu. Ist jemand unehrlich, so sinkt auch sein Ansehen und unter Umständen auch seine Würde in unseren Augen.

Ehrlichkeit ist ein unbedingter Wert der Nachfolge. So mahnt Paulus beispielsweise die Philipper:

„Weiter liebe Brüder und Schwestern: Was wahrhaftig ist, was ehrbar, was gerecht, was rein, was liebenswert, was einen guten Ruf hat, sei es eine Tugend, sei es ein Lob – darauf seid bedacht!“ Philipper 4,8

Und er gibt den Ephesern einen entscheidenden Hinweis darauf, was ein gottgefälliges Leben in der Wahrheit von einem willkürlichen Herausplappern von allem, was einem gerade durch den Kopf geht, unterscheidet:

„Lasst uns aber wahrhaftig sein in der Liebe und wachsen in allen Stücken zu dem hin, der das Haupt ist, Christus.“ Epheser 4, 15.

Die Wahrheit kann nur in Liebe meinen Nächsten erreichen. Die Liebe ist daher eine Art Filter für unsere Beweggründe hinter unseren Gedanken, Worten und Taten. Sind diese drei nicht von der Liebe bestimmt, so werden sie zur Lüge, egal ob irgendetwas den „Tatsachen“ entspricht oder nicht.

Mut zur Demut

Auch wenn niemand von uns eine unehrliche Person sein will, so denke ich, dass wir dennoch immer wieder in Unehrlichkeiten hineinfallen und uns darin verstricken. Es fängt meistens relativ harmlos an, z.B. dadurch, dass wir auf der Arbeit vorgeben, alles im Griff zu haben, selbst wenn wir kurz davor stehen, den Überblick völlig zu verlieren. Oder wenn wir einfach mal Zeit für uns haben wollen und dann vorgeben, dass wir noch so viel zu tun hätten und deswegen ein Treffen mit einem Bekannten absagen oder der Familie vorgaukeln, wir müssten noch wichtige Arbeiten erledigen. Wir sind zu spät zu einer Verabredung gekommen und schieben die Schuld auf den Verkehr, obwohl es eigentlich daran lag, dass wir 10 Minuten zu spät losgefahren sind.

Es gibt so viele Alltagssituationen, in denen wir schnell dazu neigen, den Schein aufrecht zu erhalten, damit niemand bemerkt, dass wir sind, wie wir nun einmal sind: nicht immer zuverlässig, oft launisch und träge, erschöpft, ausgelaugt und griesgrämig … Aber ist das denn wirklich ein so großes Problem? Wenn Gott für uns ist, wer kann gegen uns sein? Natürlich sollen wir an uns arbeiten und unseren Charakter vom Heiligen Geist formen lassen. Wir sind synergoi, d.h. Mitarbeiter des Heiligen Geistes bei der Umgestaltung unseres Wesens hin zum Bild Christi. Aber das heißt doch gerade, dass wir nicht vorgeben sollen jemand zu sein, der wir eigentlich noch gar nicht sind.

Ist es so schlimm zuzugeben, wenn wir lieber entspannen wollen als uns mit jemandem zu treffen? Ist es wirklich so schlimm, wenn wir mal zu spät kommen oder mal eine Auszeit von der Familie haben möchten? Müssen wir immer der Vorreiter auf unserer Arbeit sein, der Checker, der Held? Oder ist es nicht heilsamer an der Wahrheit zu kleben, um dann auf Barmherzigkeit hoffen zu dürfen? Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen erbarmt er sich.

„Wer auf Gottes Erbarmen hoffen darf, der erlangt Mut zur Ehrlichkeit.“
1. Petrus 5, 5

Mute dich zu

Wir sind nicht – wie es etwa Kleinkinder noch oft sind – voller Vertrauen gegenüber unseren Mitmenschen, sondern wagen es nur sehr zaghaft, uns den anderen zuzumuten. Ob nun aufgrund schlechter Erfahrungen und vergangener Verletzungen, aus Leistungsdruck oder aus Scham und Selbsthass. Der einzige Weg aus der Unehrlichkeit ist auf die Wahrheit zu vertrauen, dass du von Gott so sehr geliebt und angenommen bist, dass du dich nicht davor fürchten musst, dich mit all deinen Fehlern zu zeigen.

