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Zufluchtsorte

September 30, 2018 in Sunday Sermon von bettina

schirm_mutterStille. Dieses Wort klingt irgendwie seltsam fremd. Ich sitze in der Mensa, links und rechts wuseln die Leute. Der bekannte Geräusch- und Aktivitätspegel im Hintergrund ist mir vertraut, dieses Summen ist normal. Ich lasse mich nicht ablenken. Ich brauche keine Stille, damit die Dinge funktionieren und ich mit mir zufrieden bin. In solchen Momenten kann ich das Problem fehlender Stille und das Gute, das durch sie entstehen könnte, gar nicht erkennen. Produktivität, ständige Kommunikation und schlicht die Erfordernisse der Erwerbsarbeit gehören einfach zu den Grundbedingungen des Menschen der Moderne und folgender Epochen: Wir sind so (geworden). Was soll mir Stille schon bringen?

Und dann kommt da dieser Jesus und bietet uns Menschen „Ruhe“ an (Matthäus 11,28). Gott selber möchte den Menschen zur Ruhe führen und ihn damit aus dem Land der Versklavung und der falschen Sicherheiten herausrufen. „Soll ich selbst mitgehen und dich zur Ruhe führen?“, fragt Gott Mose. Warum macht er das? Warum ist ihm das wichtig?

1. Stille ist die Freiheit, von mir weg und hin auf Gott zu schauen.

Es tut mir gut, mir Zeit mit Jesus zu nehmen um mich einfach mit ihm auszuquatschen. Ihm alles zu sagen und damit auch aufzubürden, was mich belastet (er mag das!). Frust bei ihm abzuladen. Ihm zu sagen, was mich erfreut und zu erleben, dass er diese Freude teilt. In solchen Zeiten darf nur derjenige zu mir reden, der Wahrheit über mich aussprechen kann, nämlich Gott. Nicht andere Menschen, nicht der Arbeitsmarkt, nicht mein anklagendes Gewissen.

Dabei hilft es mir, ein paar Psalmen anzugucken oder im Buch Jesaja zu blättern. Dadurch fokussiert sich mein Blick und das Herz auf das wirklich Wichtige und weg von tausend anderen Dingen, die ich ja machen könnte. Ich erlebe in solchen Zeiten, dass Gott mich füllt mit Frieden, Freude, Hoffnung, Optimismus und Stärke.

2. Still sein heißt ganz Mensch sein, weil ich nicht produktiv sein muss.

Könnte es sein, dass wir Menschen der westlichen Hemisphäre seit langer Zeit einen Arbeitsethos verinnerlichen, der aussagt, dass ich erst dann ganz Mensch bin, wenn ich produktiv bin? Und könnte es
sein, dass dahinter die eigentliche tiefe Angst steckt nicht genug zu sein? Solche Stimmen werden bei mir lauter, sobald ich längere Zeit Unruhe ausgesetzt bin.

Andererseits erlebe ich in Zeiten der Stille und im Gebet, dass ich in Gott ganz aufgehoben bin, genug bin und er mich liebt – unabhängig von meiner Produktivität, meinem Output. Das macht unglaublich frei, weil ich mich nicht mehr vor anderen Mächten rechtfertigen muss. Die Gefahr für mich ist, dass ich glaube, auch in meiner Freizeit funktionieren zu müssen, zum Beispiel in der Gemeinde, weil ich das in meinem Job täglich verinnerliche. Dabei kommt tatsächliche Stärke nicht aus unserem Wollen oder aus großer Anstrengung, sondern aus unserem Herzen, das nur in der Zweisamkeit mit Jesus lebendig und stark wird (Jesaja 30,15b). Das habe ich selbst im letzten Jahr immer wieder erlebt.

3. Wir werden selbst zu einem Zufluchtsort vor dem Sturm für andere Menschen.

Bei Christus heißt empfangen immer auch die Befähigung zur Selbsthingabe, zur Liebe. Gott wünscht
sich, dass wir zu ihm kommen und das von ihm nehmen, was er uns geben will, damit wir tun können,
was er gut findet. Das nennt die Bibel „Umkehr“. Uns wird in Jesaja Großes verheißen, wenn wir uns Gott zuwenden (und dabei geht es nicht um dein Tun, sondern ,nur‘ um dein Empfangen):

Sieh, es wird ein König kommen, der gerecht regiert, und Fürsten, die ihr Amt nach Recht und Gesetz ausführen. Jeder von ihnen wird wie ein Schild vor dem Wind und wie ein schützender Raum vor dem Sturm sein; wie Wasserbäche, die durch eine dürre Gegend fließen oder wie der Schatten eines gigantischen Felsens in einem vom Durst erschlafften Land. (Jesaja 32,1 f.)

