Autor: matzewilli

Wer liebt viel?

Foto von Alex Woods
Foto von Alex Woods

Wolfgang aus Remscheid predigt über Jesus und die Sünderin aus dem Lukasevangelium. Er zeigt auf, wie schwierig es ist heutzutage das Thema „Sünde“ anzusprechen und damit angemessen umzugehen. Es gibt zwar in unserer Gesellschaft durchaus noch moralische Werte, deren Verfehlung auch als Verletzung eines common sense wahrgenommen wird. Jedoch ist eine Grundlegung dieser moralischen Werte ohne die Annahme einer absoluten Autorität problematisch. Zur Zeit Jesu waren diese moralischen Werte z.B. in den Zehn Geboten zu finden. Aber hielten wirklich diejenigen, die alle Anstrengungen und Mühen aufwendeten, die Gebote ein? Wenn Jesus dieser Sünderin das zuspricht, worauf das Gesetz abzielt, nämlich Liebe, dann scheint das ganze doch irgendwie anders zu funktionieren … .

Predigttext aus Lukas 7, 36 – 50

Es bat ihn aber einer der Pharisäer, bei ihm zu essen. Und er ging hinein in das Haus des Pharisäers und setzte sich zu Tisch. Und siehe, eine Frau war in der Stadt, die war eine Sünderin. Als die vernahm, dass er zu Tisch saß im Haus des Pharisäers, brachte sie ein Glas mit Salböl und trat von hinten zu seinen Füßen, weinte und fing an, seine Füße mit Tränen zu benetzen und mit den Haaren ihres Hauptes zu trocknen, und küsste seine Füße und salbte sie mit Salböl. Als aber das der Pharisäer sah, der ihn eingeladen hatte, sprach er bei sich selbst und sagte: Wenn dieser ein Prophet wäre, so wüsste er, wer und was für eine Frau das ist, die ihn anrührt; denn sie ist eine Sünderin. Jesus antwortete und sprach zu ihm: Simon, ich habe dir etwas zu sagen. Er aber sprach: Meister, sag es! Ein Gläubiger hatte zwei Schuldner. Einer war fünfhundert Silbergroschen schuldig, der andere fünfzig. Da sie aber nicht bezahlen konnten, schenkte er’s beiden. Wer von ihnen wird ihn am meisten lieben? Simon antwortete und sprach: Ich denke, der, dem er am meisten geschenkt hat. Er aber sprach zu ihm: Du hast recht geurteilt. Und er wandte sich zu der Frau und sprach zu Simon: Siehst du diese Frau? Ich bin in dein Haus gekommen; du hast mir kein Wasser für meine Füße gegeben; diese aber hat meine Füße mit Tränen benetzt und mit ihren Haaren getrocknet. Du hast mir keinen Kuss gegeben; diese aber hat, seit ich hereingekommen bin, nicht abgelassen, meine Füße zu küssen. Du hast mein Haupt nicht mit Öl gesalbt; sie aber hat meine Füße mit Salböl gesalbt. Deshalb sage ich dir: Ihre vielen Sünden sind vergeben, denn sie hat viel Liebe gezeigt; wem aber wenig vergeben wird, der liebt wenig. Und er sprach zu ihr: Dir sind deine Sünden vergeben. Da fingen die an, die mit zu Tisch saßen, und sprachen bei sich selbst: Wer ist dieser, der auch die Sünden vergibt? Er aber sprach zu der Frau:Dein Glaube hat dir geholfen; geh hin in Frieden!

Predigt (Audiodatei):

Fragen zum Nachdenken:

Hast du Sünden in deinem Leben, die dir nicht aus dem Kopf gehen wollen, obwohl du sie schon vor Gott gebracht hast?

Wenn ja, was macht das mit dir?

Glaubst du, dass Jesus für diese Sünden bezahlt hat?

Wie hängt deiner Meinung nach die Erfahrung von Vergebung mit der Fähigkeit zu lieben zusammen?

