Das atlantische Gefühl der Ermattung

Oktober 14, 2018 in Sunday Sermon von matzewilli

Das atlantische Gefühl der Ermattung

Atlas trägt die Welt

Atlas trägt die Welt

Atlas kämpfte nach Vorstellung der Alten Griechen nach der Entstehung der Erde zusammen mit anderen Titanen auf der Seite des Kronos gegen dessen Sohn Zeus. Nachdem Zeus diesen Kampf gewann, legte er Atlas eine unglaubliche Strafe auf: Er sollte fortan das Himmelsgewölbe auf seinen Schultern tragen, damit Himmel und Erde zukünftig auf Distanz gehalten werden konnten, um ein Aufeinanderprallen zu verhindern. Klingt komisch, ist aber so. Interessanterweise hat sich im Laufe der Kunstgeschichte die Darstellung des Atlas, der ja eigentlich nur das Himmelsgewölbe tragen sollte, dahingehend weiterentwickelt, dass er zunehmend als derjenige in Erscheinung trat, der nicht nur das Himmelsgewölbe, sondern den ganzen Globus, die ganze Last der Welt auf seinen Schultern zu tragen hatte.

Was haben wir mit Atlas zu tun?

Unser Jahresthema bei den Jesus Freaks ist ja das Thema „Nachfolge“. Alle überregionalen Angebote z.B. auf dem Educamp usw., kreisen um dieses Thema „Nachfolge“. Was bedeutet es, Jesus nachzufolgen? Was muss ich dafür aufgeben? Was bekomme ich dafür? Was bekommt die Welt dafür? Schaffe ich das überhaupt oder ist es eine so große Last, dass ich es nicht schaffe? Und was ist überhaupt das Ziel von Nachfolge?

Für mich ist das ein sehr herausforderndes Thema, das jedoch schlichtweg unumgehbar ist, wenn man sich weiterhin Christ nennen will. Die Bergpredigt spiegelt den ganzen Anspruch, den Jesus an uns stellt wieder. Und es ist glaube ich sehr deutlich, wie unbedingt dieser Anspruch Jesu an unser ganz persönliches Verhalten im Alltag und in jeder Situation unseres Lebens ist. Und dieser Anspruch setzt ethische Maßstäbe, die Gold wert sind.

Ich erlebe allerdings auch Tage, an denen ich mich so ähnlich wie Atlas fühle. Gold wiegt eben auch ne ganze Ecke was. Viele von uns kennen dieses Gefühl glaube ich. Woher es aber kommt, weiß man manchmal nicht so genau. Wir wachen morgens auf, nachdem uns wahlweise der Wecker oder unsere Kinder oder Haustiere aus dem Schlaf reißen. Wir waschen uns im Bad den Schlaf aus den Gliedern und schlingen uns schnell was in die Wampe, um nicht mit knurrendem Magen durch den arbeitsreichen Vormittag zu stolpern. Nebenbei checken wir noch unsere Benachrichtigungen auf Whatsapp, gmx und Co., stöbern noch einige Schlagzeilen aus diversen Newslettern durch und würgen uns dann solche Mitteilungen rein wie z.B.:

  • 135 Tote bei Terroranschlag in Kabul,
  • Beziehungsdrama in Beckendümpel: Mann ersticht Ehefrau aus Eifersucht,
  • Verbraucherschutz zieht negative Bilanz – Keine Lösung im Dieselskandal in Sicht,
  • Youtubestar Bibi kurz vor der Geburt,
  • Humanitäre Katastrophe bahnt sich an – Erdbeben in Indonesien fordert immer mehr Tote jetzt spenden.

Und die klugen unter uns schlagen dann noch, bevor der Alltag so richtig ins Rollen kommt, das biblische Wort auf und lesen dann so etwas wie:

  • Darum, solange wir noch Zeit haben, lasst uns Gutes tun an jedermann, allermeist aber an des Glaubens Genossen. Gal 6,10“
  • Wer da weiß Gutes zu tun, und tut’s nicht, dem ist’s Sünde.“ Jak 4,17
  • Was ihr nun wollt, das euch die Menschen tun sollen, das tut auch ihnen.“ Mt 7,12

Es ist doch offensichtlich, dass wir, wenn wir diese biblischen Handlungsanweisungen vor dem Hintergrund aller Nöte dieser Welt auf uns wirken lassen, wir schnell ein solches atlantisches Gefühl der Ermattung entwickeln können.

Gottes Wort wird so schnell zur Überforderung, wenn man die täglichen Horrornachrichten mitbekommt. Und wenn ich an mich selbst den Anspruch stelle, dass ich alles Gute, das ich zu tun wüsste, auch tue, dann merke ich sehr schnell, wie ich an meine Grenzen stoße. „Ich schaffe das nicht. Mein ganzes Leben besteht aus Kompromissen.“ Ich merke dann bei jeder Entscheidung, die ich treffe oder getroffen habe, dass sie ein Kompromis war zwischen dem, was ich für Gottes Anspruch an mich halte und dem, was ich mit Anstrengung und manchmal enormer Selbstüberwindung gerade noch zustande bringe.

Wer unreflektiert und leichtfertig seinen Blick auf die Katastrophen und das Leid unserer Welt ziehen lässt, steht in der Gefahr, zu kapitulieren und vielleicht sogar den ethischen Anspruch Jesu an sein eigenes kleines Leben zu ignorieren. Ich stehe spürbar immer wieder in dieser Gefahr. Vielleicht geht es dir ja ähnlich. Dann sei gegrüßt! Du bist nicht allein.

