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Shitstürme zum Jubiläum

Oktober 31, 2017 in Allgemein von bettina

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Hier stehe ich. Kann ich auch anders?

Nach einem Jahr voller großer und kleiner Veranstaltungen in Wittenberg, Berlin, ganz Deutschland und darüber hinaus ist es mehr als verständlich, dass jetzt zum Höhepunkt des Reformationsjubiläums allgemeine Müdigkeit einsetzt. Es war schlicht zu viel: zu viel Luther, zu viel Event, zu viel Kommerz. Ist es dieser eine Mensch wirklich wert, dass wir uns ein Jahr lang mit ihm beschäftigen? Was ist mit Calvin, Zwingli und den anderen Reformatoren? Warum nicht Ghandi oder Buddha auf die Agenda setzen?

Ja und nein.

Nein, weil es nicht nur ein Mensch war, sondern viele, Freunden, Theologen, Fürsten und andere, die am Erfolg der Reformation mitwirkten. Nein, weil er zufällig seine Thesen zur richtigen Zeit angeschlagen hat. (Andere vor ihm sind für die gleichen Ideen verbrannt wurden). Nein, weil es nicht um Luther geht, sondern darum, wie wir heute leben wollen.

Ja, weil Luther den Autoritäten seiner Zeit die Stirn geboten hat, weil er auf seinen Erkenntnissen bestand. Ja, weil seine Aufforderung, jeder müsse selbst die Bibel lesen können, zu einem Bildungsaufschwung geführt hat, von dem wir heute profitieren. Ja, weil er öffentlich erklärte, dass wir uns vor Gott nicht rechtfertigen können, sondern dass wir allein durch Gnade bestehen. Ja, weil er trotz aller Verdienste ein Mensch mit Fehlern und Schwächen war.

Wer traut sich denn heute noch im gesättigten Mitteleuropa noch für seine Überzeugung aufzustehen? Wer spricht unangenehme Wahrheiten aus, die uns etwas abverlangen?

Wir kaufen keine Ablassbriefe mehr. Aber wenn wir für unseren Flug nach London etwas mehr bezahlen, um das entstandene CO2 zu kompensieren, ist das wirklich was anderes? Ist der Einkauf von Fairtrade-Kaffee Zeichen eines veränderten Lebensstils oder kaschieren wir nur unser schlechtes Gewissen, wenn wir anschließend bei H&M einkaufen? Wir unterschreiben Petitionen für Journalisten, die in der Türkei eingesperrt sind, aber wir trauen uns nicht, unserem Chef die Wahrheit zu sagen, wenn er mit seiner Entscheidung daneben liegt.

Ein Mensch wie Luther würde heute mit seiner Widersprüchlichkeit anecken. Shitstürme wären vorprogrammiert, wenn er sich über Juden, Päpste und andere ausließe. Ohne solche Äußerungen gutzuheißen wünsche ich mir mehr Gnade miteinander, mehr Austausch von Argumenten statt Verurteilungen. Denn genau das hat Luther auch getan: „Das ist meine Erkenntnis, wenn ihr sie widerlegen könnt, will ich abschwören.“

In diesem Sinne feiere ich den Reformationstag im Gedenken daran, was passieren kann, wenn eine Person für ihre Überzeugung eintritt. Egal, ob sie nun Martin Luther, Rosa Parks, Edward Snowden oder Lieschen Müller heißt. Ob sie darüber hinaus fehlbar ist oder nicht, schmälert nicht den Verdienst.

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Reformation der Einheit

Oktober 31, 2014 in Allgemein von bettina

Am 31.10. gedenken wir dem Thesenanschlag Martin Luthers. Die Anklage der katholischen Praktiken durch einen Mönch und Theologen gaben den Anstoss zur Reformation in Deutschland und zur Kirchenspaltung. Eine Spaltung, die eher eine Zersplitterung war, da sich immer mehr Einzelkirchen von der westlichen Kirche abspalteteten. (West- und Ostkirche hatten sich schon eher getrennt.) Mit dieser Entwicklung ging etwas Wertvolles verloren: die Einheit der Christenheit.