Den Heiligen Geist im Alltag erleben

Foto von Sunyu
Foto von Sunyu
Gudrun Raupach ist Schulleiterin einer christlichen Gesamtschule. Sie beleuchtet in ihrer Predigt vom 17.06.2018 in der FEG Bad Eilsen das Wirken des Heiligen Geistes bei der Geburt der ersten Gemeinde. Sie zeigt auf, wie wichtig es für Nachfolger Christi ist, mit dem Heiligen Geist zu lernen, auf der Gnade zu stehen und den inwendigen Menschen erneuern zu lassen.
Predigttext Apostelgeschichte 2, 37 – 47
37 Als sie aber das hörten, ging’s ihnen durchs Herz, und sie sprachen zu Petrus und den anderen Aposteln: Ihr Männer, liebe Brüder, was sollen wir tun? 38 Petrus sprach zu ihnen: Tut Buße, und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden, so werdet ihr empfangen die Gabe des Heiligen Geistes. 39 Denn euch und euren Kindern gilt diese Verheißung und allen, die fern sind, so viele der Herr, unser Gott, herzurufen wird. 40 Noch mit vielen anderen Worten bezeugte er das und ermahnte sie und sprach: Lasst euch erretten aus diesem verkehrten Geschlecht! 41 Die nun sein Wort annahmen, ließen sich taufen; und an diesem Tage wurden hinzugefügt etwa dreitausend Menschen. 42 Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet. 43 Es kam aber Furcht über alle, und es geschahen viele Wunder und Zeichen durch die Apostel. 44 Alle aber, die gläubig geworden waren, waren beieinander und hatten alle Dinge gemeinsam. 45 Sie verkauften Güter und Habe und teilten sie aus unter alle, je nachdem es einer nötig hatte. 46 Und sie waren täglich einmütig beieinander im Tempel und brachen das Brot hier und dort in den Häusern, hielten die Mahlzeiten mit Freude und lauterem Herzen. 47 und lobten Gott und fanden Wohlwollen beim ganzen Volk. Der Herr aber fügte täglich zur Gemeinde hinzu, die gerettet wurden.
Predigt (Audiodatei):
Fragen zu Nachdenken:
Erlebst du Mangel trotz Wohlstand in deinem Leben?
Gibt es Dinge oder Gedankenkonstrukte, die dich gefangen nehmen wollen?
Wie lebst du Gemeinschaft mit anderen Christen?
Wie könnte dein Leben aussehen, wenn du dich jeden Tag neu zu Christus kehrst?

Das lass mal meine Sorge sein! – Wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.

 

Foto by Ben White
Foto by Ben White

Predigt von Pastor Dr. Heinrich Christian Rust 

Es gibt drei Faktoren, die unsere Beziehung zu Gott stören wollen: Sünde, Schwäche und Sorge. Pastor Dr. Heinrich Christian Rust stellt in seiner Predigt anschaulich dar, wie insbesondere die Sorge unsere Nachfolge beeinträchtigt und weist dabei auf die zentrale Frage hin, was uns im Leben am meisten wert ist. Wenn wir beten oder in Veranstaltungen gehen und nehmen danach alle unsere Sorgen wieder mit nach Hause, dann haben wir vom lebendigen und Leben verändernden Gott wenig verstanden. Unser Vater ist ein Gott der Fürsorge, der zu uns spricht: „Das lass mal meine Sorge sein!“

 

Predigttext:

Matthäus 6, 19-34 – Aus der Bergpredigt Jesu

Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, wo die Motten und der Rost sie fressen und wo die Diebe nachgraben und stehlen. Sammelt euch vielmehr Schätze im Himmel, wo weder die Motten noch der Rost sie fressen und wo die Diebe nicht nachgraben und stehlen! Denn wo euer Schatz ist, da wird auch euer Herz sein. Das Auge ist die Leuchte des Leibes. Wenn nun dein Auge lauter ist, so wird dein ganzer Leib licht sein. Wenn aber dein Auge verdorben ist, so wird dein ganzer Leib finster sein. Wenn nun das Licht in dir Finsternis ist, wie groß wird dann die Finsternis sein! Niemand kann zwei Herren dienen, denn entweder wird er den einen hassen und den anderen lieben, oder er wird dem einen anhängen und den anderen verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon! Darum sage ich euch: Sorgt euch nicht um euer Leben, was ihr essen und was ihr trinken sollt, noch um euren Leib, was ihr anziehen sollt! Ist nicht das Leben mehr als die Speise 3 und der Leib mehr als die Kleidung? Seht die Vögel des Himmels an: Sie säen nicht und ernten nicht, sie sammeln auch nicht in die Scheunen, und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr nicht viel mehr wert als sie? Wer aber von euch kann durch sein Sorgen zu seiner Lebenslänge eine einzige Elle hinzusetzen? Und warum sorgt ihr euch um die Kleidung? Betrachtet die Lilien des Feldes, wie sie wachsen! Sie mühen sich nicht und spinnen nicht; ich sage euch aber, dass auch Salomo in all seiner Herrlichkeit nicht gekleidet gewesen ist wie eine von ihnen. Wenn nun Gott das Gras des Feldes, das heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird, so kleidet, wird er das nicht viel mehr euch tun, ihr Kleingläubigen? Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen? oder: Was werden wir trinken?, oder: Womit werden wir uns kleiden? Denn nach allen diesen Dingen trachten die Menschen, die Gott nicht kennen, aber euer himmlischer Vater weiß, dass ihr das alles benötigt. Trachtet vielmehr zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch dies alles hinzugefügt werden! Darum sollt ihr euch nicht sorgen um den morgigen Tag; denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Jedem Tag genügt seine eigene Plage.

 

Fragen zum Nachdenken

Was ist deine größte Sorge?

Wie beeinflusst diese Sorge deinen Alltag?

Ist diese Sorge realistisch oder übertrieben?

Was müsste passieren, damit diese Sorge sich auflöst?

Vertraust du darauf, dass Gott dich letztlich mit allem versorgen wird, was du brauchst?

Levis Privileg

Levis Privileg

Photo by Rahul Anil
Foto: Rahul Anil

Die Berufung Levis Lukas 5, 27 – 32

Und danach ging er hinaus und betrachtete einen am Zoll sitzenden Zöllner mit Namen Levi und sprach zu ihm: Folge mir! Und Levi stand auf, verließ alles und folgte ihm.

Und Levi machte ein großes Gastmahl in seinem Haus, und da war eine große Menge an Zöllnern und Anderen, die mit ihm waren und sich niedergesetzt hatten. Und die Pharisäer und ihre Schriftgelehrten murrten und redeten zu seinen Jüngern: Warum esst und trinkt ihr mit den Zöllnern und Sündern? Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Nicht die Gesunden bedürfen eines Arztes, sondern die, denen es schlecht geht. Ich bin nicht gekommen Gerechte zu rufen, sondern Sünder zur Umkehr.                                                                                                                                                                                                         

Wem gilt der Zuspruch und die Zuwendung Gottes?

Jesus gibt hier eine ziemlich deutliche Antwort auf diese Frage: Nicht Gerechten, sondern Sündern. Eigentlich klar, wenn man Paulus‘ „Da ist kein Gerechter, auch nicht einer.“ im Ohr hat. Aber zu Jesu Zeit war dieser Unterschied zwischen Gerechten und Sündern nicht so sehr einer theologischen Reflexion über die allgemeine Mensch-Gott-Beziehung geschuldet, sondern hatte seinen Anhaltspunkt eher im sozioökonomischen Status einer Person. Wer etwa als Zöllner tätig war, konnte schlicht nicht als Gerechter gelten, da er seinen Lebensunterhalt damit verdiente, den Einfluss einer widergöttlichen politischen Macht, die ihre Expansion nicht nur territorial, sondern auch kulturell vorantreiben wollte, aufrechtzuerhalten. Ob nun soziale Not oder politischer Zwang hinter der jeweiligen „Berufswahl“ standen, war dabei zweitrangig. Man hatte ja generell immer noch die Möglichkeit sich an den Straßenrand zu setzen und zu betteln.