Wir haben heute sehr viel mehr Gelegenheiten uns mit Meldungen über Chaos, Leid und belanglosem Mist aus der ganzen Welt zuzumüllen, als zu jeder anderen Epoche in der Geschichte der Menschheit. Und Angesichts der gigantischen Last, die sich vor allem durch die neuen Medien im Sekundentakt in unsere Gefühlswelt hineinbohren kann, wenn wir bspw. ein ertrunkenes Kind am Strand liegen sehen oder von Mitmenschen hören, die unsägliche Schrecken durchlebt haben, dann macht sich bei uns eine fassungslose Ohnmacht breit, dass sie alle Freude am Christusglauben zu ersticken droht. Kann ich Eltern ihr gestorbenes Kind wiedergeben? Kann ich Tsunamis aufhalten oder Erdbeben? Kann ich das? Wie gehe ich mit so einem atlantischen Gefühl der Ermattung um, so dass es mein Vertrauen in Christus nicht zerstört?

Wie kann ich damit umgehen?

Es gibt ein paar Punkte, die mir helfen. Sie lösen nicht alle Probleme, aber sie geben mir Lichtblicke und eine Art Anker, an dem ich mich festhalte, wenn es wieder schlimm wird:

1. Gott leidet mit

Als Johannes der Täufer Jesus sieht, bezeugt er: „Siehe, das ist das Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt.“ Joh 1,29) Nicht Atlas soll die ganze Last der Welt tragen, nicht wir sollen die ganze Last der Welt tragen, sondern Christus, das Lamm Gottes trägt die Last der ganzen Welt!“ Dabei geht es nicht nur um meine und deine eigenen Sünden, sondern um die Sünden der ganzen Welt, des ganzen Kosmos. Nur mit diesem Christus an meiner Seite kann ich mich den Nöten und dem Leid dieser Welt stellen. Nur wenn ich glauben darf, dass ich nicht alle Last auf mich nehmen muss, traue ich mich, Leid anzusehen und es näher an mich heranzulassen und mitzuleiden. Gott schaut nicht weg vom Leid, sondern zieht sich das Leid an, ist im Leiden gegenwärtig. Mitleid ist ein Wesenszug Gottes. Die Lehre von der Inkarnation Gottes sagt genau das aus. Das heißt für mich, dass Gott auch in meinem Leid und in meinem Mitleid gegenwärtig ist. Und ich will lernen, das zu akzeptieren, auch wenn es sich alles andere als schön anfühlt, weil ich Gott dort finden kann.

2. Gott hat den (Zeit-)Plan

Ein Blick darauf, was Jesus bewegt hat, gibt mir Orientierung in den unzähligen Möglichkeiten, Gutes zu tun: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Der Sohn kann nichts von sich selber tun, sondern was er sieht den Vater tun; denn was dieser tut, das tut gleicherweise auch der Sohn. Der Vater aber hat den Sohn lieb und zeigt ihm alles, was er tut, und wird ihm noch größere Werke zeigen, daß ihr euch verwundern werdet.“ Joh 5,19

Jesus war ohne Sünde. So bezeugt es uns das biblische Wort. Nun gab es jedoch auch zur Zeit Jesu Leid und Nöte, die er nicht beseitigt hat. Beispiel hierfür ist der Kommentar des Judas bei Jesu Salbung, man könne doch das Geld für das teure Öl an die Armen verteilen. Wäre das nicht besser gewesen? Oder: Wenn er das Brot vermehrt hat für ein paar tausend Menschen, warum dann nicht gleich für alle Hungernden oder wenigstens für alle Hungernden in Israel? Ohne Sünde sein heißt wohl nicht, alles Leid zu beseitigen. Aber es heißt sehr wohl, das zu tun, was einem der Vater im Himmel zeigt.

Gott herrscht nach seinem eigenen Plan und er tut das offensichtlich zusammen mit Menschen, die ihm gehorchen. Das ist das Ziel meiner Nachfolge, gehorsam gegenüber Gottes Reden werden. Nicht um das als faule Ausrede dafür auszunutzen, wenn man mal keinen Bock hat, jemanden zu lieben oder Gutes zu tun. So nach dem Motto: Ja, „ich hab den Eindruck“, dass Gott gerade nicht will, dass ich spende oder meiner Frau treu bin oder die andere Wange hinhalte. Der Kanon heißt nicht umsonst Kanon, also Maßstab. Hier finden wir die Definition für eine gottgefällige Lebensweise und können damit erkennen, ob wir uns wirklich nach Gottes Reden sehnen. Also nicht als Ausrede, sondern als eine Art Priorisierung.

Jedesmal, wenn mich die Last unserer geplagten Welt erdrücken will, will ich mit Gott ins Gespräch kommen und ja! ich meine ins Gespräch kommen. Ich will keine Monologe führen, sondern möchte, dass Gott mir zeigt, was ich in diesen belasteten Momenten tun soll. Denn Gott kennt den perfekten Zeitpunkt, die Bibel spricht auch von dem kairos, um uns ganz konkrete und wirkmächtige Aufträge zu erteilen:

Als ein kleines Beispiel für die Tragweite gehorsamer Taten von Menschen sei hier Hananias erwähnt. (Apg 9,10-19) Hananias gehorchte dem, was er gehört hatte und Paulus trug das Evangelium in die Welt hinaus und schrieb fast die Hälfte des Neuen Testaments. Kleine gehorsame Tat → enorm große Wirkung.

