Ich hatte seit 1 1/2 Jahren nicht mehr mit meinem Vater gesprochen. Nicht „Guten Morgen“, nicht „Danke“, „Bitte“, kein einziges Wort. Mein Haß auf ihn war zu groß. Er hatte mich belogen und sein Wort gebrochen.

Das hatte mich so tief verletzt, dass ich am liebsten mit Fäusten auf ihn eingeschlagen hätte. Meine Eltern litten sehr darunter. Mein Vater wollte gerne alles wiedergutmachen, aber ich ließ ihn nicht an mich heran. Für mich war er gestorben, existierte er nicht mehr.

Bis zu diesem Abend, an dem ich mit zwei Freunden in eine kleine Gemeinde ging. Ich war noch nie in einer christlichen Gemeinde gewesen. Ich lehnte Gott voll und ganz ab sowohl als Vater als auch als irgendeine existierende Größe. Eigentlich wollte ich gar nicht mit in die Gemeinde gehen . . .

An diesem Abend predigte ein Mann aus Australien. Er sprach von Gott und dass Er unser Vater sein will und uns liebt. Mitten in seiner Predigt kam der Prediger auf mich zu, sah mich an, legte mir die Hand auf und sagte:

„Diese junge Frau hat seit anderthalb Jahren nicht mehr mit ihrem Vater geredet. Gott will alles wiedergutmachen, denn er ist dein Vater im Himmel.“

Ich fiel fast um, weil ich mir nicht erklären konnte, woher er das wusste. Aber mein Herz war so leicht, als wenn gerade eine Zentnerlast davon abgefallen wäre. Und ich wusste, der Prediger hatte recht. Gott liebte mich als ein Vater! Diese Liebe erfüllte mein Herz bis zum Platzen.

Ungeduldig raste ich nach Hause, klingelte mitten in der Nacht meine Mutter aus dem Bett und schrie im Treppenhaus: „Wo ist mein Vater? Ich muss zu ihm!“ Sie wollte mich zuerst nicht durchlassen, weil sie dachte, ich wäre nun vollends durchgedreht. Ich drängte mich vorbei und warf mich auf meinen total verdatterten Vater und rief immer wieder „Ich habe dich total lieb, ich liebe dich ja so!“ Er antwortete: „Mein Engel, mein Engel . . .“ Wir heulten beide wie die Schloßhunde vor lauter Glück und Erleichterung.

So hatte ich an einem Abend zwei Väter auf einmal bekommen.

 

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Taufe