Blinder Gehorsam?

Interessanterweise erfahren wir nicht besonders viel über Levi. Während wir in der Erzählung über Zacchäus zumindest ansatzweise erkennen können, dass er nicht wirklich beliebt beim Volk war, lässt uns der Evangelist über Levis Persönlichkeit eher im Dunkeln. So wirkt die unvermittelte Reaktion auf den Ruf Jesu äußerst befremdlich für uns. Dietrich Bonhoeffer deutete diesen auf den ersten Blick recht unverständlichen und scheinbar unüberlegten Schritt in die Nachfolge, indem er annahm, dass der Messias in sein Eigentum tritt und sich das erwählt, was er will. Diese Deutung stellt natürlich die Souveränität Jesu glänzend heraus, jedoch denke ich, dass es einen sehr viel einfacheren Grund für Levis „blinden Gehorsam“ gibt.

Ein ehrender Rabbi

Ich stelle mir die Situation wie folgt vor: Jesus beobachtet Levi eine Zeit lang bei seiner Arbeit, vielleicht irgendwo an eine Wand gelehnt. Er erahnt seine Sorge, seine Not und sein Unbehagen als Zöllner tätig zu sein. Darum geht er entschlossen auf ihn zu, um ihn anzusprechen. An dieser Stelle würde ich gerne wissen, was Levi bereits alles von Jesus wusste. Vielleicht dachte er: „Ist das nicht dieser Heiler, dieser Jesus, von dem einige behaupten, er sei ein großer Prophet? Oh Gott, warum kommt der hierher?“ Und er wird immer nervöser, je näher Jesus ihm kommt und überlegt sich schon Ausreden für seine Berufswahl, so was wie: „Ja Jesus, du weißt ja, dass ich schon immer mal was mit Menschen machen wollte und das war die einzige Möglichkeit.“ Aber insgeheim hatte er wohl vor allem die Befürchtung, dass das kommt, was normalerweise passiert, wenn Fromme auf offensichtlich Nichtfromme stoßen: eine Moralpredigt auf dem Fundament der Heiligen Schrift.

Doch dann geschieht das, was für jeden Nachfolger Jesu am Anfang seines Weges steht. Jesus kam, sah und überwand ihn. Es war damals eine gewaltige Ehre von einem Rabbi ausgewählt zu werden, was eigentlich nur den besten der besten Torahschülern passierte. Zudem mussten sich selbst diese noch bei einzelnen Rabbinern „bewerben“ und wurden nicht einfach auf der Straße angequatscht, schon gar nicht, wenn man Zöllner war. Jesus ignorierte bewusst diese Norm und wandte sich denen zu, die eigentlich keine Aussicht mehr auf gesellschaftliche Akzeptanz hatten. Und er ist nicht nur einfach freundlich oder fürsorglich, sondern er ehrt den Sünder. Jesu Ruf ist für Levi nicht zuerst eine Aufforderung, der Gehorsam zu leisten ist, sondern sie ist ein nicht auszuschlagendes Privileg, das er ohne zu zögern annimmt. Und aus überschwänglicher Dankbarkeit für den Genuss dieses Privilegs, gibt auch er, ähnlich wie Zacchäus, ein großes Festmahl. Wer den Ruf Jesu als dieses Privileg, als diese Ehrenbezeugung wahrnehmen lernt, kann nichts als Dankbarkeit und Liebe empfinden.

Fragen zum Weiterdenken:

Ist Jesu Ruf in seine Nachfolge für dich eher Befehl oder ein Privileg?

Was könnte Menschen heute davon abhalten, Jesu Ruf zu folgen?

Kennst du vielleicht einen Menschen aus deinem Umfeld, für den Jesu Ruf in seine Nachfolge eine befreiende Ehrenbezeugung wäre?

