Kategorie: Impuls

thematische Inhalte, Anregungen

Weihnachten intensiver erleben

Ein Krankenwagen fährt durch eine nächtliche, menschenleere Straße. Weihnachten arbeiten nur sehr wenige Menschen.Als Krankenschwester auf einer Station im Krankenhaus bin ich es gewohnt an Feiertagen zu arbeiten. Das ist ja nicht nur Weihnachten so, sondern kann einen an jedem Feiertag treffen. Da meine Mutter auch Krankenschwester ist, habe ich es schon als Kind erlebt, dass die Familie an den Feiertagen nicht immer komplett beisammen ist.

Ich persönlich habe die Erfahrung gemacht, das man sich gerade bei den Dezemberfeiertagen oft aussuchen kann, ob man lieber die Weihnachtstage oder Silvester/Neujahr arbeiten möchte; niemand wird gezwungen an Weihnachten zu arbeiten.

Manche Jahre habe ich Weihnachten bewusst Nachtdienst gemacht, weil ich dann gar nicht viel davon mitbekommen habe, sondern es quasi verpennt habe. Nachts war ich arbeiten und tagsüber habe ich geschlafen. Ich habe aber unabhängig vom Dienstplan schon jedes Jahr versucht einmal an den Feiertagen in die Kirche zu gehen, habe mir was Leckeres zu essen gegönnt, die Weihnachtsgeschichte gelesen und Weihnachtslieder gehört.

Oft habe ich mich mit Freunden getroffen, bin noch mit den Kollegen unterwegs gewesen oder meine Eltern sind einen Weihnachtsfeiertag zu mir gekommen. Man arbeitet ja nicht die ganzen Feiertage durch, sondern hat trotzdem Zeit für sich und muss es sich halt alles für sich passend arrangieren, meistens ist mir das gut gelungen.

Teilweise bin ich zwischen den Jahren zu meinen Eltern und Brüdern gefahren und wir haben da einfach „nachgefeiert“. Als Erwachsene besteht man ja nicht unbedingt zwingend auf Geschenken oder darauf, die pünktlichst am 24.12 auspacken zu dürfen.

Da die Arbeit auf der Station meist ruhiger ist als sonst, versuche ich mir mehr Zeit für die Patienten zu nehmen, die über die Feiertage keinen Besuch erhalten, so dass diese sich nicht ganz so alleine fühlen. Es sind mehr, als ich es mir vorgestellt habe, und es macht mich immer traurig.

Mit den Kollegen zelebrieren wir Weihnachten immer ein bisschen: Jeder bringt was zu essen mit für ein kleines Büfett. Deko ist auch immer irgendwie vorhanden. Wir machen alle zusammen Pause und feiern ein bisschen. An Weihnachten schaut die Klinikleitung auf Station vorbei und es gibt ein kleines Geschenk von der Geschäftsführung für alle, die an Weihnachten arbeiten. Die Klinikseelsorger*innen sind die letzten zwei Jahre auch auf allen Stationen vorbeigekommen und haben frohe Weihnachten gewünscht und den Mitarbeiter*innen einen kleinen Weihnachtsimpuls überreicht, z.B. ein Weihnachtsgedicht und einen Strohstern.

Ich finde es also nicht so schlimm an Weihnachten zu arbeiten. Manchmal denke ich mir, ob ich mich mit meiner begrenzten Zeit an Weihnachten nicht teilweise intensiver damit beschäftige als so mancher, der an Heiligabend um neun abends vollgefuttert und angetüdelt zum 10.000 Mal Sissi im Fernsehen glotzt.

Meike aus München

Nicht stornierbare Auszeit

Du möchtest dem Vorweihnachtsstress entkommen? Tine hat es dieses Jahr geschafft. Lies ihren etwas holprigen Weg dahin.

Ein Sessel steht mitten im Chaos.Inzwischen bin ich mir sicher, dass es eine dumme Idee war. Und zwar alles!

Ich quetsche mich in meinem kleinen Zimmer zwischen Minitrampolin und Wohnzimmertisch hindurch auf meinen Sessel. Mein Sessel. Neben der Küche die einzige Oase in unserer Wohnung, wo nicht das Chaos herrscht. (Ratet mal wer dieses Jahr nichts gebacken hat.) So hatte ich mir den Advent nicht vorgestellt.

Dieses Weihnachten sollte alles wunderschön sein und neu. Wunderbar dekoriert. Eine Wohnung voller Behaglichkeit und Wärme. Natürlich war es meinem Mann und mir klar gewesen, dass eine Renovierung im November einiges an zusätzlichen Kraftaufwand kosten würde – und das hatte es auch.

Aber nun ist längst Advent und die Wohnung ist bedeckt von Baustaub, der überhaupt nicht romantisch wirkt, schon gar nicht im unbarmherzigen Licht von Baustrahlern. Dabei wollten wir doch nur im Wohnzimmer ein klein wenig umräumen. Aber wenn wir schon dabei sind, könnte man ja auch das Schlafzimmer anders gestalten und endlich auch ein Arbeitszimmer einrichten … so nahm es seinen Lauf. Jetzt sind wir gerade dabei eine Wand aus Gipsplatten hochzuziehen. Es ist furchtbar.

Nur die Sitzfläche meines Sessels ist noch übrig, Insel der Glückseligkeit, auf der ich gerade hocke wie ein Affe auf dem Schleifstein. Aber dank meiner Aromalampe auf der Fensterbank riecht es in meinem vollgestopften Zimmer wenigstens nach Orange und Zimt. Besinnlichkeit … vielleicht wenn man die Augen zumacht und mit ein bisschen Fantasie …? … nein, nicht mal dann.

Und nun auch noch die Woche Ostseeurlaub. Ich könnte mich in den Hintern beißen, würde ich denn ran kommen. Mitte September war die Überlegung so logisch wie die Idee der längst überfälligen Renovierung: Bis Mitte Dezember durchpowern und dann eine gemeinsame Auszeit, bevor die Festtagsgottesdienste und die Familienbesuche (einmal Autobahn-Ping-Pong quer durch Deutschland) über einen hereinbrechen.