Nun geht man natürlich nicht einfach los und offenbart sein Innerstes einem Wildfremden. Aber wir haben als Christen das große Privileg, Geschwister im Glauben an dieselbe Wahrheit zu haben. Es muss so sein – oder werden – , dass wir untereinander ein so festes und unerschütterliches Vertrauen aufbauen, in welchem wir unsere tiefe Sehnsucht nach Offenheit und Ehrlichkeit stillen und als freie und geliebte Kinder Gottes ein Leben in aller Fülle führen können.

Wie wäre es, wenn wir uns vielleicht wirklich einmal vornehmen, eine Woche lang auf Unehrlichkeiten zu verzichten? Man muss sich ja nicht gleich ganz „nackig“ machen, aber warum nicht einfach mal ausprobieren, was passiert, wenn ich meine Schwächen, meine Fehler und andere Unvollkommenheiten meinen Mitmenschen ehrlich zumute?


 Fragen für Kleingruppengespräche

In welchen Situationen neigst du dazu, eine kleine Unehrlichkeit zuzulassen?
Wie wirkt sich das auf dein Lebensgefühl aus?
Was könnte sich ändern, wenn du auf diese Unehrlichkeiten verzichtest?
Vertraust du darauf, dass Jesus für deine Sünde bezahlt hat?

Fragen für dich allein

Vertraust du deinen Geschwistern im Glauben?
Gibt es Heimlichkeiten in deinem Leben, die dich sehr belasten?
Könntest du dir vorstellen, einem Bruder oder einer Schwester deine Heimlichkeiten zu enthüllen?
Wenn ja, was hält dich davon ab?

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von bettina

*Sunday Sermon*: Leben im Hier und Jetzt

März 11, 2018 in Allgemein von bettina

mittli_VisionsWE_BenGMit der heutigen Predigt wird der Faden vom letztem Sonntag aufgenommen. „Hab keine Angst“ ist ein zentraler Punkt in Mittlis Predigt. Die Chemnitzerin ging auf dem Visionstreffen der Frage nach:

Wo lebst du? Im Gestern, im Heute oder im Morgen.

Link zur Predigt: https://jesusfreaks.de/medien/predigten/?sermon_id=153

Und Lobpreis zur Einstimmung „Ewiger Gott“ (Stein, Schere, Papier) und „Genau dieser Moment“ (gemeindefreizeit)

Fragen zur Vertiefung

Welche Verheißung möchtest du in nächster Zeit klarer wahrnehmen? (Hier die Liste mit Verheißungen)

Wann hast du das letzte Mal einen Moment bewusst wahrgenommen? Wie war das?

Was hilft dir im Hier und Jetzt zu sein?

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*Sunday Sermon*: Hab keine Angst

März 4, 2018 in Allgemein von bettina

elefantVor einer Woche war das Visionstreffen. Wieder kamen Jesus Freaks aus ganz Deutschland zusammen, wieder gab es Lobpreis, Impulse und Predigten … Für mich persönlich war es dennoch völlig anders. Ein Geist der Versöhnung und des Miteinanders herrschte. Vielen Dank an alle, die daran mitgewirkt haben, indem sie das Treffen vorbereitet, gefastet und gebetet, Eindrückte geteilt, mitgedacht und mitgemacht haben.

Einen Vers möchte ich hier mit dir teilen. Sönke hat ihn mit der Bemerkung vorgelesen, dass wir uns als Bewegung darauf stellen können.

„Ja, ich sage es noch einmal: Sei mutig und entschlossen! Lass dich nicht einschüchtern und hab keine Angst! Denn ich, der HERR, dein Gott, stehe dir bei, wohin du auch gehst.“ (Josua 1,9)

Es geht bei der Bibelstelle darum, dass die Israeliten kurz davor stehen, in das ihnen von Gott versprochene Land einzuziehen. Sie haben Angst und wissen nicht was kommt. Da versichert Gott ihnen, dass er bei ihnen ist und dass sie keine Angst haben brauchen.

Und auch wir als Bewegung brauchen keine Angst davor haben, was kommt, weil Gott mit uns unterwegs ist. Selbst wenn wir keinen Plan haben, er hat einen. Wovor hast du Angst? Wo brauchst du Ermutigung? Wofür wünschst du dir Gottes Eingreifen?

Fun Fact (Danke Mittli): Die Wendung „Fürchte dich nicht“ kommt 98-mal in der Bibel vor (Luther 2017). Das heißt, es scheint Gott wirklich wichtig zu sein, dass wir keine Angst haben.