Ostern ist immer!

Auferstehung heißt mehr als das „Wiederlebendigwerden“ nach dem Strobert-nyman-442994-unsplasherben. Wir finden die Kraft der Auferstehung auch im Alltag. Lisa aus Münster setzt sich in ihrer inspirierenden Osterpredigt mit der Auferstehung Jesu als göttlichem Prinzip auseinander. Sie geht dabei auf den engen Zusammenhang zwischen Kreuz und Auferstehung ein.

So gibt es keine Auferstehung ohne das Kreuz. Auferstehung braucht einen Kontext. Es heißt immer: Auferstanden aus etwas anderem, aus der Tiefe. Unser Leben in der Nachfolge besteht in dem Spannungsfeld zwischen Trauer und Freude. Doch Jesu Verheißung lässt uns auf ein Ende in vollkommener Freude hoffen.                                                                                                                                                                                                                                                            Foto: Robert Nyman

Predigt zu Johannes 16, 19-24

Ein Arsch im Maulbeerfeigenbaum – *Sunday Sermon*

Am RandDer griechische Begriff für nachfolgen ist das Verb „akolouthein“. Dieser Begriff wurde nicht nur im Kontext des Neuen Testaments gebraucht, sondern hatte auch in der nicht-christlichen religiösen Umwelt eine Bedeutung. Dort wird das Nachfolgen oft als Nachahmung oder Imitation einer Gottheit verstanden, die zu Weisheit und Erkenntnis und oft zum persönlichen Heil führen sollte. Es ist interessant, dass die Autoren des Neuen Testaments eben diesen Begriff gewählt haben, um den Anhängern Jesu Orientierung für ihre Lebensgestaltung zu geben.  Die folgende Geschichte aus dem Leben Jesu gibt ein Beispiel dafür, wie wir ihn konkret nachahmen können.

Dann kam er nach Jericho und ging durch die Stadt. Dort wohnte ein Mann namens Zachäus; er war der oberste Zollpächter und war sehr reich. Er wollte gern sehen, wer dieser Jesus sei, doch die Menschenmenge versperrte ihm die Sicht; denn er war klein. Darum lief er voraus und stieg auf einen Maulbeerfeigenbaum, um Jesus zu sehen, der dort vorbeikommen musste.

Als Jesus an die Stelle kam, schaute er hinauf und sagte zu ihm: Zachäus, komm schnell herunter! Denn ich muss heute in deinem Haus zu Gast sein. Da stieg er schnell herunter und nahm Jesus freudig bei sich auf. Als die Leute das sahen, empörten sie sich und sagten: „Er ist bei einem Sünder eingekehrt.“

Zachäus aber wandte sich an den Herrn und sagte: „Herr, die Hälfte meines Vermögens will ich den Armen geben, und wenn ich von jemand zu viel gefordert habe, gebe ich ihm das Vierfache zurück.“
Da sagte Jesus zu ihm: „Heute ist diesem Haus das Heil geschenkt worden, weil auch dieser Mann ein Sohn Abrahams ist. Denn der Menschensohn ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist.“

Der Ruf des Heilands

Da haben wir nun Zacchäus, den kleinen Zöllner, der es recht offensichtlich mit seinem Job übertreibt. Ich stelle ihn mir als einen Mann mit relativ geringem gesellschaftlichen Ansehen vor und wenig Freunden und das höchst wahrscheinlich nicht ohne Grund. Wahrscheinlich war er ein geldgieriger kleiner Pfennigfuchser, mit dem nicht gut Kirschen essen war. Kurz gesagt: Er war wohl ’n Arsch! Doch wie uns der Evangelist mitteilen möchte, bewegte diesen kleinen Mann irgendetwas dazu, Jesus sehen zu wollen.

