Ich weiß nicht, ob du „Der Hase und der Igel“ kennst, die Geschichte, in der der Igel immer schneller als der Hase ist und schreit: „Ich bin schon da!“

Ich weiß nicht, ob du schon mal vor was davongelaufen bist. Ich bin ungefähr fünf Jahre vor Jesus davongelaufen. Ich fand Jesus eigentlich ganz nett, aber seine Ansichten, wie man sein Leben gestalten sollte, fand ich nicht nett. Ich habe mich mit Händen und Füßen gewehrt und bin gerannt und gerannt. Und er hat immer nur gesagt: „Ich bin schon da.“

Irgendwann war ich so weit weg, daß ich am liebsten gestorben wäre. Mein Leben war nur Show und Fassade, ich war leer wie eine ausgetrunkene Fanta-Dose. Ich konnte schlicht und ergreifend nicht mehr. Ich wusste, wenn ich noch einen Schritt weitergehen würde, würde nicht mehr viel übrigbleiben von mir.

Also schrie ich diesen Jesus an, er solle mir jetzt helfen, wenn er schon so penetrant ständig da wäre, und ich wüßte gar nicht, wie er sich das vorstellt, wie ich so leben könnte, wie er das will und überhaupt.

Er war sehr geduldig, hat alles angehört, hat mich getröstet und gesagt: „Vertraust Du mir?“

Mir war so elend, aber ich habe „Ja“ gesagt, und so fing alles an.

Er hat mir ein neues Leben geschenkt. Als ich das erste mal kapiert habe, warum Jesus so cool ist, war ich 16 Jahre alt.

Mir war obermäßig langweilig, ich war nämlich auf einer Familienfeier. Das einzig Interessante war ein Streit zwischen meinem Opa und einem anderen Typen. Der andere war überzeugter Atheist, wie er sagte, und mein Opa ist evangelischer Pfarrer. Also, die zwei kratzten sich halb die Augen aus. Alle anderen Gäste sind schon geflüchtet, denn die zwei hatten sich wohl schon öfters gefetzt. Ich fand’s witzig und hab in drei Meter Abstand zugehört.

Da sagte mein Opa: „. . . der Unterschied zu allen anderen Weltreligionen ist, dass Gott auf die Erde gekommen ist zu den Menschen, und überall sonst versuchen die Menschen, durch irgend was zu Gott zu kommen . . . „

Ich saß da wie vom Blitz getroffen. Vielleicht weißt du das ja schon lange, aber ich hab es da das erste Mal kapiert. Gott ist für mich hier runtergekommen – hat sich umbringen lassen wegen mir. Er hat es gemacht, weil ich sonst nicht zu ihm könnte. Ich fand es ziemlich heftig und wußte gar nicht, was ich sagen sollte. Ich hätte gern jemand gehabt, der mir das genauer erklärt, aber ich hab mich nicht getraut zu fragen. Inzwischen weiß ich, dass es keine dummen Fragen gibt und dass ich jeden Tag neu kommen kann; und ich bin froh, dass ich Freunde hab, die mir Antworten geben.

Jesus ist manchmal ziemlich witzig drauf. Früher dachte ich, er wäre langweilig, aber inzwischen beweist er mir fast täglich das Gegenteil.

Neulich war ich bis nachts um 2.00 Uhr unterwegs, eigentlich wollte ich am nächsten Morgen in einen Gottesdienst, andererseits war ich saumüde. Naja – ich hab den Wecker auf „Ausschlafen“ gestellt und zu Jesus gesagt: „Wenn ich in den Gottesdienst soll, musst du mich schon aufwecken.“ Das hat er auch glatt gemacht. Ich bin hin und es war ziemlich gut.

Ein anderes Mal ist mir beim Radfahren eingefallen, dass es Gott vielleicht nicht so gefällt, wenn man über rote Ampeln fährt. Also hab ich geübt, anzuhalten. Das ist gar nicht so einfach – dich nervt jede Minute, die du stehen musst, oder wenn andere einfach drüberradeln. Aber ich hab’s gelernt. Das war echt gut, denn ein paar Wochen später hab ich einen Typen kennengelernt. Der wollte was von mir. Man muss dazu sagen, dass ich bevor ich mich für Jesus entschieden habe in Beziehung Männer sehr eifrig war. Als ich endlich (nach fünf Jahren) eingesehen habe, dass Gott auch an dem Punkt viel klüger ist, und ihm erlaubt habe, mein Leben ganz und gar zu haben, hat er mich wie neu gemacht. Meine Männergier und mein Liebeshunger waren wie weg.

Nun zurück, dieser Typ hat mich also echt angemacht. Und ich dachte, was soll’s, ist eh schon alles gelaufen, einmal ist keinmal, blabla . . .

Und Jesus? Er sagte nur: „Bist Du Dir so sicher?“ Nein, hab ich gedacht – die Ampel ist rot. Es wäre sicher keine große Sache – diese Nummer zu schieben. Aber Gott findet’s scheiße. Und ich weiß es, und weil ich Gott liebe, halte ich an.

Im Nachhinein bin ich sehr froh darüber. Aber in der Situation hab ich mich gar nicht froh gefühlt. Manchmal ist das, was Gott sagt, nicht einfach. Aber es ist auf jeden Fall das Klügste überhaupt. Ich bin ein Kind, und was mein Papa sagt, verstehe ich manchmal nicht, aber ich weiß, dass er mich lieb hat und mein Bestes will. Er hat mich vor großem Herzschmerz und Gewissensbissen beschützt. Er hat mir schon vorher mit der Ampel erklärt, dass man manchmal anhalten muss, auch wenn man keinen Bock drauf hat. Er hat mir soviel Tolles geschenkt und ich will seine Geschenke nicht in den Mülleimer werfen. Aber selbst wenn mal was kaputt geht, ist er immer da und tröstet mich. Er ist echt und real und das Beste überhaupt.

Ich liebe ihn.