Wir werden selbst zu einem Bergungsort für andere, zu einem Rückzug, weil Gott in jedem von uns lebendig ist und uns immer wieder Ruhe verschaffen will. Empfangen in der Abgeschiedenheit, Geben in der Gemeinschaft. – So ist es möglich, dass wir ganz in der Welt sind, aber nicht von dieser Welt, den Menschen dienen und in Zeiten heftiger Stürme getrost bleiben, sprechend mit Psalm 62,8:

Bei Gott ist mein Heil, meine Ehre, der Fels meiner Stärke; meine Zuversicht ist auf Gott.

Jan-Hendrik Wefers

Dieser Text wurde zunächst im Jesus Freaks Magazin (Korrekte Bande) Ausgabe 6/2017 veröffentlicht.

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Sind wir eine Bewegung? – *Sunday Sermon*

April 22, 2018 in Sunday Sermon von bettina

bewegung3_Christoph.WohlfahrtWir reden relativ viel davon, dass wir als Jesus Freaks „eine Bewegung“ sind. Ich habe mich gefragt, was das wohl bedeuten mag. Für mich ist klar: Die Jesus-Freaks-Bewegung ist eine Jünger*innen-Bewegung. Muss sie sein. Alles andere ergibt gar keinen Sinn.

Womit ist der Begriff „Jünger*in“ für dich gerade belegt? Was bedeutet das für dich? Wenn ich sage „Es bringt nichts, Jesus Freak sein zu wollen, aber nicht Jünger*in Jesu.“, fühlst du dich dann unter Druck gesetzt? Hast du religiöse Strukturen und Zwänge im Kopf? Wenn ich sage, dass wir Teil einer Jünger*innen-Bewegung sind, denkst du, das ist das, was Jesus auch will? Denkst du, das ist das Beste für dein Leben?

Unser Anknüpfungspunkt ist die Geschichte von Jesus mit den Jüngern. Und so wie die Jünger damals super unterschiedlich waren, sind wir es auch. Die Verbindung ist Jesus. Das wird auch ziemlich unterschiedlich mit Leben gefüllt. Aber solange es „Jesus Freaks“ sind, geht es um Jesus! Da das immer noch nicht besonders konkret ist, hier vier Gedanken zu „Bewegung & Jesus“ – was das konkret bedeuten kann in meinem oder deinem Leben.

 1. Von Jesus bewegt werden

Für viele von uns ist der Anfang des Weges als Jünger*in, dass wir von Jesus bewegt werden. In den allermeisten Fällen hat das auch was damit zu tun, ob wir das zulassen können oder wollen. Ich denke, sich von Jesus bewegen lassen bedeutet, sich der Gnade Gottes auszusetzen.

Sich der Gnade aussetzen bedeutet nicht die Wiederholung des Glaubenssatzes, dass „Jesus mich liebt“, sondern es bedeutet, mit der Gebrochenheit und Einsamkeit in mir, mit meiner Empfindung von Schuld und meiner Empfindung von Hass, mit meinen Gefühlen von Angst und Wut und Liebe und Verzweiflung und Verwirrtheit, mit meiner ganzen Lebensgeschichte und allem Scheitern und allem Unrecht vor Gott zu kommen.

Es bedeutet zu sehen, was in der Welt passiert und zu versuchen, zu etwas Gutem beizutragen und irgendwie doch an der Tragweite und Tiefe der Abgefucktheit zu verzweifeln und von allem überfordert zu sein und damit ins Gebet zu gehen.

2. Jesus folgen

Du kannst Jesus nicht vom Sofa aus folgen. #ilikejesus #sharethemessage Also wir sind Fans von Jesus? Wir glauben an ihn? Wir sind seine Freunde? Wir sind Jesus Freaks? Wir sind …  Christen?

