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Geistliche Verstopfung #6: Pluralismus oder Pluralität? Die einen Wahrheiten?

Photo by Aaron Thomas on Unsplash

Unsere katholischen Geschwister ringen mit sich und ihrer Institution!
Vor ein paar Wochen geht durch die Medien, dass die deutschen Katholiken ein Papier zu Sexualethik mit einer über 80-prozentigen Mehrheit verabschiedet haben, die Bischöfe aber, ihre „Hirten“, haben diesen Beschluss mit einer sogenannten Sperrminorität verhindert. Es ergibt sich für mich ein Bild von einer Herde, die mit ihren Hirten eine starke Vertrauenskrise durchlebt.

Als Protestant (als der ich mich immer noch bezeichne obwohl sich ein Freund neulich sogar genau darüber gewundert hat) stehe ich an der imaginären Seitenlinie und fiebere betend mit. Nie hätte ich gedacht, dass in der römischen Kirche (noch zu meinen Lebzeiten) soviel Bewegung stecken könnte!
Gleichzeitig beneide ich sie kein bisschen:
Der strukturelle Einheit und Verbundenheit mit dem Vatikan sitzt so tief, dass sie ohne eine gewaltige neue Frage nach der Identität der Kirche kaum gelockert werden kann. Die Struktur, die Kirche an sich, ist quasi heilig.

Da haben wir es etwas leichter: Schließlich hat uns Luther in die Wiege gelegt, das „Kirche“ überall sein kann. Wirklich überall? Natürlich nicht! Sondern nur da, wo die Schrift RECHT gelehrt wird und die Sakramente RECHT verwaltet werden (mit „recht“ meinte er „richtig“).
Also „Alles gut“, oder?
Nein. Worin dieses „richtig“ besteht hat er leider nie so klar definiert. Deswegen können wir uns seit 500 Jahren darüber streiten, wer denn nun recht hat und gleichzeitig auch dem* mit abweichender Meinung mit gutem Recht die „Kirchlichkeit“ absprechen.
Die Fragen, bei denen man „dem Herrn Jesus treu ergeben“ oder „ein endzeitlicher Lügenprophet“ sein kann sind beliebig austausch- und kombinierbar.
Sexualmoral, Evolution, Geschlechtlichkeit, Politik. Such dir eins aus.
Nur eins scheinen Protestanten nicht zu können: Mit denen, die anderer Lehrmeinung sind zusammen zu bleiben…

Stopp:
Es gibt, so möchte ich behaupten, auch hier ein „gallisches Dorf“: Die Jesus Freaks.
Sie sind bei weitem nicht die einzigen, die sich der Polarisierung und den Streitereien widersetzen.
Aber es ist die Bewegung, zu der ich seit 25 Jahren gehöre, und deswegen kann ich vor allem über diese Ecke der Christenheit sprechen.
Sie hat es immer wieder geschafft hat, miteinander auf einen Nenner zu kommen.
So wie Paulus sagt: „… und ertrage einer den andern und vergebt euch untereinander, wenn jemand Klage hat gegen den andern; wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr! Über alles aber zieht an die Liebe, die da ist das Band der Vollkommenheit“.
Deshalb an dieser Stelle ein Appell:
Lasst uns, um Gottes Willen, nicht aufhören mit dem, was wir so gut können:
Zusammenbleiben.

Euer Mattse Eichbauer (JF Münster)

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