3. Gott schafft eine vollendete Welt ohne Leid

Im Missionsbefehl bezeugt uns die Bibel, dass Jesus alle Macht und Autorität im Himmel und auf Erden innehat. Mir gibt das die Hoffnung, dass es jemanden gibt, der Eltern ihr gestorbenes Kind wiedergeben kann und dass es eine Welt geben kann, in der es keine Katastrophen und kein Leid mehr geben muss. In der der Tod nicht das letzte Wort haben wird, sondern der Heiland. Atlas ist eine Erfindung des Menschen, aber Jesus ist real!

Fragen zum Nachdenken

Kennst du auch das Gefühl, dass dir alles zu viel wird?

Trägst du vielleicht Lasten, die du gar nicht tragen sollst?

Hast du Leute um dich, die dir dabei helfen, Gottes Reden in deinem Leben wahrzunehmen und umzusetzen?

Vertraust du darauf, dass Gott dich frei machen und nicht erdrücken will?

 

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Säen und danken

Oktober 7, 2018 in Sunday Sermon von bettina

pflanzen_kircheHeute wird in vielen Gemeinden das Erntedankfest gefeiert. Die Menschen danken Gott für die Ernte. Obwohl sich kaum jemand komplett aus eigenem Anbau versorgt, haben die meisten ein Bedürfnis danach, Pflanzen wachsen und gedeihen zu sehen – und sei es ein Topf Basilikum auf dem Fensterbrett.

Wenn ich ans Erntedankfest denke, frage ich mich, was habe ich dieses Jahr gesät und gepflanzt? Die Buntnessel und die Petersilie zählen nicht wirklich. Dafür kommt mir diese Rubrik in den Sinn: Sunday Sermon. Im letzten Herbst keimte eine Idee, wie der Medienbereich Jesus Freaks mit guten Impulsen versorgen könnte.

Warum nicht vorhandene Predigten nutzen und aufbereiten? Aber schaffe ich das regelmäßig? Eigentlich höre ich kaum Onlinepredigten. Vielleicht könnte man auch mal Texte über eine Bibelstelle oder eine Glaubenserfahrung nehmen? Mit diesen Überlegungen startete ich das Experiment beim Adventskalender 2017. Vier Sonntage, ein überschaubarer Zeitrahmen. Gedacht, getan. Und siehe da – es hat funktioniert.

Ermutigt durch die positiven Rückmeldungen, nahm ich mir vor, es im Jahr 2018 weiterzuführen. Doch allein hätte ich das nie geschafft! Mir standen Menschen zur Seite, die mir Predigten, Podcasts und Blogs empfohlen sowie eigene Texte und Predigten beigesteuert haben. Vielen Dank an euch! Vor allem aber möchte ich Matze danken, der seit dem Frühjahr für Kontinuität gesorgt, zahlreiche Predigten aufgespürt und eigene Gedanken geteilt hat.

Wenn ich jetzt zurückschaue, kann ich erkennen, wie aus einer kleinen Idee etwas Größeres gewachsen ist. Ich sehe die wertvollen Impulse und freue mich, dass sie Leser*innen ermutigt, erinnert und getröstet haben. Das ist unsere Ernte und dafür danke ich Gott.

Bettina

Möchtest du die Sunday Sermon beim Wachsen und Gedeihen unterstützen? Wir als Medienbereich freuen uns, über weitere Autor*innen, Predigtsucher*innen und technische Unterstützer*innen, aber auch über Feedback und Hinweise. Schreib an: medien@jesusfreaks.de

Fragen zum Nachdenken

Was hast du seit dem letzten Jahr gesät?

Was hast du wachsen lassen?

Welche Person hast du begleitet und in ihrem Wachstum unterstützt?

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Zufluchtsorte

September 30, 2018 in Sunday Sermon von bettina

schirm_mutterStille. Dieses Wort klingt irgendwie seltsam fremd. Ich sitze in der Mensa, links und rechts wuseln die Leute. Der bekannte Geräusch- und Aktivitätspegel im Hintergrund ist mir vertraut, dieses Summen ist normal. Ich lasse mich nicht ablenken. Ich brauche keine Stille, damit die Dinge funktionieren und ich mit mir zufrieden bin. In solchen Momenten kann ich das Problem fehlender Stille und das Gute, das durch sie entstehen könnte, gar nicht erkennen. Produktivität, ständige Kommunikation und schlicht die Erfordernisse der Erwerbsarbeit gehören einfach zu den Grundbedingungen des Menschen der Moderne und folgender Epochen: Wir sind so (geworden). Was soll mir Stille schon bringen?

Und dann kommt da dieser Jesus und bietet uns Menschen „Ruhe“ an (Matthäus 11,28). Gott selber möchte den Menschen zur Ruhe führen und ihn damit aus dem Land der Versklavung und der falschen Sicherheiten herausrufen. „Soll ich selbst mitgehen und dich zur Ruhe führen?“, fragt Gott Mose. Warum macht er das? Warum ist ihm das wichtig?