Die letzten Jahre ging mir kurz vor Weihnachten regelmäßig die Luft aus. Übermüdet und geschwächt zog ich mir eine Grippe zu, die sich teilweise bis Februar festsetzte und der nur mit härteren Medikamenten beizukommen war. Der Gatte kränkelte solidarisch mit, bzw. (wenn man mich fragt), schleppte die Keime teils schon länger mit sich herum, bevor sie dann bei mir ausbrachen.

Diesmal wollten wir klug sein. Motto: wenn man sich freie Zeit nicht einplant, passiert sie auch nicht. Also buchten wir kurzerhand ein Hotel für Mitte Dezember. Eine Woche nur mein Mann und ich, stürmische Strandspaziergänge, Bücher und Gespräche bei Kerzenschein. Eine Woche vor Weihnachten würden wird dann entspannt, immunsystemaktiv und gut gelaunt wieder zu Hause aufschlagen, um endlich einmal nicht überarbeitet und mit 39 Grad Fieber den Weihnachtgottesdienst besuchen. Soweit zur Theorie.

Doch jetzt sieht die Wohnung aus wie nach einem Bombeneinschlag. Eine Erkältung hat mich die letzten drei Tage mit Fieber flach liegen lassen (Gatte scheint diesmal unschuldig) und wenn ich daran denke, dass ich mich morgen ins Auto quetschen und eine Woche ans Meer fahren soll, könnte ich heulen – und nicht vor Glück. Dummerweise ist der Urlaub nicht kostenfrei stornierbar. Ich frage mich, ob ich sowas eigentlich mit Absicht mache.

Mein Blick schweift über die Möbel, die in meinem Zimmerchen stehen und doch gar nicht hier her gehören. Ich schließe die Augen, atme den Duft von Orange und Zimt und versuche mich weihnachtlich zu entspannen … nein, klappt wirklich nicht.

Endlich durchatmen in einer verschneiten Landschaft.Das Meer klingt wild. Zumindest für die sonst eher zahme Ostsee. Es ist frisch und kalt und so dunkel, dass man die weißen Schaumkronen nur erahnen kann. Der Wind zerrt an meinem Anorak. Nach der langen Autofahrt dröhnt mein Kopf, aber die mit Salz und Sauerstoff angereicherte Luft tut gut. Ich wollte nicht her kommen. Doch nun merke ich, wie der Stress aus mir herausfließt. Ich atme, stemme mich gegen den Wind und setze einen Fuß vor den anderen.

Die Häuser hier sind schön geschmückt. Weihnachtlich. Nicht so wie meine Baustelle zu Hause. Am Ende der Woche wird der Weihnachtsmarkt eröffnen und Touristen anlocken, aber bis dahin dürfte es hier angenehm ruhig sein. Die Atmosphäre in den Lokalen ist fast familiär.

Jetzt kann ich nichts mehr tun. Ich bin einfach hier. Das Internet ist zu wackelig um viel damit anzufangen. Ich kann eure Kommentare lesen und freischalten aber damit endet es auch schon. Also akzeptiere ich die Passivität. Freue mich an euren Zeilen, freue mich an dem Adventskalender einer Freundin, der jeden Tag ein Bild und einen kleinen Satz beinhaltet. Freue mich an der Zeit, die ich plötzlich habe. An den Büchern, an den Gesprächen mit meinem Mann. An dem Adventsbibelleseplan, der mir zufällig vor die Füße geflattert ist.

Mein Leben ist so unperfekt wie dieser Advent. Aber gerade stört es mich nicht. Gerade greife ich nach dem was ich habe und muss erstaunt feststellen, wie viel das ist. Ich genieße diese Woche. Genieße es, dass ich atmen kann, meinen Gedanken nachhängen und mich dem leisen Suchen nach Gott im Advent zuwenden darf.

Der Text erschien zuerst auf Tines Blog: http://www.nurheute.net

Was sind Irrwege?

irrweg_richtung_gott_maksym-kaharlytskyiIch denke an die Schnitzeljagd zu unserer Gemeindefreizeit. Weggabelung. Ein Schnipsel wurde gefunden, sofort wird dieser Weg eingeschlagen. Schauen wir uns manchmal noch um, um andere Hinweise zu finden? Wagen wir den Blick in die andere Richtung?

Wir stehen da und fragen uns, was wir wollen, wo es hingehen soll oder was Gott will. Vielleicht stimmt das, was wir wollen, mit dem was Gott sich für uns wünscht überein. Gehen wir dem erstbesten Schnipsel oder Hinweis hinterher?

Sind Irrwege immer schlecht? Manche Irrwege enden als Sackgasse. Man kommt einfach nicht weiter, man bleibt auf der Stelle stehen. Andere setzen sich endlos fort und entweder man entscheidet sich umzukehren, auch wenn es mühselig und mit Arbeit verbunden ist, oder man lässt es einfach laufen. Entweder man findet wieder die Brücke zum „Hauptweg“ oder man verläuft sich. Orientierungslos. #IchhabemichverIRRT.

Irrweg: falsches, verkehrtes, nicht zum Ziel führendes Verfahren

Synonyme:

  1. Seitenpfad
  2. Irrtum/Täuschung
  3. Abweichung/Umweg

Wenn ich mir die Synonyme des Wortes anschaue, dann kann ich gar nicht mehr genau sagen, ob es tatsächlich nicht zum Ziel führen kann. Seitenpfad, Abweichung … Ich gehe den Weg, der ursprünglich nicht geplant war und doch komme ich irgendwann an. Wenn ich an mein Leben denke, oh je, so viele Umwege und Abweichungen. Und jetzt stehe ich trotzdem hier und kann rückblickend sagen: Es war scheiße, aber dadurch habe ich einen anderen Blick auf bestimmte Themen, Lebenssituationen und Menschen oder habe jene Fähigkeit erlernt oder oder oder. Vielleicht hast auch du jetzt etwas vor Augen, was du durch Irrwege oder Seitenpfade erreicht, erlernt oder entdeckt hast.