Ich behaupte, dass das ganze Ding mit Jesus keinen wirklichen Sinn ergibt, wenn wir uns nicht auch als Jünger*innen von ihm begreifen! Wenn du sagst, du liebst Jesus, aber bist nicht bereit, von ihm zu lernen und ihm zuzuhören, dann verstehe ich das nicht. Welchen Jesus liebst du? Der Jesus, den ich kennengelernt habe, der bewegt mich und dann sagt er: „Komm!“ Dann fordert er mich heraus. Dann lässt er mich nicht dort, wo ich bin.

Es gibt kein Patentrezept, was aufrichtige Jüngerschaft inhaltlich bedeutet. Aber Jesus wirklich zu folgen benötigt auf jeden Fall zwei Dinge:

Erstens Gehörsam! Denn ich muss von Jesus lernen, wenn ich sein*e Jünger*in sein will. Und dazu muss ich zunächst bereit sein, dem Meister zuzuhören und ihm zuzutrauen, dass er Ahnung hat.

Zweitens, Mut! Denn ich muss loslassen, wenn ich sein*e Jünger*in sein will: Destruktive Verhaltensweisen, meinen Geist und meine Seele erstickenden Sorgen und manchmal auch meine gut gemeinten Pläne für mich und die Welt um mich herum. Solche Dinge loszulassen ist angsteinflößend, denn was habe ich dann noch? Mir fehlt Sicherheit. Und es ist lästig, denn was gibt mir jetzt Orientierung. Mir fehlt das Gewohnte. Wo geht es jetzt hin?

3. Von Jesus gesandt werden

Man könnte meinen, dass „Jesus folgen“ bedeutet, dass man nicht mehr denken muss. Aber so ist das nicht! Es gibt ja diese ganzen Predigten und Gleichnisse und so von Jesus, damit wir selbst lernen und verstehen und nicht nur auf Zeichen und Befehle warten! So wie Jesus seine Jünger während seiner Zeit auf der Erde immer mal losgesandt hat (vgl. Lukas 10), sendet er die Jünger als auferstandener Christus aus. Und so sendet er uns!

Es ist also irgendwie paradox und ein Geheimnis: Ich folge Jesus nach, der ja letztlich in meinem Herzen und „mitten unter uns“ ist. Und er sendet mich gleichzeitig in die Welt aus. Aussenden ist ein Bild dafür, dass Jesus mir Verantwortung zuspricht. Wir selbst müssen gehen! Sonst geht nix. Wir müssen auch nachdenken und Entscheidungen treffen.

Diese Welt verändert sich und da sind wir hingestellt – auf die Komplexität dieser Welt zu reagieren und nicht zu tun, als sei es nicht so, wie es ist und uns hinter Worten der Schrift zu verschanzen. Wir sind ausgesandt, in dieser Welt auszubreiten, was uns von Gott geschenkt wurde und was himmlisch in der Zukunft wartet und doch schon jetzt ganz nah dran ist.

bewegung2_Christoph.Wohlfahrt4. Mit Jesus tanzen

Und schließlich das Geheimnisvolle. Das, was sich nicht nur mit dem Kopf begreifen lässt. Gott will mit uns in Beziehung treten. Aber nicht nur per Gespräch. Gott will, dass wir ihn erleben. Und er will uns erleben.

Wenn wir uns wirklich auf Gott einlassen, dann kann eine Bewegung passieren, die nicht „nur“ Mittel zum Zweck ist. Sondern die an sich wunderschön und wertvoll ist. Wie Tanzen. Es ist kein Zufall, dass Anbetung so oft und stark mit Musik verbunden wird. Anzufangen, laut zu singen – da kommt etwas in dir in Schwingung. Und dann mit deinem Körper zu beten. Das macht mit dir noch etwas anderes. Denn du bist eben nicht nur deine Gedanken.

Die Heilige Ruach [der Heilige Geist] durchdringt mich. Jesus fordert mich zum Tanz auf. Und natürlich ist das dann weit mehr, ja etwas ganz anderes als nur etwas Körperliches. Es geht darum, dass diese Beziehung mit Jesus mehr ist als emotionale Berührtheit, mehr als Lernen und Loslassen und mehr als mutiges Losgehen. Weil Gott lebendig ist, können wir nicht alles durchplanen, sondern wir tun Schritte und wir merken, dass er Schritte tut und wir denken nicht mehr nur, wir tanzen auch mal einfach. Ist uns Christen Intuition erlaubt?