1. Stille ist die Freiheit, von mir weg und hin auf Gott zu schauen.

Es tut mir gut, mir Zeit mit Jesus zu nehmen um mich einfach mit ihm auszuquatschen. Ihm alles zu sagen und damit auch aufzubürden, was mich belastet (er mag das!). Frust bei ihm abzuladen. Ihm zu sagen, was mich erfreut und zu erleben, dass er diese Freude teilt. In solchen Zeiten darf nur derjenige zu mir reden, der Wahrheit über mich aussprechen kann, nämlich Gott. Nicht andere Menschen, nicht der Arbeitsmarkt, nicht mein anklagendes Gewissen.

Dabei hilft es mir, ein paar Psalmen anzugucken oder im Buch Jesaja zu blättern. Dadurch fokussiert sich mein Blick und das Herz auf das wirklich Wichtige und weg von tausend anderen Dingen, die ich ja machen könnte. Ich erlebe in solchen Zeiten, dass Gott mich füllt mit Frieden, Freude, Hoffnung, Optimismus und Stärke.

2. Still sein heißt ganz Mensch sein, weil ich nicht produktiv sein muss.

Könnte es sein, dass wir Menschen der westlichen Hemisphäre seit langer Zeit einen Arbeitsethos verinnerlichen, der aussagt, dass ich erst dann ganz Mensch bin, wenn ich produktiv bin? Und könnte es
sein, dass dahinter die eigentliche tiefe Angst steckt nicht genug zu sein? Solche Stimmen werden bei mir lauter, sobald ich längere Zeit Unruhe ausgesetzt bin.

Andererseits erlebe ich in Zeiten der Stille und im Gebet, dass ich in Gott ganz aufgehoben bin, genug bin und er mich liebt – unabhängig von meiner Produktivität, meinem Output. Das macht unglaublich frei, weil ich mich nicht mehr vor anderen Mächten rechtfertigen muss. Die Gefahr für mich ist, dass ich glaube, auch in meiner Freizeit funktionieren zu müssen, zum Beispiel in der Gemeinde, weil ich das in meinem Job täglich verinnerliche. Dabei kommt tatsächliche Stärke nicht aus unserem Wollen oder aus großer Anstrengung, sondern aus unserem Herzen, das nur in der Zweisamkeit mit Jesus lebendig und stark wird (Jesaja 30,15b). Das habe ich selbst im letzten Jahr immer wieder erlebt.

3. Wir werden selbst zu einem Zufluchtsort vor dem Sturm für andere Menschen.

Bei Christus heißt empfangen immer auch die Befähigung zur Selbsthingabe, zur Liebe. Gott wünscht
sich, dass wir zu ihm kommen und das von ihm nehmen, was er uns geben will, damit wir tun können,
was er gut findet. Das nennt die Bibel „Umkehr“. Uns wird in Jesaja Großes verheißen, wenn wir uns Gott zuwenden (und dabei geht es nicht um dein Tun, sondern ,nur‘ um dein Empfangen):

Sieh, es wird ein König kommen, der gerecht regiert, und Fürsten, die ihr Amt nach Recht und Gesetz ausführen. Jeder von ihnen wird wie ein Schild vor dem Wind und wie ein schützender Raum vor dem Sturm sein; wie Wasserbäche, die durch eine dürre Gegend fließen oder wie der Schatten eines gigantischen Felsens in einem vom Durst erschlafften Land. (Jesaja 32,1 f.)

Wir werden selbst zu einem Bergungsort für andere, zu einem Rückzug, weil Gott in jedem von uns lebendig ist und uns immer wieder Ruhe verschaffen will. Empfangen in der Abgeschiedenheit, Geben in der Gemeinschaft. – So ist es möglich, dass wir ganz in der Welt sind, aber nicht von dieser Welt, den Menschen dienen und in Zeiten heftiger Stürme getrost bleiben, sprechend mit Psalm 62,8:

Bei Gott ist mein Heil, meine Ehre, der Fels meiner Stärke; meine Zuversicht ist auf Gott.

Jan-Hendrik Wefers

Dieser Text wurde zunächst im Jesus Freaks Magazin (Korrekte Bande) Ausgabe 6/2017 veröffentlicht.

Die Hauptsache

September 23, 2018 in Allgemein, Sunday Sermon von matzewilli

„Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken.“ Mt 22,37

Foto: Aaron Huber

Foto: Aaron Huber

Die Hauptsache ist, dass die Hauptsache die Hauptsache bleibt. Mit Esprit und viel Charme lehrt Pastor Dr. Tillmann Krüger in der Friedenskirche Braunschweig über die zentralen Inhalte des christlichen Glaubens. Eine ermutigende Auffrischung unserer Glaubensüberzeugungen mit einer klaren Aufforderung zur Nächstenliebe, die in der Erfahrung des Geliebtseins gründet.

Fragen zum Nachdenken:

Gibt es Dinge in deinem Alltag, die wie Hauptsachen wirken, aber eigentlich Nebensachen sind?

Was hindert dich daran, Gottes Liebe zu erleben?

Was hindert dich daran, deinen Nächsten zu lieben?

Könnte man das ändern?

 

Predigt von Dr. Tillmann Krüger

 

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Protest gegen den Tod

September 16, 2018 in Sunday Sermon von bettina

tod_linda-xu_unsplashDas unschuldige Sterben eines Kindes, eine Naturkatastrophe, die tausende Leben auslöscht, ein Völkermord, der den Atem nimmt – Gründe zum Zweifeln angesichts des Todes gibt es genug.