Vielleicht wäre es mir auf dem Hauptweg besser ergangen. Wo hab ich den Scheiß-Hinweis übersehen? Aber war der Seitenpfad (Irrweg) den ich gegangen bin (oder gehen musste) für die Katz´? Hab ich dadurch nicht doch irgendetwas besser verstanden oder mich entwickelt? Musste ich dadurch meine Antenne für Gottes Sprechen noch mehr ausfahren?

Wir werden vielleicht nie vollkommen verstehen, weshalb wir manche Wege gegangen sind oder gehen mussten, wo wir einen Hinweis übersehen haben, oder wo ihn schon vorher einer abgeschnitten hat. Aber bei einer Sache bin ich mir ganz sicher: Irrwege, ob sie zum Ziel führen oder nicht, für Gott sind sie kein Grund zu sagen:

Geh du schon mal vor, bis du merkst, dass du dich verirrt hast. Ich warte hier bis du wieder angekrochen kommst und begrüße dich mit einem „Hättest du mal mehr auf mich gehört, dann …“

Gott geht mit dir. So spießig wie das für manche vielleicht klingt. Wenn wir die Richtung ändern, ist er der beste Wegbegleiter, den man sich vorstellen kann. Irrweg? Okay, kann passieren. Aber dann doch lieber mit Ihm als ohne Ihn.

Claudia aus Chemnitz

Begegnung mit dem König des Friedens

Begegnung mit dem König des Friedens

Mehr als „zufrieden sein“

Foto: Robert Nyman
Foto: Robert Nyman

Frieden – ein Wort, das so geläufig und dennoch so groß und oft so weit weg zu sein scheint. Nicht nur so etwas wie Weltfrieden scheint angesichts der Geschehnisse in unserer Welt nahezu unerreichbar und unrealistisch zu sein. Auch der eigene, ganz persönliche Frieden wirkt nicht selten wie ein Traum. Und was heißt das überhaupt: Frieden? Heißt das einfach zufrieden sein mit dem, was man hat?

Wenn ich mir mein Leben so ansehe, dann muss ich zugeben, dass ich ganz, ganz viel Grund zum Danken habe. Ich habe eine liebevolle Familie, einen tollen Beruf und eine kleine, aber sehr herzliche Gemeinde. Es geht mir gesundheitlich, bis auf gelegentliche Kopf- und Rückenschmerzen gut und ich kann meine Energie sowohl in meine Familie, meinen Beruf, meine Gemeinde und unser Haus stecken, ohne dass ich beständig ans Limit komme. Und trotz all dieser großartigen Gaben, die ich genießen darf, fühle ich mich oft nicht zuFrieden. Ich merke das ganz besonders dann, wenn wir mal für eine längere Zeit kein Gemeindetreffen mehr hatten. Denn dann neige ich dazu, mich in meinen Alltagsaufgaben zu verlieren. Doch so sehr ich mich auch engagiere, ich komme darin nie wirklich zu der Ruhe, die ich eigentlich suche.

Nicht die Untadeligen

Immanuel Kant hat einmal sinngemäß geschrieben, dass nur ein Mensch, der alle seine Aufgaben und Pflichten erfüllt, dem glückseligen Frieden würdig sei. Bei aller Bewunderung für den Philosophen der Aufklärung, aber das kann und will ich nicht glauben (hat er vermutlich auch etwas anders gemeint…). Denn wenn ich in der Bibel blättere, erkenne ich ein anderes Muster. Es waren nie diejenigen, die alle ihre Pflichten erfüllten, die dann von Jesus auserwählt wurden. Es waren sogar im Gegenteil genau diejenigen, die ihre Pflichten untadelig erfüllten, die an Jesus jedoch Anstoß nahmen. Gerade die, die eine geradlinige Biographie vorzuweisen hatten, wie etwa Paulus, konnten mit Jesus und seinen Anhängern zunächst nicht viel anfangen. Als aufrichtiger Pharisäer, lebte Paulus in allen Tugenden, die das göttliche Gesetz forderte, „untadelig“, wie er selbst sagte. Und doch zerschlägt die Begegnung mit dem auferstandenen Herrn Jesus seinen ganzen Stolz in Stücke, so dass er etwas später sogar das, was er vor seinem Leben mit Christus für gut erachtete, als „Scheiße“ bezeichnete. Was war es, das Paulus zu dieser 180°-Wende brachte?

Als Jesus fragte, warum er ihn verfolge, muss Paulus wohl das ganze Ausmaß seines Irrtums erkannt haben. Dieser Schlag hat ihn so hart getroffen, dass er sein Augenlicht für ein paar Tage einbüßte. Auch wenn er gewiss noch nicht alles verstanden hatte, so muss ihm doch klar geworden sein, dass er am Wesentlichen vorbeigelebt hatte. Erst durch die Unterweisung anderer Nachfolger Jesu war er im Stande, mit seinem Verstand der Erkenntnis seines Herzens nachzukommen, so dass er den unermesslichen Frieden, diesen unerschöpflichen Lebensquell und Schatz der von allem befreienden Gnade Gottes ergreifen konnte.

In der Begegnung mit Jesus

Mit einem lückenlosen und vorbildlichen Lebenslauf konnte er das nicht erlangen. Und selbst durch seinen ganzen Eifer für Gott konnte er diese Gabe nicht empfangen. Einzig der Entschluss Christi, sich Paulus als Werkzeug auszuwählen, zog ihn mit in den Heilsplan Gottes für die Welt hinein. Und diese Erfahrung einer völlig unverdienten Annahme brachte ihn dazu, fortan nichts anderes mehr wissen zu wollen als allein Christus den gekreuzigten, der auferstanden zur Rechten Gottes sitzt und den nichts als Liebe und Hingabe für ihn und jeden einzelnen Menschen bewegt.

Paulus nahm dann in den Folgejahren ein Leben voller Entbehrungen und Leiden auf sich, weil ihm alles andere mehr oder weniger unwichtig erschien. Sein unbändiges Verlangen danach, allen Menschen diese Erfahrung der befreienden, bedingungslosen Annahme durch Gott zu ermöglichen, hat uns neben vielen starken Gemeinden, die die Jahrhunderte überdauern sollten und den christlichen Glauben nicht mehr aus der Welt wegzudenken erlauben, auch gut die Hälfte des Neuen Testamentes beschert. Er sprach von einem Frieden, der alle Vernunft übersteigt, den wir also nie wirklich ganz verstehen können, aber der in der Begegnung mit Jesus erlebt wird.

