Ostern, die Zeit der Auferstehung. Aber welcher Jesus steht eigentlich in dir auf? Stell dir JETZT mal Jesus vor. Wie sieht er aus? Vielleicht denkst du an eines der Bilder Jesu, die heute überall verbreitet sind. Hauptsächlich gibt es drei Kategorien:

  • Ein junger, weißer Mann mit langen Haaren, ernst, aber mit weichen Gesichtszügen.
  • Ein anderes Jesus-Bild zeigt einen leidenden, gefolterten Jesus am Kreuz.
  • Das dritte, aber schon sehr seltene Bild ist das fröhliche: Ein lachender Jesus hat Kinder auf dem Arm und begegnet den Menschen.

Alle diese Bilder haben etwas Wahres, aber auch etwas Unwahres. Sie zeigen uns einen Aspekt Jesu, aber nicht alle zugleich. Uns wird bewusst, wir können Gott nicht vollständig beschreiben, er ist immer größer als das, was wir von ihm wissen und sehen.

Gehen wir einmal historisch an Jesus heran. Wissenschaftler haben Schädeln aus der Zeit Jesu ihr früheres Aussehen wiedergegeben, zum Beispiel diesem Mann auf dem Bild mit schwarzen Kräuselhaaren, einem eher dicken runden Gesicht und orientalischer Bräune. So ähnlich wird Jesus am ehesten ausgesehen haben …

Ein Paradies in den Katakomben
Etwas ganz Spannendes sind die ersten Bilder von Jesus. Sie sind in den unterirdischen Katakomben von Rom zu finden, die ich vor ein paar Jahren besucht habe. Die Calixtus-Katakombe bestand seit dem 1. bis Mitte des 5. Jahrhunderts nach Christur und ist damit die älteste von 60 Katakomben. Auf 20 Kilometern sind dort über 500.000 Menschen bestattet. Wie sieht Jesus hier aus?

Auffallend ist, dass es keine einzige (!) Kreuzigungszeichnung gibt. Jesu Sieg über den Tod und seine Auferstehung stehen im Vordergrund. Das Paradies wurde dargestellt: Viele fröhliche Menschen, Blumen, Hirten, Fischer – ein glückliches Bild. Jesus als Philosoph, der den Menschen Gott erklärt. Die frohe Botschaft dominiert.

Später im 4. Jahrhunter wird Jesus dem menschlichen Kaiser angeglichen: Triumphierend, in königlicher Tracht, thront er wie ein Herrscher inmitten eines Hofstaates.

Die frühste Kreuzigungsdarstellung taucht erst Anfang des 5. Jahrhunderts in Spanien auf. Wobei Jesus immer noch nicht leidend dargestellt wird, obwohl er am Kreuz hängt. Im Mittelalter rückt die Leidensgeschichte Christi – sein Märtyrertod mit vielen Qualen und Entbehrungen – in den Mittelpunkt.

Wie ist Gott?
Wir stellen fest, es gibt viele verschiedene Sichtweisen und Auslegungen „wie Gott ist“. Unterschiedliche Gottesbilder entstanden über die Jahrhunderte und stehen bis heute nebeneinander. Doch welches herrscht in uns? Das des leidenden Christi, das des liebenden Vaters, das des Freundes Jesu, der Gott der Kraft?

Darf Gott sich uns überhaupt anders offenbaren? Geben wir ihm Raum sich zu zeigen, wie wir ihn bisher gar nicht gedacht haben? Seine unterschiedliche Erscheinung wird schon in der Dreieinigkeit sichtbar. Er ist Vater, Sohn und Heiliger Geist, aber er ist auch inhaltlich vielseitig. In der Bibel wird er uns mal als Mutter, mal als Kämpfer, mal mit Barmherzigkeit und mal mit Wut vorgestellt.

Oft sitzen wir in unserem einen, eigenen Gottesbild fest. Und wenn sich Gott anders offenbart, kämpfen wir dagegen an. Zum Beispiel wenn jemand sagt: „Wenn Gott so ist, dann kann ich nicht mehr glauben.“ oder „Wie kann ein guter Gott so viel Leid zulassen?“ – Ja, er kann es zulassen. Aber müssen wir wegen dem Leid auf der Welt seine Liebe zu den Menschen anzweifeln?

Geben wir Gott Raum sich so zu offenbaren, wie er es gut findet! Wir brauchen dabei keine Angst haben, auch wenn es unseren bisherigen Glauben völlig in Frage stellt. Ich zumindest möchte Gott so kennen lernen, wie er ist und nicht, wie ich ihn gerne hätte.

Und wenn du dieses Jahr Ostern feierst, musst du vielleicht manche Bilder über Gott zu Grabe tragen und manche Bilder dürfen (wieder) auferstehen.

Fabian Backhaus

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