Dem steht das Angreifbarste und Wichtigste des christlichen Glaubens entgegen: Wir mögen hier und jetzt den Tod erleiden – durch Christus verliert der Tod seine Macht. Das geschah schon zu Jesu Lebzeiten, als er Menschen dem Tod abrang. Durch Jesu Sterben und Auferstehen ist der Tod endgültig besiegt. Aus der Hoffnung heraus, dass der Tod nicht das letzte Wort hat, könnten Christen mutiger und weitsichtiger in Liebe leben. Sich daran zu halten und darauf zu vertrauen, dass Gottes Güte mächtiger ist als der Tod, dazu ermutigt dieser Sonntag.

Die Geschichte von Lazarus

Marta sagte zu Jesus: »Herr, wenn du hier gewesen wärst, hätte mein Bruder nicht sterben müssen.  Aber ich weiß, dass Gott dir auch jetzt keine Bitte abschlägt.« »Dein Bruder wird auferstehen«, sagte Jesus zu Marta. »Ich weiß«, erwiderte sie, »er wird auferstehen, wenn alle Toten lebendig werden, am letzten Tag.«Jesus sagte zu ihr:

»Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer mich annimmt, wird leben, auch wenn er stirbt, und wer lebt und sich auf mich verlässt, wird niemals sterben, in Ewigkeit nicht. Glaubst du mir das?«

Sie antwortete: »Ja, Herr, ich glaube, dass du der versprochene Retter bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll.«

Nach diesen Worten ging Marta zu ihrer Schwester zurück, nahm sie beiseite und sagte zu ihr: »Unser Lehrer ist hier und will dich sehen!« […] Als Maria zu Jesus kam und ihn sah, warf sie sich vor ihm nieder. »Herr, wenn du hier gewesen wärst, hätte mein Bruder nicht sterben müssen«, sagte sie zu ihm. Jesus sah sie weinen; auch die Leute, die mit ihr gekommen waren, weinten. Da wurde er zornig und war sehr erregt. »Wo habt ihr ihn hingelegt?«, fragte er. »Komm und sieh es selbst, Herr!«, sagten sie.

Jesus fing an zu weinen. Da sagten die Leute: »Er muss ihn sehr geliebt haben!« Aber einige meinten: »Den Blinden hat er sehend gemacht. Hätte er nicht verhindern können, dass Lazarus stirbt?« Aufs Neue wurde Jesus zornig. Er ging zum Grab. Es bestand aus einer Höhle, deren Zugang mit einem Stein verschlossen war. »Nehmt den Stein weg!«, befahl er. Marta, die Schwester des Toten, wandte ein: »Herr, der Geruch! Er liegt doch schon vier Tage im Grab.«

Jesus sagte zu ihr: »Ich habe dir doch gesagt, dass du die Herrlichkeit Gottes sehen wirst, wenn du nur Glauben hast.« Da nahmen sie den Stein weg. Jesus blickte zum Himmel auf und sagte:

»Vater, ich danke dir, dass du meine Bitte erfüllst. Ich weiß, dass du mich immer erhörst. Aber wegen der Menschenmenge, die hier steht, spreche ich es aus – damit sie glauben, dass du mich gesandt hast.«

Nach diesen Worten rief er laut: »Lazarus, komm heraus!« Der Tote kam heraus; seine Hände und Füße waren mit Binden umwickelt und sein Gesicht war mit einem Tuch verhüllt. Jesus sagte: »Nehmt ihm das alles ab und lasst ihn nach Hause gehen!« (Johannes 11, 21-44)

Die Macht des Todes ist gebrochen

Er hat uns selig gemacht und berufen mit einem heiligen Ruf, nicht nach unsern Werken, sondern nach seinem Ratschluss und nach der Gnade, die uns gegeben ist in Christus Jesus vor der Zeit der Welt, jetzt aber offenbart ist durch die Erscheinung unseres Heilands Christus Jesus, der dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht hat durch das Evangelium, für das ich eingesetzt bin als Prediger und Apostel und Lehrer. (2. Timotheus 1,9-11)

Fragen zum Nachdenken

Glaubst du an die Auferstehung der Toten und das ewige Leben?
Wie verändert sich dadurch dein Leben?
Bist du bereit zu sterben? Für eine geliebte Person? Für eine Überzeugung? Für deinen Glauben?
Was wäre der christliche Glaube ohne die Auferstehung?

Abgeschrieben bzw. inspiriert vom Liturgischen Kalender der Evangelischen Kirche: www.kirchenjahr-evangelisch.de

Jüngerschaft – Lernen mit Herz, Kopf und Hand

September 9, 2018 in Sunday Sermon von matzewilli

Jüngerschaft – Lernen mit Herz, Kopf und Hand

Foto: Denisse Leon

Foto: Denisse Leon

Pastor Dr. Heinrich Christian Rust lehrt in seiner Predigt „Zugehörig – Vom Wesen der Christusnachfolge“, gehalten am 02.09.2018 in der Friedenskirche Braunschweig, über das Wesen jesuanischer Jüngerschaft. Er zeigt dabei auf, dass sich die „Lehrlinge“ Jesu in ihrer Nachfolge in einem ganzheitlichen Lernprozess befinden, der von der Beziehung zu ihrem Lehrer geprägt ist. Es geht dabei um eine Zugehörigkeit zu Jesus Christus und welche Implikationen sich daraus für mein Leben ergeben.

 

 

 

Fragen zum Nachdenken

Wo wird Jüngerschaft in deinem Leben konkret?

Wo erlebst du deine „Zugehörigkeit“ zu Christus?