Paulus‘ Leben ist für mich so ziemlich das inspirierende Zeugnis für die Nachfolge. Und wenn ich so über diesen Apostel Christi nachdenke, dann sehne ich mich noch viel mehr danach, mir von dem Frieden, den Paulus in seiner Verbundenheit mit Christus gefunden hat, meine Prioritäten noch einmal und immer wieder „durchschütteln“ zu lassen. Wenn meine Alltagsaktivitäten mich oder andere nicht mehr und mehr in diesen Frieden eintauchen lassen können, was haben sie dann für einen Sinn? Wenn sie den Frieden Gottes in meinem Herzen oder in den Herzen anderer hemmen, dann sind sie „Scheiße“. Es reicht wohl einfach nicht, wenn man im Leben viel Grund zum Danken hat, auch wenn ich das nicht missen will. Aber um im Frieden Gottes atmen, wandeln, tanzen zu können, braucht man nicht mehr und nicht weniger als eine Begegnung mit Jesus, dem König des Friedens, der nicht den Weltfrieden, aber den Frieden Gottes bringt.

Anstelle einer Frage:

„ Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. “ Philipper 4,7

Verschenkte Hoffnung

Am RandHeute wird’s poetisch im Freaks-Adventskalender. Achim aus Halle hat extra ein Gedicht für uns verfasst. Viel Spaß euch beim Lesen und ein großes Dankeschön an Achim!

 

Verschenkte Hoffnung (ein Adventsgebet)

Wie besonnen, so zerronnen!

So ging es mir heute am zweiten Advent.

In meinem Kopf, in meinen Gedanken,

alles am schweben, schwimmen und schwanken …

Ruhe zu finden war ein Unterfangen,

wie Sushi zu essen mit Bohnenstangen

Den Kopf voll mit Dingen, die grad nicht so gelingen

oder noch anstehn, sich mahnend im Hirn drehn

ich möchte nur weggehen – nein, rennen!

Du fragst, was los ist, doch ich kann’s nicht benennen.

Es ist alles und nichts, was mir einfällt.

Hab heut Gott und die Welt

infrage gestellt – und somit auch dich

und hoffe, dich damit nicht völlig verprellt.

wundern würde es mich nicht …

 

Doch du bist erstaunlich gelassen,

während ich in Gedanken am Spülbecken steh,

grad kein Land mehr seh‘

versunken in meinem Ach und Weh

im Selbstmitleid von Kopf bis Zeh

und plötzlich vielleicht doch

noch etwas versteh:

Du warst auch Mensch!

Und du hast es geschafft,

mit dir selbst und der Erde

und Gott im Reinen

zu sein und die Dimensionen zu einen!

Die Last des Getrenntseins vom Ursprung zu wandeln

in Beziehung zu diesem, Menschsein zu verhandeln.

Ganz Mensch musstest du, genauso wie ich

den Weg auch erst finden, das war auch schwer für dich!

Doch du bist der Beweis, dass es möglich ist!

 

Friede sei mit euch!

Das erste Versprechen,

zu deiner Geburt an die Welt.

Im Leben, im Sterben, im Auferstehen.

Ein Versprechen, das ewig hält.

Ein Versprechen, das mein Herz in diesem Moment

ganz neu erkennt …

… und plötzlich ist doch noch Advent.

Du hast die Hoffnung verschenkt!

 

Achim, JF Halle

Gebet für den Klimaschutz

wueste_Hembo.PagiViele von uns lieben es in der Natur spazieren zu gehen und dort inmitten Gottes Schöpfung dem Herrn zu begegnen. Oft ist die Natur ein Schlüssel zu Gottes Gegenwart; das Beten fällt leichter und Gott zu hören auch. Und auch Gott liebt seine Schöpfung – er schuf das Land, die Wälder, das Meer, die Luft, die Gebirge und alle Geschöpfe und sah, dass es gut war.

Es ist somit kein Wunder, dass wir uns dort, inmitten dessen was Gott – und nicht der Mensch – geschaffen hat, ihm so manches Mal besonders nah fühlen und ihm leichter begegnen können.

Was sich dabei allzu leicht vergessen lässt, ist die Verantwortung, die wir für die Schöpfung und für die Natur tragen (u.a. 1. Mose 1, 26, 1. Mose 2,15). Sie ist auch unsere Lebensgrundlage, die wir achten und bewahren sollten. Was wir aber gerade in dem industriellen, kapitalistischen Zeitalter sehen, ist, dass die Schöpfung den Bach runter geht und als Ware degradiert wird – Güter werden ohne Rücksicht auf ihren Eigenwert oder ihre Begrenztheit von uns Menschen ausgebeutet. Und was ist mit all den Generationen, die noch kommen?

Kaum etwas wird in den letzten Jahren so stark und drastisch medial von der Wissenschaft hervorgehoben und dennoch in unserer Lebensrealität und der Wichtigkeit für das alltägliche, praktische Leben so sehr vernachlässigt wie der Klimawandel. Es ist schon seit Jahren klar, dass die Temperatur deutlich steigen wird und dass es mehr Dürren, Stürme, Überflutungen und daraus resultierende Flucht und starke Sicherheitsprobleme geben wird. Wann genau das alles eintritt, kann man oftmals erst Tage oder Wochen zuvor vorhersagen. Aber klar ist, dass schon eine Erwärmung zwischen 1,5 und 2 Grad, die in etwa zwischen 2030 und 2050 erreicht werden dürfte, solche Folgen auslösen kann.