Daher frage ich mich, obwohl ich getaufte Lutheranerin bin: Warum war die Abspaltung der Protestanten notwendig? Warum ließen geistliche und weltliche Amtsträger die Erneuerung innerhalb ihrer Instutionen nicht zu? War es Angst vor dem Machtverlust oder vor dem Unbekannten? Im Gegenzug müssen wir Jesus Freaks uns die Fragen gefallen lassen, ob wir mit unserer Bewegung die Zersplitterung nicht weiter vorantreiben.

In den1990ern konnte man durch abgrenzende Parolen diesen Eindruck bekommen. Doch bis heute haben wir keine neue Konfession begründet. In den Reihen der Jesus Freaks finden sich Lutheraner und Katholiken, Baptisten und Methodisten, Heilsarmisten und Pflingstler und viele Menschen, die in keine dieser Schubladen gehören, weil sie dort abgewiesen oder sich dort nicht angenommen fühlen. Trotz der Unterschiedlichkeit halten wir zusammen, denn wir wissen, dass Gottes Liebe nicht zur Teilung aufruft, sondern zur Einheit. Im Konzilprozess der Jesus Freaks, als eine Spaltung der Bewegung drohte, wurde der Gedanke der Einheit umso wichtiger und in der Charta an zentraler Stelle positioniert:

„Was uns zusammenhält sind weder gleiche Lebens- und Musikstile noch gemeinsame theologische Lehrmeinungen. Uns verbindet die erlebte Liebe unseres genialen Gottes. Er demonstriert an einem Haufen völlig unterschiedlicher Freaks, dass ER durch Ergänzung Einheit in gigantischer Vielfalt schaffen kann – nicht auf Kompromiss-, sondern auf Wunderbasis.“ (aus: Charta. Jesus Freaks Deutschland 2008)

Ich wünsche mir daher, dass wir den Reformationstag im Wortsinn begehen können, indem wir gemeinsam mit anderen Christen als Glieder eines Leibes die Einheit Christi „wiederherstellen“.

Bettina Kammer

 

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Brötchen und Verse statt Kürbis und Streiche

Oktober 31, 2013 in Allgemein von bettina

Viele Kinder laufen am 31. Oktober verkleidet umher, um Süßigkeiten zu sammeln oder aber Streiche zu spielen. Dieser Brauch kommt aus Amerika zu uns, wo ihn vorher irische Auswanderer bekannt gemacht haben. Das Fest nennt man Halloween, das kommt vom englischen „All Hallows’ Eve“, dem Tag vor Allerheiligen (1. November). Am 31.10.1517 schlug Luther seine Thesen (Merksätze) an die Kirchentür in Wittenberg und leitete damit die Reformation der Kirche ein. Deshalb feiert die evangelisch-lutherische Kirche alljährlich den „Reformationstag“. Heute ist der Tag vor allem für Kaufhäuser und Supermärkte ein Festtag, denn viele Leute kaufen Kostüme, Dekorationen und Süßigkeiten für Halloween.
Etwas selber machen und andere zu beschenken macht mehr Spaß. So zum Beispiel: Backt zusammen Reformationsbrötchen, verziert sie mit Fähnchen, auf denen etwas zur Reformation oder ein Bibelvers steht, und verteilt sie an Passanten oder geht von Tür zu Tür.

Eine leckere Tradition

Reformationsbrötchen stammen ursprünglich aus Martin Luthers Heimat, nämlich Sachsen/Sachsen-Anhalt. Dort wird dieses Gebäck zum Reformationsfest am 31. Oktober angeboten. Wie diese Tradition entstanden ist, weiß heute keiner mehr so genau. Vermutlich hat ein findiger Bäckermeister die Brötchen erfunden, um diesen Gedenktag kulinarisch etwas aufzuwerten. Am 31. Oktober 1517 schlug Martin Luther seine Thesen an die Wittenberger Schlosskirche. In seinen Thesen schrieb er u.a., dass man sich durch kein Geld der Welt von Schuld befreien kann, sondern Gott allein frei macht. Das Reformationsbrötchen soll eine Lutherrose darstellen, die war auf Luthers Siegel. Und nun: Guten Appetit!

Aus: Der Kranke Bote 5/2013 (Die Idee kommt von www.churchnight.de)

Ein Rezept für Reformationsbrötchen gibts bei kochbar.de