Hörst du Gottes Reden in deinem Leben?

Gehorchst du seinem Reden?

Alles andere als Fast Food

September 2, 2018 in Sunday Sermon von matzewilli

 Foto: Angelos Michalopoulos

Foto: Angelos Michalopoulos

Im Rahmen einer Predigtreihe zur Bergpredigt legt Ben Abbing Jesu Worte über das Fasten aus.

Auf den ersten Blick gilt das Thema „Fasten“ für uns heute zumindest im Sinne einer religiösen Ausdrucksform als mehr oder minder überholt und antiquiert. Zwar scheint das Fasten gerade im Hinblick auf moderne Ernährungstrends durchaus eine Bedeutung im Denken vieler Menschen zu haben, doch welche Tiefen sich gerade im Verzicht auf das Lebensnotwendige auch im Bezug auf die eigene Gottesbeziehung auftun, spielt höchstens eine untergeordnete Rolle.

Ben stellt in seiner einzigartigen Weise heraus, dass es insbesondere auf die Absicht des Fastens ankommt, damit aus einer oberflächlichen religiösen Show eine auf Begegnung mit dem Gott der Liebe ausgerichtete Glaubenspraxis für Nachfolger Christi werden kann.

Link zum Predigtpodcast der Jesus Freaks Münster: Predigtpodcast JF MS

Predigt von Ben „Bergpredigt Teil 8 – Vom Fasten“ anklicken …

Fragen zum Nachdenken

Was verbindest du mit dem Thema „Fasten“?

Gibt es religiöse Praktiken in deinem Glaubensleben, die dir irgendwie leer vorkommen?

Was müsste sich ändern, damit deine Glaubenspraxis wieder Ausdruck deiner Sehnsucht nach Gottes Nähe werden kann?

Was bist du bereit, dafür zu ändern?

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Kaffeepause mit Jesus

August 26, 2018 in Sunday Sermon von bettina

Der folgende Text von Karoline macht Mut, selbst einmal eine sogenannte Stille Zeit auszuprobieren. Vielleicht wird es bei dir keine Kaffeepause am Nachmittag, sondern die Zeit vor dem Frühstück oder die Fahrt zur Arbeit. Nicht der Zeitpunkt ist wichtig, sondern das, was diese Zeit mir dir und deinem Leben macht.

chill_Sam.CarpenterStille Zeit halten. Ja schon, aber wann? Und wie? Wie soll das denn im extrem vollen Alltag funktionieren? Auf Freizeiten, wenn dafür extra freie Zeit eingeplant ist, mag es ja gut funktionieren, aber im Alltag?

Seit gut eineinhalb Jahren nehme ich mir ganz bewusst jeden Tag Zeit, um Stille Zeit zu machen. Genauer gesagt, um zusammen mit Jesus einen Kaffee zu trinken. Was gibt es Schöneres, wenn man erschlagen von der Arbeit nach Hause kommt und dann in allerbester Gesellschaft erst mal einen Kaffee trinken kann und dabei noch Gelegenheit hat, alles, was einen beschäftigt durchzugehen, loszuwerden, auf anderen Gedanken kommen und wieder Kraft tanken kann?

Wo bekomme ich geistliche Nahrung, wenn es sie in der Gemeinde nicht gibt? Wie kam es dazu? Über längere Zeit bin ich in eine Gemeinde gegangen (und war dort auch ehrenamtlich aktiv), die mich sehr viel Kraft gekostet hat und in der ich nur sehr selten etwas zum Auftanken gefunden habe. Mit der Zeit habe ich mich völlig ausgelaugt gefühlt.

Wo bekomme ich geistliche Nahrung, wenn es die in der Gemeinde nicht gibt? Geistliche Nahrung, die mich wieder zu Kräften kommen lässt und mich auch wieder näher an Jesus heranbringt?

Aus dieser „Notlage“ heraus habe ich dann in der Fastenzeit vor eineinhalb Jahren beschlossen, meinen Kaffee mit Jesus zu trinken (und nicht mehr am Telefon oder irgendwie zwischen durch am PC …). Sieben Wochen also ganz bewusst Zeit mit Gott zu verbringen. Jeden Nachmittag oder Abend, je  nachdem, wann ich eben von der Arbeit heim gekommen bin.

Lesen, Schreiben, Reden, Hören

Meine Kaffeepausen gestalten sich seither folgendermaßen: Kaffee (worüber ich jeden Tag wieder neu staunen kann, wie gut der schmeckt), Buch mit geistlichem Inhalt, Tagebuch, in dem ich Inhalte aus dem jeweiligen Buch festhalte, die mir wichtig sind, und in dem ich auch meine Gebete niederschreibe. Zeit mit Jesus. Lesen, Schreiben, Reden, Hören.

Und ich kann nur sagen: Es ist immer wieder spannend, was Gott mir an jedem einzelnen Tag zu sagen hat! Manchmal durch einen Gedanken, der mir beim Schreiben kommt, manchmal durch einen Vers oder Satz, den ich gelesen habe. Jedenfalls vergeht kaum eine Kaffeepause, in der ich nicht ganz konkret etwas für mich mitnehmen kann. Mittlerweile habe ich so etliche Bücher gelesen und Tagebücher gefüllt.