Eine verwurzelte Bewegung sein

„Sich bewegen“ geht vielleicht alleine, aber „Bewegung“ nicht! Alleine kann ich nicht viel erreichen. Und „alleine“ hat sich das Gott ja auch nicht für mich vorgestellt. Und damit komme ich wieder zurück zum Ausgangspunkt: Jesus Freaks als Bewegung. Hier ist etwas, was mich begeistert: Lasst uns eine verwurzelte Bewegung sein – hier, wo wir sind und in Jesus.

Also einerseits: „grassroots“ – unten verwurzelt sein. Wir dürfen das Bewusstsein bewahren, dass wirkliche Veränderung nicht „von oben“ kommt, am besten noch durch hierarchischen Zwang. Jesus weiß das. Die Bewegung muss aus der Verwurzelung nicht in den luftigen Höhen des Einflussreichtums sondern in der Erde des Alltags und der Mitmenschlichkeit Kraft und Inspiration ziehen.

Andererseits muss sie verwurzelt sein in Jesus, der Diener aller geworden ist, eingepfropft in Jesus den Weinstock. Daher kommt der Saft und die Power. Suchen wir das Leben in Jesus oder haben wir angefangen, es woanders zu suchen? Ohne die Verwurzelung in Jesus keine Frucht, kein Wachstum. Oder auch: Ohne die Verwurzelung in Jesus kein Leben mehr, keine Bewegung.

Können wir eine (!) Bewegung sein, die Himmelreich ausbreitet?

Fabian aus Leipzig

Dieser Text ist eine stark gekürzte Version seines Artikels in der Korrekten Bande Ausgabe 1/2018.

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16. Dezember *Spendabler Samstag*: Werde Teil der Korrekten Bande

Dezember 16, 2017 in Allgemein, Korrekte Bande von bettina

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Die neue Ausgabe „Sex & Intimität“

Der Kranke Bote ist dieses Jahr endlich gesundet und zur Korrekten Bande geworden. Sonja hat ein neues Logo kreiert. Im Layout gab es ein paar kleinere, lockere Änderungen. Dazu wurde unsere Website  komplett überarbeitet. Ein Team von Lektor*innen sorgt für gute Lesbarkeit. Auf dem Kirchentag war unser Redaktionsteam mit einem Stand vertreten, beantwortete viele Fragen und repräsentierte die Jesus-Freaks-Bewegung. Was uns besonders freut, wir konnten neue Leser*innen begrüßen.

Vielen Dank an alle, die mit ihrem Beitrag die Korrekte Bande unterstützen!

Doch alle Neuerungen ändern nichts daran, dass die Korrekte Bande das Jesus Freaks Magazin ist. Damit das so bleibt, werde Teil der Korrekten Bande als Autor, Fotografin, Layouter, Redakteurin, Lektor, Grafikerin oder natürlich Leser.

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Im neuen Jahr geht es korrekt weiter

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Jaana für die Redaktion
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Vom Kranken Boten zur Korrekten Bande

Mai 31, 2017 in Aktivität von bettina

cover_DKB-02-2017_JahrbuchNeuer Name, neues Logo, teilweise neues Design – schon auf den ersten Blick fällt auf: Hier tut sich was. In einem langen Prozess hat die Redaktion des Jesus Freaks Magazins einen neuen Namen für unsere Lieblingszeitschrift gefunden und ist gerade ganz beschwingt und glücklich. Danke an alle, die sich an der Namenssuche beteiligt haben!

Auch inhaltlich gibt es einiges zu entdecken: Zum ersten Mal wurde das Jesus-Freaks-Jahrbuch mit dem Magazin vereint. Es erwartet dich daher eine Reise quer durch die Jesus-Freaks-Bewegung. Vom Haufen in Chemnitz über das Solicafé in Weimar bis hin zum gemeinsamen Wohnen im Schwäbisch-Fränkischen Wald berichten Jesus Freaks, wie es ihnen geht und was sie so machen.

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