Warum Zacchäus Jesus sehen wollte, bleibt für uns im Dunkeln. Spannend jedoch ist, dass es im Endeffekt gar nicht so wichtig ist, welches Motiv dahinter steckte, dass Zacchäus auf den Maulbeerfeigenbaum stieg, um Jesus zu sehen. Denn egal wie edel die Motivation auch gewesen sein mag, es war der Ruf Jesu, der den weiteren Verlauf in seinem Leben veränderte: „Zacchäus, komm schnell herunter. Denn ich muss heute in deinem Haus zu Gast sein!“ Aus der ganzen Menschenmenge wählte Jesus diesen kleinen am Rande stehenden Zöllner aus. Und dies war der Ruf des Christus, der Ruf des menschgewordenen Gottes, der zu einem Leben in Gemeinschaft einlädt.

Wir alle sind Zacchäus

Niemand von uns ist Christ geworden, weil er sich von seinen Sünden freigemacht hat. Wir alle haben den Vorschuss der Liebe Gottes genießen dürfen, die uns dann im Folgenden freigemacht hat.

„Denn Gott erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus, als wir noch Sünder waren, für uns gestorben ist.“ (Römer 5,6)

Darum sind wir alle in uns selbst Sünder wie auch Zacchäus. Aber derjenige, der dich ruft, interessiert sich nicht zuerst dafür, welchen Beruf du hast, wie viele Gaunereien und wie viel Mist du gebaut hast! Er interessiert sich nicht so sehr dafür, was andere eventuell von dir halten, was du anhast, wie du so drauf bist, oder ob du n‘ Arsch bist!

Derjenige, der hier ruft, interessiert sich vor allem für eins: Für Dich! Und zwar für dich, so wie du in seinen barmherzigen, verständnisvollen und gütigen Augen bist! Und derjenige, der hier ruft, strahlt Wärme und Licht aus, die dein Leben umfangen sollen und dich vom Rand wieder zurück in die Mitte des Lebens holen wollen. Derjenige, der hier ruft, ruft dich von deinem Maulbeerfeigenbaum, aus deinem Schneckenhaus heraus, damit du wieder am Leben teilnehmen kannst!

Wir alle sind Jesus

Zum Thema Nachfolge gehört aber nun auch die andere Seite. Wir sind dazu aufgerufen, Christus nachzueifern, es Jesus gleich zu tun, ihn zu imitieren. Viele missverstehen Nachfolge als ein striktes Halten von Geboten und Verboten, damit sie Gott gefallen und dann später im Himmel, je nachdem wie gut sie es geschafft haben, entsprechende Belohnungen erhalten. Das ist so eine Art Sparbuchglauben. Natürlich gibt es auch den Gedanken des Lohns der Nachfolger im Neuen Testament, aber was mich immer an diesem Sparbuchglauben stört ist, dass es dem Sparbuchinhaber vor allem um sich selbst zu gehen scheint. Im Handeln Jesu sehe ich aber eine andere Tendenz.

Jesus ist nicht so sehr an sich selbst interessiert, an einem Lohn im Himmel oder an seinem Ansehen in der Welt. Er ruft hauptsächlich die Randgestalten, die Kleinen und nur wenige „Große“ in seine Gemeinschaft. Er bevorzugt das Schwache, Schlechte und Hässliche dieser Welt und nicht das Prachtvolle und Vollkommene und tritt mit dem Unbedeutenden in Beziehung.

Das bedeutet Nachfolge! Das heißt es, Jesus zu imitieren: Menschen einzuladen, ihnen nachgehen, sie rufen, um mit Ihnen Gemeinschaft zu haben, ihr Leid teilen, ihre Nöte als die eigenen Nöte annehmen und ihr Außenseiterdasein als das eigene am Randestehen wahrnehmen!


Fragen zum Nachdenken

Gibt es einen „Zacchäus“ in deinem Umfeld?

Was könnte deiner Meinung nach ein Besuch von dir bei ihm bewirken?

Was setzt du dabei aufs Spiel, wenn du dich mit diesem Menschen abgibst?

Welche Randgruppen würde Jesus wohl heute in seine Gemeinschaft rufen?