Gesegnete Buchauswahl

Die Buchauswahl ist auch eine richtig spannende Sache. Bisher hat jedes, aber wirklich jedes Buch genau
in meine Situation gepasst, als ich es gelesen habe. Manche Bücher standen über Jahre ungelesen im Regal und ich hatte mehrfach überlegt, ob ich sie weitergeben sollte. Und dann hatte ich doch irgendwann den Eindruck, dass es genau jetzt dran ist, das Buch zur Hand zu nehmen – und: es hat gepasst. Das fasziniert mich immer wieder aufs Neue, wie die Inhalte genau zu dem passen, was mich beschäftigt! Manchmal dauert es ein paar Tage bis ich weiß, welches Buch ich als nächstes in meiner Kaffeepause lesen soll. Aber so ist unser Gott: Manchmal brauchen wir Geduld, bis er uns den nächsten Schritt wissen lässt – und wenn es „nur“ die Buchauswahl für die Kaffeepause ist.

Zeit mit dem besten Freund

Die Kaffeepausen mit Jesus sind mir mittlerweile so sehr ans Herz gewachsen, dass mir richtig etwas fehlt, wenn ich mal nicht dazu komme. Ja, es fehlt was. Es fehlt die Zeit mit meinem besten Freund,
der mir immer treu zur Seite steht und über den ich in diesen Kaffeepausen so viel erfahren durfte. Der
mich jeden Tag neu mit dem ausrüstet, was ich brauche. Der mir neue Kraft gibt. Der mir hilft, meine Gedanken zu sortieren. Der mir hilft, abzuschalten. Der mir den nächsten Schritt zeigt. Und: Mit dem ich lachen und weinen kann! Wie oft habe ich erlebt, dass er ganz nah da ist, dass er mich wieder aufmuntert, wenn es mir gerade mal nicht so gut geht. Wie oft habe ich über seinen Humor gelacht – und davon hat er genug!

Mitten im Alltag

Kaffeepause mit Jesus. Manchmal hat mich der Gedanke beschlichen, dass ich erst noch dies und das zu erledigen hab, bevor ich mich hinsetzen und Kaffeetrinken kann. Oder manchmal habe ich gedacht, dass ich keine Zeit für eine Kaffeepause habe, weil noch so viel zu erledigen ist. Und doch habe ich mich immer wieder hingesetzt. Mitten im Alltag. Einfach so alles stehen und liegen lassen. Kaffee, Tagebuch,
Buch, Jesus und ich. Und die Arbeit drum herum war dann egal. Für zehn Minuten oder auch mal für eine Stunde.

Die Zeit hat mir dann hinterher nicht gefehlt (wie man vielleicht meinen könnte). Nein. Ich hatte Zeit,
zum Abschalten und auf anderen Gedanken zu kommen und vor allem auch aufzutanken und wieder
neue Energie für alles Weitere zu bekommen. Vieles, was vorher wie ein Berg vor mir lag, hat sich dann relativiert, denn Gott hilft immer auch, Prioritäten zu setzten. Als erstes: Er selbst. Und dann eine weitere Rangordnung mit allem, was so ansteht.

Und immer wieder denke ich: Gott sei Dank gibt es meine Kaffeepausen mit ihm – sie sind mir heilig!

Der Artikel erschien zuerst in Ausgabe 5/2016 der Korrekten Bande (damals noch Der Kranke Bote).

Fragen zum Nachdenken

Wie erlebst du die Stille Zeit? oder Wie könnte deine Stille Zeit aussehen?
Welches Buch hat dich zuletzt inspiriert?
Was hast du über dich und über Gott erfahren?
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von bettina

Dein Leben ein Dienst?!

August 19, 2018 in Sunday Sermon von bettina

spuelkueche_fs2018Beim Abschluss-Seminar am Sonntag auf Freakstock hat Hans vom Leitungsteam der Bewegung sinngemäß gesagt, dass es jetzt keinen großen Gottesdienst geben wird, sondern dass alles, was wir nach dem Segen tun, ein Gottesdienst sein soll: Zelt abbauen, die Heimfahrt mit der Familie, Müll einsammeln, spülen … Kurz: Dein Leben soll ein Gottesdienst sein. Das, was du tust soll, ein Dienst für Gott sein. In Römer 12, 1 und 2 steht dazu:

Weil ihr Gottes reiche Barmherzigkeit erfahren habt, fordere ich euch auf, liebe Brüder und Schwestern, euch mit eurem ganzen Leben Gott zur Verfügung zu stellen. Seid ein lebendiges Opfer, das Gott dargebracht wird und ihm gefällt. Ihm auf diese Weise zu dienen ist der wahre Gottesdienst und die angemessene Antwort auf seine Liebe.

Passt euch nicht den Maßstäben dieser Welt an, sondern lasst euch von Gott verändern, damit euer ganzes Denken neu ausgerichtet wird. Nur dann könnt ihr beurteilen, was Gottes Wille ist, was gut und vollkommen ist und was ihm gefällt.

Wenn du genauer wissen möchtest, was das für dein Leben heißt, hör dir die folgende Predigt von Julia Bayer aus dem Internationalen Christlichen Zentrum Ulm an. Sie fängt mit der These an, dass das Christentum lahm ist.

Herzlichen Glückwunsch!

August 12, 2018 in Sunday Sermon von matzewilli

 Foto von Kira auf der Heide

Foto von Kira auf der Heide

Herzlichen Glückwunsch, denn zu beglückwünschen sind diejenigen, die …

3 Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich. 

4 Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden. 