Um das zu verhindern, müsste man echt krasse und drastische Maßnahmen ergreifen: Verbrennungsmotoren verbieten, Fleischkonsum und Flugreisen reduzieren etc. Zum Teil wird davon ausgegangen, dass die nächsten Jahrzehnte die wichtigsten der Menschheitsgeschichte sind, in denen die Weichen gestellt werden. – Denn die gute Nachricht ist, dass theoretisch es noch möglich ist, einen Anstieg von mehr als 1,5 Grad zu verhindern. Allerdings bleiben dafür nur noch wenige Jahre. Laut dem Sonderbericht des Weltklimarats ICPP heißt es, dass dazu ein „schneller, weitreichender und beispielloser Wandel in allen gesellschaftlichen Bereichen notwendig ist“. (1)

Wow, in allen gesellschaftlichen Bereichen. Das klingt schon nach einer ganz schön großen Herausforderung! Gerade für uns, die wir damit aufgewachsen sind, viel und jederzeit konsumieren zu können. Natürlich konnte nicht jeder alles konsumieren. Es kam auch immer darauf an, wie viel Geld und Zeit wir hatten, aber so grundsätzlich hat uns keiner beigebracht mit Gütern und Konsum achtsam umzugehen. Ganz ehrlich – unsere Freiheit mit dem Auto oder gar noch mit dem Flieger mal hier und da hin zu reisen, ist doch auch eigentlich etwas, was wir nur schwer hinterfragen.

Die Klimafolgen sind ja gerade in Deutschland – abgesehen vom heißen Sommer – noch nicht so wirklich spürbar und wann soll das alles überhaupt passieren? Und wenn alle anderen noch in den Urlaub fliegen, warum sollte gerade ich da darüber nachdenken? Oder wenn alle Fleisch essen, warum sollte ich mich da beschränken? Aber im Herzen wissen wir, dass gerade Dinge, die Gott anstößt, sehr oft bei uns selbst und in unserem Gebet beginnen. Und oftmals wirkt Gott da bei jedem/jeder sehr unterschiedlich und zeigt, was wie bei wem wann dran ist. Das kann sehr verschieden aussehen. Gott segnet bereits unsere ehrliche Bereitschaft auf ihn und sein Wort zu hören und zu schauen, was er da für jeden von uns vorbereitet hat.

Zur Zeit findet die 24. Klimakonferenz der Vereinten Nationen in Kattowice (Polen) statt. Diese Woche geht die Konferenz in die heiße Phase. 2015 einigte man sich auf der letzten Klimakonferenz darauf, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen. Jetzt in Kattowice soll es darum gehen, dass daraus völkerrechtlich verbindliche Maßnahmen entstehen. Das Problem ist insbesondere, dass die Staaten sich an die eigenen Zielvorgaben und Selbstverpflichtungen nicht halten bzw. hierfür einfach zu wenig tun. Verhalten sich Menschen und Staaten in der EU weiter so wie bisher, so ist mit einer Erwärmung zwischen 2 und 3 Grad zu rechnen. Sogar wenn die EU ihre Versprechen einhält, was sie derzeit nicht tut, wird das für eine Reduzierung auf die eigentlich erforderlichen unter 1,5 Grad nicht reichen.

Es gibt eine Online-Gebetskampagne für die Klimakonferenz (www.klimakonferenzgebet.gebetonline.ch). Gebet für die Konferenz, aber auch für die Staaten in der Umsetzung ist sehr wichtig, dass ein Umdenken geschieht und über realistische Maßnahmen entschieden wird. Wichtig ist aber auch das Gebet für uns alle, dass Gott im Denken unserer Generationen wirkt und uns allen ein neues Bewusstsein schenkt, was seine Schöpfung anbetrifft.

Iwona, JF Eberswalde und Vorstand JFD

(1): Vgl. https://www.faz.net/asv/un-klimakonferenz/von-paris-nach-kattowitz-15882567.html

Weitere Quellen:

Haberkorn, Tobias: Die Sinflut kommt, in: Zeit online, 4. November 2018

Kirchner, Sandra: Deutschland beim Klimaschutz nur noch Mittelmaß, in: Klimareporter, 10. Dezember 2018

Fake Weihnachten?

herz-ausgiessenHalleluja, es weihnachtet sehr. Ich kenne so viele zynische Texte. Üble Geschichten von grenzenlosen Besäufnissen, Übergriffen des Onkels, Geschenkorgien ohne Sinn und Verstand, bis hin zu Prügeleien und kaputten Geschirr.

Was ist bloß los mit diesem Fest? Warum ergötzen wir uns in Lebkuchen und Kerzenschein? Warum die Millionen Tannen, die jedes Jahr gefällt werden? Warum 100 Milliarden Euro für Geschenke? Ganz ehrlich, so ganz komme ich nicht dahinter. Die Antworten der Westentaschen-Psychologen sind klar: Es geht um Sehnsucht nach Harmonie, darum Familienbande aufleben zu lassen. Wir wollen die Einsamkeit vergessen, wenigstens an einem Tag.

Ich stelle fest, dass ich in zunehmenden Alter mehr auf der Suche nach dem Echten bin. „Fake“, das Unwort des Jahres. Ich habe keinen Bock mehr auf das Unechte.

Fake umgibt mich überall. Fake Werbung. Fake Sicherheit, die mir von der Politik versprochen wird. Fake Liebe. Ich sehne mich nach dem Echten.

Auch das Christentum ist voller Fake. Fake Churches, Fake-religiöses-Getue, Fake-Lobpreis. Da muss man nur einmal richtig auf den Busch klopfen und unten rieselt nur hohles Zeug heraus.

Wir wissen heute: Jesus wurde nicht am 24.12. geboren. Historiker vermuten eher den März oder Mai. Esel waren auch nicht in seinem Stall. Und, dass die ganze Welt eigentlich seinen Geburtstag feiert, und dabei alles andere feiert, nur nicht seinen Geburtstag. Auch das ist ein Fake.

Was nun, mit Weihnachten? Warum feiern, warum freuen? Was ist echt an diesem Tag? Was kann für mich echt werden?

Zuerst fällt mir ein, dass es einfach gut tut, Geschenke zu bekommen. Geschenke als Ausdruck der Zuneigung, der Wertschätzung, der Liebe. Geschenke sind immer ein Zeichen der Liebe. Meine Mutter sagte zu uns, die größten Geschenke sind die, welchen einem besonders schwerfallen. Also geschenkt, nicht aus einem Überfluss, in Klarsichtfolie verpackt, aber eben auch unnötig. Sondern Weihrauch, Myrrhe, Gold. Wir üben uns in Großzügigkeit, das ist toll.

