30 Jahre Jesus Freaks Stuttgart – „Was seid ihr denn für ein Haufen?“
[Bericht von Heio, Jesus Freaks Stuttgart]
Irgendwann in den Nullerjahren… nach den Gottesdiensten gingen wir häufig noch zu einem angesagten alternativen Platz, wo man sich in einem zur Kneipe umgebauten ehemaligen Klohäuschen ein Bier holt und dann auf dem Platz davor abhängt. Als der Kellner unsere Gläser einsammelt, fragt er einen von uns: „Ich beobachte euch schon eine Weile… was seid ihr eigentlich für eine Gruppe?“ Er bekam uns einfach nicht einsortiert: Ein gestyltes Mädchen neben einem Typ in zerissenen Jeans und Punkfrisur. Ein tätowierter Musikmanager neben einer Frau im Hippierock und ein Ingenieur ins Gespräch mit einem Obdachlosen vertieft…
Etliche Jahre zuvor sind die Jesusfreaks Stuttgart entstanden aus zwei völlig verschiedenen Gruppen: hier die Leonberger Teens mit Sehnsucht nach Freiheit und nach Coolness und dort eine chaotische Studentengruppe, die auf die Anzeige reagierte von einer Krankenschwester mit der Sehnsucht nach einem Ort christlicher Gemeinschaft, wo man Leute mit hinbringen konnte, die nicht dem bürgerlichen Mainstream entsprechen.
Dass diese beide Gruppen zusammenkamen und zueinanderfanden, war das erste Wunder bei JFS und es sollte nicht das letzte bleiben.
Wir waren jung und wild – einmal fiel einer von der Band beim Lobpreis um (allerdings vom Hopfengeist) und so manches Mal konnte man den Prediger durch den Rauchernebel nur noch akustisch wahrnehmen.
Wir waren leidenschaftlich, hipp und überheblich – eine 24/7 Gebetsaktion haben wir einfach spontan um eine Woche verlängert. Jugendgruppen aus anderen Gemeinden sind zu uns gepilgert und wir waren stolz, dass es bei uns so lebendig, natürlich und einfach geil war.
Wir waren ehrlich und auch dumm – unser Versagen haben wir immer wieder offen zugegeben und gewußt: Gott liebt uns wie wir sind, nicht wie wir sein wollen oder sollen. Einmal bauten wir monatelang an einer begehbaren Garagenskulptur als Kinderraum und merkten erst am Ende, dass wir das Ding nicht nutzen können.
Und wir waren ganz schön (besser: hässlich) am Ende – wir waren immun gegen theologische Irrwege wie Wort&Geist, aber anfällig für zwischenmenschliche Krisen und wir erlebten – als alles so schwer und zäh und frustrierend war – wie Gott uns neu belebte.
Wenn ich unsere JFS-Geschichte auf eine Formel bringen müsste, würde ich sagen:
Jesus – und immer wieder zurück zu Jesus!
Und dazwischen: durchhalten…
Zwei Liedzeilen, die das so gut ausdrücken:
„Jesus wir lieben dich, Jesus wir brauchen dich! Wir wollen bei dir sein, ganz nah bei dir!“ (Herz)
Und: „Wir kommen wieder immer wieder zurück zu dir!“ (Loblied)
In diesem Jahr haben wir unser 30jähriges Bestehen gefeiert. 30 Jahre Jesusfreaks Stuttgart !?!
Manches ist noch wie früher… anderes hat sich verändert. Auch, dass wir heute ein sehr herzliches Verhältnis mit den anderen christlichen Gemeinden in Stuttgart haben und gemeinsam mit ihnen Aktionen wie den krassesten Ostergarten Europas machen.
Wenn ich drüber nachdenke, was uns 30 Jahre werden lassen hat, dann sind es nicht unsere Strukturen – die haben wir oft genug wieder verändert. Es ist nicht eine bestimmte Kultur gewesen – wir hatten eigentlich immer total unterschiedliche Leute bei uns. Auch nicht gleiche politische Einstellungen oder eine einheitliche Corona-Meinung – hatten wir alles nicht.
Was uns zusammengehalten hat in aller Unterschiedlichkeit war Jesus in unserer Mitte. Jesus, der Gekreuzigte, unser Retter und unser Meister, dem wir folgen. Vor dem Kreuz haben wir uns gesammelt in unserer größten Krise, als wir fertig mit uns waren. Dort tauchte er auf und hauchte uns neue Hoffnung ein.
Und so wollen wir weitermachen solange es uns geben wird – egal welcher Trend kommt. Vielfalt in vielem – und Klarheit in einem:
Gegründet nicht auf uns. Auf sein Wort und seinen Geist und seine Liebe.
Auf unserer letzten Gemeindefreizeit kam der Koch am Abreisetag ans Mikro vor und sagte, dass er schon viele Gruppen und Gemeinden hatte, die von Gemeinschaft gesprochen haben, aber bei uns habe er es gesehen… wie wir miteinander umgegangen seien, alle zusammen, auch mit den Kindern in unserer Mitte… „Ihr habt da etwas ganz Wertvolles“.
Es scheint, dass unser Haufen inzwischen zu einer Gemeinschaft zusammengewachsen ist, die anderen auffällt. Vielleicht ist das ja eine besondere Gnadengabe von Jesusfreaks Stuttgart.
Grüße aus dem Süden,
Heio Schöffler (Gemeindediakon von JFS und im Ältestenteam)
PS: Wer mehr über unsere Geschichte wissen will: in Christina´s Buch „Warum ich da noch hingehe – die Kirche, Jesus und ich“ ist auch immer wieder unsere Gemeindegeschichte eingeflochten. Wer will kann es zum Jubiläumspreis von 5 Euro auf ihrem Blog bestellen: https://denspatzinderhand.blogspot.com