5 Selig die Sanftmütigen; denn sie werden das Land erben. 

6 Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden gesättigt werden. 

7 Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden. 

8 Selig, die rein sind im Herzen; denn sie werden Gott schauen. 

9 Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Kinder Gottes genannt werden. 

10 Selig, die verfolgt werden um der Gerechtigkeit willen; denn ihnen gehört das Himmelreich. 

11 Selig seid ihr, wenn man euch schmäht und verfolgt und alles Böse über euch redet um meinetwillen. 

12 Freut euch und jubelt: Denn euer Lohn wird groß sein im Himmel. So wurden nämlich schon vor euch die Propheten verfolgt. Matthäus 5, 3-12

Die Seligpreisungen

Die Seligpreisungen sind die Grundlegung der gesamten Bergpredigt. Und die Bergpredigt ist das Herz der Verkündigung Jesu. Denn in ihnen geht es um die Prinzipien des kommenden Reiches Gottes. Jesus hat dieses Reich Gottes, in welchem Gottes Wille durch und durch erfüllt wird, in jeder seiner Tätigkeiten vor Augen gehabt. Sein Herz hat für die allumfassende Herrschaft seines Vaters geschlagen; in jeder Stunde, jeder Minute, jeder Sekunde seines Daseins. Die Seligpreisungen leben von der Verheißung des Reiches Gottes. Es ist eine versprochene Wirklichkeit, die auf uns zukommt. Aus den Seligpreisungen wird deutlich, dass wir uns dieses Reich nicht verdienen können, bzw. uns nicht in dieses Reich hineindrängen können. Es breitet sich dort aus, wo Jesus im Mittelpunkt steht.

Wer darf rein?

Die Seligpreisungen sagen uns, dass nicht diejenigen, die sich reich vor Gott wähnen, Erben sein werden. Auch nicht diejenigen, die ohne Leiderfahrungen durchs Leben gehen oder die, die knallhart sind und auf die Durchsetzung von „guten“ Gesetzen bedacht sind. Nicht die, die sich für gerecht halten oder die Prinzipienreiter und Moralapostel, sondern die Barmherzigen. Nicht die Heuchler, die vorgeben etwas zu sein, was sie gar nicht sind oder die, die die Auseinandersetzung und den Krieg fördern, sind die Erben dieses Reiches. Nicht diejenigen, die andere um ihres Glaubens willen verfolgen, sondern die, die Verfolgung erdulden und nicht die, die Böses mit Bösem vergelten, sondern die Böses mit Gutem überwinden, sind Söhne und Töchter Gottes.

Hab‘ Vertrauen!

Wer denkt, allein unter Gottes Herrschaft kommen zu können, der hat vor allem seine eigenen Möglichkeiten im Blick; das Menschenmögliche. Alle diese Versuche lassen wenig Platz für das, was im Zentrum dieses Reiches steht: Jesus Christus, den Gekreuzigten. In ihm ist Gott selbst in der größten Ohnmacht so mächtig, dass er die äußerste Bedrängnis des Menschen beiseite schiebt: den Tod, das Ende allen Seins. Nicht der Tod hat das letzte Wort, sondern unser Vater im Himmel.

Wer dem Bösen mit Bösem versucht Paroli zu bieten, vertraut auf seine Möglichkeiten. Doch das Böse läuft sich selbst zu Tode. Es wird nicht ewig existieren. Gottes Herrschaft über alle Dinge aber kommt, ob wir es wollen oder nicht. Die Seligpreisungen legen für unser Leben als Nachfolger den Grundstein. Sie sind die Verheißung für das, was uns bevorsteht. Mögen auch Angst, Bedrängnis, Finsternis und Teufel uns etwas anderes einreden wollen. Das Reich des Friedens steht dieser Welt bevor und darauf sollten wir uns vorbereiten und uns von Herzen freuen. Wie wir uns darauf vorbereiten können? Indem wir nicht auf uns vertrauen, sondern dem, der auf uns zukommt und seine Herrschaft errichten wird. Wer auf jemand anderen vertraut, der „verlässt sich selbst“ im wahrsten Sinne des Wortes. Deine Sünden sind dir vergeben und du bist in Christus frei, dich in die Möglichkeiten Gottes hineinzuschmeißen. Darum lies die Seligpreisungen doch einmal so:

Hab Vertrauen darauf, dass Armut vor Gott Reichtum ist.

Hab Vertrauen darauf, dass dein Leid getröstet werden wird.

Hab Vertrauen darauf , dass Sanftmut die Welt regieren wird.

Hab Vertrauen darauf , dass Gerechtigkeit siegen wird.

Hab Vertrauen darauf , dass Barmherzigkeit Gottes Wille ist.

Hab Vertrauen darauf , dass deine Sünde besiegt ist.

Hab Vertrauen darauf , dass Frieden stiften besser ist als auf Kränkungen mit Gegengewalt zu reagieren.

Hab Vertrauen darauf , dass du das Reich Gottes erben wirst, egal was andere sagen oder tun.

Dein Vertrauen auf Gott ist deine einzige wahre Stärke.

Das Reich Gottes komme bald, Amen.

Fragen zum Nachdenken:

Gibt es Situationen in deinem Alltag, in denen du das Gefühl hast, du müsstest alles alleine bewältigen?

Was macht dieses Gefühl mit deinem Blick auf die Zukunft?

Wann willst du Böses mit Bösem vergelten?

Vertraust du darauf, dass Gottes Reich kommt?