Und wenn wir als Christen etwas tiefer gehen, können wir aus der Weihnachtsgeschichte noch etwas erkennen: Gott kommt als Mensch zu uns. Nirgendwo wird das so deutlich, wie an der Geburtsgeschichte Jesu. Gott muss als Baby kommen, aus dem Bauch einer Frau. Es braucht Milch, wärme und ein Bettchen. Die Engel kündigen Jospeh den Gottessohn mit genau diesem Namen an: Immanuel. Das heißt übersetzt: Gott ist mit uns! Oder volxbibelisch: Gott kommt auf unsere Ebene runter. In unsere Kälte, in unseren Kack. Das fasziniert mich an Jesus. Gott, der größer ist als das Universum, kommt in meine kleine Welt, in meinen kleinen Kopf, in mein Herz. Darum feier ich Weihnachten. Trotz allem Fake, üblen Geschichten und unerfüllter Sehnsucht. Darum tut Jesus gut. Der Glaube an ihn. Seine Worte und seine Liebe. Ich will Weihnachten feiern, weil ich die Liebe feier. Gott wird einer von uns. Halleluja.

Martin wohnt mit seiner Familie in Berlin und freut sich immer wieder, den Geburtstag von Jesus feiern zu dürfen.

JesusMartinHeute hast du die Gelegenheit sein aktuelles Buch „Der vergessene Jesus“ zu gewinnen. Schreibe dazu einfach eine E-Mail an martin@volxbibel.de und beantworte folgende Frage: In welchem Jahr wurden die Jesus Freaks gegründet? Viel Erfolg!

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Ich bin ein Hirte

hirteWeihnachten trifft mich eigentlich immer plötzlich zwischen meinem Alltagskram, zwischen Freunden, Aufgaben und Terminen. Da ist nix mit Vorbereitungszeit. Ich habe keinen langen Weg zurück gelegt, wie Maria, die quasi neun Monate mit Weihnachten schwanger war. Oder die Weisen, denen das so wichtig war, dass sie sich auf diesen weiten Weg gemacht haben. Die ich bewundere, aber neben denen ich mich regelmäßig schlecht fühle – gescheitert an dem Anspruch, mich angemessen vorzubereiten. Eher so plötzlich wie der Engelschor, der die Hirten aus dem Schlaf reißt: Hilfe, nächste Woche ist ja schon Dezember! Dann ist Weihnachten da und ich soll trotzdem zur Krippe kommen. Mitten aus dem Alltag sagt der Engel: „Fürchte dich nicht“, der Stall ist bei mir gleich um die Ecke und dann stehe ich da, an der Krippe und bin überwältigt, wie nahe Gottes Gegenwart meinem Alltag ist: Mein König kommt zu mir. Egal, ob es gerade rein passt. Oder alle Erwartungen erfüllt worden. Oder aufgeräumt ist.

Ich bin auch ein Hirte, wenn ich in mich hineinschaue. Als eine der ärmsten Bevölkerungsgruppen waren sie häufig auf diverse halblegale Nebenverdienste angewiesen. Und zu denen kommt das Sondereinsatzkommando. Nicht ein Stern, oder ein Engel, – nein, für die, die jede Menge Dreck am Stecken haben, wird das volle Aufgebot der himmlischen Heerscharen aufgefahren.

Ich bin nicht durch die Advents-Vorbereitungszeit mit Herz und Seele im Weihnachtsmodus – eher gerade wieder dreimal mit meinen Lieblingssünden auf die Nase gefallen. Trotzdem bekomme ich meine Extraportion himmlische Heerscharen. Und dann sind sie da, singen ihr Hosianna in der Höhe auch in meinem Herzen und scheren sich nicht drum, ob‘s das jetzt verdient hat, oder ob‘s gerade rein passt, singen ihr Ehre sei Gott in der Höhe auch mitten im Dreck, in der Nacht, in der Kälte zwischen Wut, Frust, Sorgen und Unsicherheiten. Und dann bin ich mal wieder froh, dass ich nicht zu entscheiden habe (ich würd wohl nicht kommen – hät‘s gar nich verdient!) wohin das Kind in der Krippe kommt.

Danach gehe ich wieder zurück in meine Geschäftigkeit, an der sich meistens auch nichts geändert hat. Aber ich habe noch eine ganze Weile die himmlischen Heerscharen im Ohr. Und aus Erfahrung weiß ich inzwischen: Die kommen wieder!

Beate, Jesus Freaks Chemnitz

Come as you are …

Jfs Logo altKennst du das? Du erzählst einem Menschen, dass du bei den Jesus Freaks bist. Dies ist dein Ort, wo du deinen Glauben mit Jesus leben und teilen kannst. Deine Family, deine Bewegung, deine Jesus-Gang. Und dann stellt dir die Person die Frage „Ja, und was unterscheidet euch nun von den anderen Christen?“

Jetzt wird es spannend.

In den ersten Jahren unserer jungen Geschichte haben wir uns sehr über Abgrenzung definiert. Es war klar, dass wir ziemlich innovativ und cool sind. Dass wir uns Dinge trauen, über die andere nicht mal nachdenken. Oder die anderen zu peinlich wären. Egal, wir konnten auch peinlich sein und über uns selbst lachen. Leider haben wir manchmal auch über die anderen Christen gelacht. Die ewig Gestrigen, mit ihren Liedern und ihrer Sprache, die zum fremdschämen ist. Mit ihrer übertriebenen Vorsicht und dem engen moralischen Korsett.

Dann mussten wir uns kleinlaut eingestehen, dass Hochmut keine coole Sache ist. Wir haben selbst Fehler gemacht, die uns bis heute viel abverlangen. Und wir haben erlebt, wie heilsam es ist, mit anderen Christen Gemeinsamkeiten zu entdecken und voneinander zu lernen. Und haben immer weniger darüber geredet, was uns ausmacht, was unser besonderer Auftrag ist, was unsere Daseinsberechtigung ist. Was berechtigt dich und mich, das Label „Jesus Freak“ zu tragen?

Ich bemühe einige Antworten, die ich schon oft gehört habe:

  • Wir sind total begeistert von Jesus …
  • Wir haben einen Auftrag für diejenigen die sonst in keine Kirche gehen würden …
  • Wir haben coolen Lobpreis … sogar manchmal mit Schlagzeug …
  • Vielfalt …
  • Wir sprechen im Gottesdienst die Sprache die wir auch sonst sprechen …
  • Bei uns kann man während der Predigt ein Bier trinken …
  • Bei uns muss man sich nicht verbiegen …

Was denkst du, wenn du das liest? Sind das nicht Antworten, die auch auf viele andere christliche Gemeinden zutreffen? Gibt es nicht zahlreiche Gemeinden, die inzwischen viel innovativer, stylischer und cooler sind als wir? Christen anderer Kirchen, von deren Begeisterung für Jesus wir gerne dazu lernen dürfen? Naja, zumindest das mit dem Bier könnten wir noch als Alleinstellungsmerkmal verteidigen (Ironie Ende).

Wenn wir als Jesus Freaks zukunftsfähig und relevant bleiben wollen, wenn wir unseren Auftrag den Gott uns gegeben hat leben wollen, und wenn wir der Generation, die nach uns kommt ein gutes Erbe weitergeben wollen – welches sie nicht abschlagen werden; dann sollten wir uns darauf besinnen, welche Werte und Erkenntnisse uns ausmachen.

Come as you are … der Nirvana-Hit aus den 90ern wurde zu einem beliebten Slogan, wenn es darum ging, Menschen zu Jesus Freaks-Treffen einzuladen. Dahinter stand die Erkenntnis, dass Gott keine Kultur hat. Ein Gedanke der mich bei meiner ersten Begegnung mit den Jesus Freaks völlig umgehauen hat und der mich immer noch begeistert. Gott ist es egal, was für eine Frisur oder Klamotten du hast, ob du Worship, Schlager, HipHop oder Heavy Metal hörst, ob du Kräutertee, Cola oder Bier trinkst, welchen Beruf du ausübst, welche Hobbys du hast, wie dein Lifestyle ist. Es spielt für ihn wirklich keine Rolle, denn er sieht dein Herz. Wir Menschen versuchen Normen und Regeln aufzustellen die unseren Vorstellungen von einem guten oder auch gottgefälligen Leben entsprechen. Und wir sind gut darin, andere Menschen in Schubladen und Schablonen zu pressen, damit nichts Ungewohntes passiert. Bei Jesus wird niemand reduziert. Er nimmt bedingungslos jeden Menschen an, so wie er ist. Diesem Vorbild nachzueifern ist eine Lebensaufgabe.

Ich wünsche uns, dass wir uns damit beschäftigen, was dies für uns bedeutet. Um eine solche Auseinandersetzung anzuregen, werden in den kommenden Monaten immer wieder Impulse kommen, die das Thema aufgreifen und danach fragen, was unsere Einzigartigkeit und unseren konkreten Auftrag als Jesus Freaks ausmacht.

Hans (Leitungsteam der Bewegung)

Vom Fedd, vom Dittschn und vom Heilischen Geisd

Christstollen

Heute, am 5. Dezember, gibt es eine köstliche Geschichte zur Weihnachtszeit von Björn (JF Halle und Projekt B):

Mit meiner Einheiratung in eine echte sächsische Familie begann eine sehr liebenswerte adventliche Tradition auch in meinem Leben Fuß zu fassen, die ich nicht mehr missen möchte.

Seit ich meine Frau kenne, fahre ich fast jedes Jahr, wenn es die Umstände zulassen, an dem Wochenende des Toten- oder Ewigkeitssonntags in ein kleines sächsisches Städtchen, um im Kreise meiner Schwiegerfamilie beim Stollenbacken zu helfen.

Das Stollenbacken nach einem uralten Rezept ist eine fest verankerte Tradition in der Familie meiner Frau. Und ich liebe diesen Brauch so, weil es immer in einem möglichst großen Rahmen zelebriert wird und unheimlich schöne Gefühle von Behaglichkeit, Gemütlichkeit und Familie in mir weckt. Wer an dem Samstag kommen kann, ist anwesend, denn Stollen backen ist sowohl anstrengend – wir reden hier von ca. 15 – 20 Kilogramm Stollenteig, die in einer großen Waschwanne zubereitet und v.a. von Hand geknetet werden müssen, und das um 05:00 Uhr morgens (ohne Frühstück) – als auch sehr gesellig und von viel Plausch begleitet. Nach dem Kneten wird der Teig dann früh morgens zum Bäcker gebracht, die die Stollen dann ausbacken. (Insgeheim besteht ein Wettbewerb, welcher Familie, der beste Stollenteig gelungen ist.) Meist wird an diesen Samstagen nach dem gemeinsamen Frühstück Plätzchen gebacken oder Wurst gemacht und nicht zuletzt endet der Tag bei Bier, Wein und Schnaps im Wohnzimmer.

Ich war nie der große Stollenesser (ich kannte nur gekaufte westdeutsche Marzipanstollen), aber seit dem liebe ich Stollen in der Adventszeit, wahrscheinlich auch weil ich weiß, welche Liebe und Mühe drin steckt. In jedem Jahr aufs Neue bin der festen Überzeugung, dass das der beste Christstollen ist, den man nicht kaufen kann.

Bis auf ein Mal und von dem möchte ich erzählen:

Wie bereits erwähnt ist das Rezept uralt und ist seit Großmutters Zeiten auf einem braunen, befleckten Zettel, in alter Handschrift festgehalten. Diese Reliquie wird jedes Jahr von der Großmeisterin (meiner Schwiegermutter) hervorgeholt und der Ritus beginnt nach festem Ablauf. Nur in einem Jahr, niemand weiß warum, kam meine liebe Schwiegermutter auf die Idee, die Menge an Fett zu reduzieren. Ob es einem spontanen Impuls folgend geschah, in einem Anflug von Diätwahn oder weil sie allen etwas Gutes tun wollte, oder weil sie in ihrer Erinnerung mit dem (tadellosen) Teig des letzten Jahres nicht zufrieden war – man weiß es nicht (sie übrigens auch nicht), vielleicht werden wir es dereinst erfahren, wenn wir bei Gott sind und er uns alle Geheimnisse enthüllt…

Ein Christollen ist keine Diätspeise, noch nie gewesen, eher das Gegenteil. Dafür kann aber der Stollen nichts! Ein Christstollen besteht nun mal im Großen und Ganzen vor allem aus Mehl, ganz viel Zucker und ganz viel Fett, plus Rosinen und so weiter. Ein Christstollen wurde wohl deshalb so gemacht, weil man sich und anderen in Zeiten des Mangels etwas Gutes tun wollte (übrigens, die mit Puderzucker bestäubte Form des Christstollens soll das Jesus-Kind darstellen). In unseren Zeiten des Überflusses an Kalorien und des Mangels an Bewegung sollte man vielleicht die Gesamtmenge an konsumiertem Christstollen auf ein hüft- und bauchfreundliches Maß reduzieren – bewusst genießen – aber um Gottes Willen, niemals sollte man an der Grundkonstruktion eines Christstollens herumschrauben!!! Wie dem auch sei, meine Schwiegermutter machte sich so der Häresie schuldig, wenn auch aus gutem Willen.

Die Folge war ein Stollen, den man auch mit ganz viel Dittschn (Dittschn bezeichnet im Sächsischen das Eintauchen, meist von Stollen, in jedwede Flüssigkeit – warum blieb mir bis zu diesem Jahr unklar…) nur mit ganz viel Mühe oder gar nicht runter bekam. Letzten Endes haben wir ihn schweren Herzens dem Kreislauf aus Werden und Vergehen in der heimischen Biomülltonne übergeben. Ich könnte mir vorstellen, er existiert nach wie vor in mumifizierter Form und wird dereinst von Archäologen ausgegraben, so trocken war er.

Nach erfolgter familiärer Revolution mit mehr gelebter Demokratie und neu eingesetzten Kontrollinstanzen über die Einhaltung der Rezeptur, konnte der Frieden und die Reinheit des Kultes übrigens wieder hergestellt werden.

Diese Geschichte verdeutlicht mir ein paar Dinge über meinen Glauben.

Unser Glaube, genauso wie Christstollen, existiert sowohl für uns, zur eigenen Auferbauung, als auch zum Teilen mit anderen, um unseren Nächsten „etwas Gutes zu tun“.

Der Christstollen verdeutlicht das in seiner Form, die dem Christkind in Windeln nachempfunden sein soll, als auch, dass er, wie bereits erwähnt, aus lauter kostbaren Köstlichkeiten besteht und vor allem in früheren Zeiten einen ganz anderen Wert besaß, als wir das heute nachvollziehen können.

Und damit steht er für mich für den Glauben an diesen Christus. Gott, der Mensch wurde, und in einem unscheinbaren Stall zur Welt kam, um sich selbst und sein Leben als Geschenk Gottes an uns Menschen hinzugeben, um uns die Gnade des ewigen Lebens in der Gemeinschaft mit ihm zu schenken. Der Christstollen versinnbildlicht die Botschaft von Weihnachten und verdeutlicht sowohl den Zweck des Glaubens (ein Stollen ist ja nicht nur etwas, das allein genossen wird, sondern immer auch geteilt werden soll), als auch dessen Wert und Kostbarkeit (er besteht aus lauter Dingen, die vor allem in früherer Zeit sehr kostbar waren und die auch noch zu DDR-Zeiten nicht immer in ausreichender Menge vorhanden waren) – schließlich sollte er auch helfen über einen entbehrungsreichen Winter zu kommen.

Manchmal kommt uns aber in den Sinn, wichtige Dinge wegzulassen, in dem Glauben, etwas Gutes zu tun oder aus Angst.

Genauso wie meine Schwiegermutter auf die Idee kam, das zu reduzieren, was einem Stollen Geschmeidigkeit und Geschmack gibt, als auch Feuchtigkeit bewahrt und ihn auch nach langer Lagerzeit leichter essbar macht, lassen wir – lasse ich – manchmal essentielle Dinge, die unseren Glauben ausmachen, außer Acht.

Allen voran die Liebe, die ja das Wesen Gottes ist und durch seinen Geist bewirkt wird, der in uns und durch uns leben will. Das Problem ist aber, wenn wir den Heiligen Geist außen vor lassen, wenn wir ihn in seinem Handeln reglementieren, wenn wir nicht in diese Liebe des Vaters, die Essenz unseres Glaubens, eintauchen, werden viele Dinge ungenießbar, trocken, tot.

Das merken wir zum Beispiel, wenn wir versuchen uns dem Glauben zu nähern indem wir die Bibel lesen oder beten. Wenn der Geschmacksträger, der Heilige Geist und die Liebe fehlt, die das Ganze aufschlüsselt, bleibt es bei einem toten Buch und bei hohlen Phrasen. Lassen wir aber zu, dass der Heilige Geist zu und durch uns spricht und uns in den göttlichen Liebesstrom hineinnimmt, wird es köstlich.

Genau so ist es auch, wenn wir Glauben wie Stollen teilen wollen. Geschieht das ohne Liebe, lassen wir den Heiligen Geist in seinem Wirken und in seiner unbändigen Kraft weg, lassen wir Teile des Ganzen weg, versuchen wir aus der Guten Botschaft ein Light-Produkt zu machen, wird es trocken und ungenießbar und auch ein Sachse wird nichts finden, worin man es Dittschn kann, so dass es essbar wird.

In diesem Jahr lagern stolze 10 Pfund Stollen, mit allem was dazu gehört, in meinem Keller – bereit von mir und meiner Familie genossen und mit Freunden, Kollegen und meinen Nächsten geteilt zu werden. Und bevor sie angeschnitten werden, werden sie zum Schluss noch mit flüssiger Butter bestrichen und dick mit Puderzucker bestäubt. Mein Weihnachtswunsch für mich und für Dich ist, dass es Dir mit deinem Glauben genauso gehen möge, egal ob Du ihn selbst genießen willst, oder ihn teilst, dass Du nichts weglässt, und er von Dir und deinen Nächsten in vollen Zügen genossen werden kann.

Björn aus Halle